HOME

Opfer verbrennt sich selbst: Dorfrat lässt Frau vergewaltigen - als Strafe für ihren Vater

In Pakistan hat sich eine junge Frau selbst verbrannt, nachdem sie vergewaltigt wurde - als Strafe dafür, dass ihr Vater zuvor ein anderes Mädchen sexuell belästigt haben soll. Zuvor hatte sie noch ein totes Kind zur Welt gebracht.

Protestierende Frauen in Pakistan

Protestierende Frauen in Pakistan (Symbolbild): In Ländern wie Indien, Afghanistan oder Pakistan werden Frauen oft für angebliche Verbrechen von Familienmitgliedern bestraft.

Im pakistanischen Dhillu Gharbi hat sich eine verheiratete Frau verbrannt, nachdem sie auf Beschluss des Dorfrates vergewaltigt wurde. Bevor sie starb, brachte die Frau noch ein Baby tot zur Welt.

Ausgelöst wurde die Tragödie offenbar durch den Vater der Frau. Medienberichten zufolge war er vor einigen Monaten erwischt worden, als er versuchte, ein minderjähriges Mädchen in dem Dorf im Distrikt Gujrat sexuell zu belästigen. Der Vater sei von der Polizei Ende März festgenommen, aber nach einiger Zeit wieder freigelassen worden, schreibt unter anderem die pakistanische Zeitung "Dawn". Der Fall wurde anschließend dem Dorfrat vorgelegt. Dieser habe entschieden, dass der Vater des Mädchens zur Strafe für die versuchte sexuelle Belästigung seiner Tochter die Tochter des Täters vergewaltigen soll. Die Frau wohnte den Berichten zufolge zu der Zeit im Haus ihres Vaters, weil ihr Ehemann im Ausland weilte.

Polizei sucht Leichnam des Babys

Fünf Monate später setzte sich die Frau selbst in Brand. Sie sei durch die Vergewaltigung im Auftrag des Dorfrates schwanger geworden und habe ihrem Mann, der von seinem Auslandsaufenthalt zurückgekehrt sei, nicht gegenübertreten wollen, erzählte sie der Zeitung zufolge wenige Tage vor ihrem Tod im Mayo Hospital in der Provinzhauptstadt Lahore der . Die Frau war in kritischem Zustand in die Klinik eingeliefert worden. Bevor sie starb, brachte sie noch ihr Baby tot zur Welt.

Den Medienberichten zufolge wurden der Vater des minderjährigen Mädchens, der Vater der Frau und einige Mitglieder des Dorfrates festgenommen. Der Fall habe jedoch nach Poizeiangaben eine neue Wendung genommen, weil die Eltern der verstorbenen Frau, alle in dem Fall verdächtigen Personen und einige der Dorfbewohner bestritten, dass der Dorfrat überhaupt zusammengekommen sei und dass der Vater der Minderjährigen die Frau vergewaltigt habe.

Die Polizei suche nun nach dem Leichnam des tot geborenen Babys, der nach der Entbindung entweder irgendwo in der Millionenstadt Lahore bestattet oder weggeworfen worden sei. Mithilfe eines DNA-Tests wollen die Ermittler feststellen, ob der Vater des minderjährigens Mädchens auch das gezeugt habe. Wer den toten Säugling aus dem Krankenhaus geholt habe, sei unklar.

Menschenrechtlerin wendet sich an Oberstes Gericht

Die Rechtsanwältin und Menschenrechtsaktivistin Jacqueline Sultan zeigte sich geschockt von dem Fall und sprach von einem unmenschlichen und barbarischen Akt. Die Regierung müsse den Vater und den Dorfrat, der für den Tod von zwei Menschen verantwortlich sei, zur Verantwortung ziehen, sagte sie der "Pakistan Christian Post". Außerdem müsse ein Gesetz geschaffen werden, dass alle Dorfräte für illegal erkläre. Sultan appellierte an das Hohe Gericht der Provinz Punjab und das Oberste Gericht Pakistans, beide Väter und sämtliche Mitglieder des Dorfrates festzunehmen und wegen Vergewaltigung und Mordes vor Gericht zu stellen.

Die Nichtregierungsorganisation "War Against Rape" aus Karachi kritiserte die informelle Paralleljustiz im Land, die immer wieder die Rechte von Frauen verletzen würde und ihre Tötung anordnen würde, um mutmaßliche Rechtsverstöße ihrer Familien zu ahnden oder die Ehre der Gemeinschaft zu schützen. Frauen würden vergewaltigt oder zwangsverheiratet, um Streitfälle zu klären und für angebliche Verbrechen ihrer Familienangehörigen zu bezahlen.

mad
Themen in diesem Artikel