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Selbstjustiz nach Betrug?: Stromschläge und Prügel: Paar soll mutmaßlichen Ebay-Betrüger stundenlang gefoltert haben

In Bielefeld muss sich ein Paar wegen erpresserischen Menschenraubs vor Gericht verantworten. Es soll einen mutmaßlichen Ebay-Betrüger in seine Wohnung gelockt und dort unter anderem mit einem Elektroschocker gefoltert haben. 

Bielefeld - Prozess - Ebay-Betrüger - Folter

Das Landgericht in Bielefeld, wo seit Donnerstag einem Paar der Prozess gemacht wird, das einen mutmaßlichen Ebay-Betrüger gefoltert haben soll 

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Es sind schwere Vorwürfe, die die Staatsanwaltschaft Bielefeld gegen ein Paar aus dem nordrhein-westfälischen Lübbecke erhebt. Konkret sollen die 29-jährige Frau und ihr sechs Jahre älterer Freund einen Mann, der sie zuvor offenbar auf Ebay betrogen hatte, in ihre Wohnung gelockt und dort über Stunden verprügelt und gefoltert haben. Seit dem gestrigen Donnerstag müssen sich die Beschuldigten daher vor dem Landgericht Bielefeld wegen des Verdachts auf erpresserischen Menschenraub verantworten, wie unter anderem das "Westfalen-Blatt" berichtet.

Was war geschehen? Laut Staatsanwaltschaft soll das Opfer die beiden Angeklagten bereits 2015 auf um rund 12.400 Euro betrogen haben. Dem Bericht zufolge hatte das Paar bei dem Mann, der ein vorbestrafter Betrüger sein soll, mehrere Fernseher gekauft haben, die jedoch nie ihren Weg nach Lübbecke fanden. Damit wollten sich die Beschuldigten jedoch nicht abfinden und entschieden, sich die Geldsumme per Selbstjustiz zurückzuholen. So sollen sie den Verkäufer laut Staatsanwalt unter Vorwand in ihre Wohnung gelockt haben, wo sie ihn unter anderem verprügelt und mit Stromschlägen eines Elektroschockers gefoltert haben sollen. Auch habe das Paar den Kopf des Mannes gänzlich mit Klebeband umwickelt und nur den Nasenbereich freigelassen. Unterstützung erhielten sie offenbar durch zwei Mittäter, die bislang jedoch nicht ausfindig gemacht werden konnten. 

Paar soll Ebay-Betrüger mit Tod gedroht haben

Das Martyrium zeigten dann wohl Wirkung: So soll das Opfer irgendwann eingelenkt und seinen Peinigern mitgeteilt haben, dass er in einem Hotel in Bad Oeynhausen 25.000 Euro aufbewahre. Die beiden Angeklagten seien daraufhin dorthin gefahren und hätten nachgeschaut. Tatsächlich sei das Geld auch gefunden worden, doch bei der Rückkehr in die Wohnung habe der 35-jährige Beschuldigte behauptet, den Betrag nicht entdeckt zu haben.

Mit Folgen für das Opfer: Demnach soll sich das Paar den Mann, der zwischenzeitlich durch die Mittäter bewacht worden sein soll, anschließend ein weiteres Mal vorgeknöpft haben. Unter anderem hätten die Angeklagten damit gedroht, ihm die Knie mit einer Bohrmaschine zu zerstören, schreibt die "Neue Westfälische". Erst als er unter Todesangst versprochen habe, einen hohen Geldbetrag zu besorgen, hätten die Tatverdächtigen ihn laufen lassen -  allerdings nicht ohne ihm mit erneuter Entführung, Folter und Tod zu drohen, wie es in der Anklageschrift heißt. 

Das Paar selbst weist nach Angaben seines Anwalts alle Vorwürfe zurück. Der Prozess soll am 31. Januar fortgesetzt werden.

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mod