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Virtuelle "Sweetie" überführt Pädophilen: Sie ist nicht echt, sein Verbrechen aber schon

In Australien ist zum ersten Mal ein Sexualstraftäter verurteilt worden, der mit einem Avatar im Internet überführt worden ist. Das virtuelle Mädchen Sweetie hat auch Tausende andere enttarnt.

Der Australier Scott Robert Hansen suchte Online-Sex mit jungen Mädchen. Er bot ihnen Geld dafür, dass sie sich auszogen. Auf seinen Streifzügen schrieb er in einem Chatroom auch Sweetie an, ein zehn Jahre altes Mädchen von den Philippinen. Doch Sweetie ist ein virtueller Lockvogel, mit dem Mitarbeiter der Hilfsorganisation Terre des Hommes im vergangenen Jahr Sexualstraftäter im Internet enttarnt haben.

Hansen wurde nun von einem australischen Gericht zu zwei Jahren Haft verurteilt und wird auf Anraten der Richterin außerdem eine Therapie machen. Das Urteil kam mit Sweeties Hilfe zustande: Das Gericht akzeptierte die Beweise, die Terre des Hommes mit dem unechten Mädchen gesammelt hatte, beispielsweise die Chatprotokolle.

Auschschnitte daraus hat BBC News veröffentlicht. "Ich bin nackt, schon mal einen Mann nackt gesehen?", schrieb Hansen dem Protokoll zufolge. Anschließend habe er die Webcam angeschaltet, sich selbst befriedigt und auch sexuelle Handlungen von Sweetie verlangt.

Virtuelles Mädchen, echtes Verbrechen

Für die Richterin spielte es keine Rolle, dass Sweetie kein echtes Mädchen ist. Wenn der Täter davon ausgehe, ein zehn Jahre altes Mädchen vor sich zu haben, dann begehe er eine Straftat.

Der Einsatz des digitalen Avatars Sweetie ist Teil einer Kampagne, mit der Terres des Hommes auf Sexualstraftaten mit minderjährigen Opfern im Internet hinweisen möchte. Der sogenannte Webcam-Onlinetourismus ist ein wachsendes Problem. Die Vereinten Nationen und das FBI schätzen, dass täglich bis zu 750.000 Männer aus aller Welt zehntausende Kinder, vor allem auf den Philippinen, im Internet belästigen. Die Täter suchen ihre Opfer in Foren und Chatrooms und bieten ihnen Geld, beispielsweise dafür, dass sie sich vor der Webcam ausziehen.

Im vergangenen Jahr durchstreiften vier Mitarbeiter von Terre des Hommes, getarnt als Sweetie, 19 Chatrooms. Der Avatar war extra für die Aktion programmiert worden. Rund 20.000 Männer hätten das virtuelle Mädchen dabei mit sexuellen Absichten angesprochen, schreibt Terre des Hommes in einem Bericht. 1000 von ihnen konnte die Hilfsorganisation mit Web-Recherchen identifizieren und ihre Daten an Ermittlungsbehörden weitergeben.

haw
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