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Parkland-Schulmassaker: "Wünschte, ich könnte Kugeln für Dich abfangen": Mutter schreibt erschossener Tochter Brief

Am Valentinstag vor einem Jahr erschoss ein 19-jähriger Ex-Schüler 17 Menschen an der Parkland Highschool in Florida. Darunter war die 14-jährige Alyssa Alhadeff. Ihre Mutter hat ihr jetzt einen Brief geschrieben.

Lori Alhadeff (m.) hält auf einer Konferenz zum Thema Waffenkontrolle ein Bild ihrer Tochter Alyssa, die bei der Schulschießerei in Parkland starb. Rechts neben ihr steht Ehemann Ilan Alhadeff.

Lori Alhadeff (m.) hält auf einer Konferenz zum Thema Waffenkontrolle ein Bild ihrer Tochter Alyssa, die bei der Schulschießerei in Parkland starb. Rechts neben ihr steht Ehemann Ilan Alhadeff.

Getty Images

Genau vor einem Jahr, am Valentinstag, kehrte Nicolas Cruz an seine ehemalige Schule zurück und feuerte innerhalb weniger Minuten 200 Schüsse aus einer halbautomatischen Waffe ab. Ein Jahr zuvor war er wegen des Ärgers, den er immer wieder machte, von der Schule geflogen. Jetzt wollte er sich rächen und tötete willkürlich 17 Menschen, 14 Schüler und drei Erwachsene. Sie sollten dafür büßen, dass sein Leben aus der Bahn geraten war. Sie starben, weil Nicolas Cruz auf grausame Weise irgendjemand für sein kümmerliches Dasein verantwortlich machen wollte.  

Unter den unschuldigen Opfern, die Cruz in diesen Minuten am frühen Nachmittag erschoss, war auch die 14-jährige Alyssa Alhadeff. Ihre Mutter Lori wurde nach dem Tod ihrer Tochter zu einer Aktivistin, die sich sich für größere Sicherheit an Schulen und eine stärkere Waffenkontrolle einsetzt. Landesweite Bekanntheit erreichte sie einen Tag nach dem Massaker, als sie US-Präsident Donald Trump vor laufenden Kameras in einem dramatischen Appell aufforderte, endlich etwas gegen die "School-Shootings" zu tun.

+++ Lesen Sie hier den Brief von Lori Alhadeff im englischen Original +++

Sie brachte ihre Tochter mit dem Auto zur Schule

Zum Jahrestag des Parkland-Massakers meldete sich Aldaheff wieder zu Wort. Auf der Internetseite "dearworld.org" veröffentlichte sie einen bewegenden Brief an ihre Tochter und ein Video, in dem sie eine Anekdote aus dem Leben von Alyssa erzählt.

Der Brief erzählt in ein eindringlichen Worten, wie sehr die trauernde Mutter sie vermisst: "Der vergangene Valentinstag war das letzte Mal, dass ich dich sah. Du trugst ein schwarz-weißes Kleid. Dein langes dunkles Haar trugst Du offen. Dein Make-up sah genau richtig aus. Natürlich schützten deine weißen Converse-Sneakers deine Füße, als du an der Marjory Stoneman Douglas Highschool (Name der Parkland Highschool, Anm. d. Red.) ankamst", schreibt Aldaheff zu Beginn.

Sie erinnert sich daran, dass ihre Tochter an diesem besonderen Tag eigentlich gar nicht zur Schule gehen wollte, weil sie keinen Freund hatte, niemand, der ihr ein Valentinsgeschenk machen würde. Die Mutter schenkte ihr deshalb ein paar Ohringe und Schokolade, um ihrer Tochter eine Freude zu machen. Aldaheff schreibt, dass sie ihrer Tochter so sehr wünschte, dass sie das Gefühl kennen lerne, Schmetterlinge im Bauch zu haben.

Ein Abschied für immer

Als die Tochter aus dem Auto steigt, ist es ein Abschied für immer: "Ich liebe Dich auch" sind die letzten Worte, die die Tochter zu ihrer Mutter sagt.

Alhadeff erzählt ihrer Tochter, was alles im letzten Jahr passiert sei. Ihre Brüder und ihr Vater vermissten sie unendlich. Einer ihrer Brüder, Grammy, setze sich für sichere Schulen ein, die Familie habe jetzt einen Hund mit Namen Roxy und Alyssas Fußball-Mannschaft trage ihre Nummer, die Acht, bei jedem Spiel. Ihr Vater kämpfe "jeden Tag für Dich. Er ist deine Stimme".

Sie berichtet von ihren Worten, die sie einen Tag nach Alyssas Tod in das CNN-Mikrofon sprach, von der Organisation "Macht unsere Schulen sicher", die sie gegründet hat, und das ein Gesetz für sicherere Schulen in New Jersey nach ihr, Alyssa, benannt wurde.

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Lori Alhadeff: Wusste, dass Du gegangen bist

Sie schreibt über ihre mütterliche Intuition, die sie mit anderen Müttern teile. Und von dem Moment, als sie die Nachricht erhalten habe, dass es eine Schießerei an der Schule gab: "Da wusste ich, dass Du gegangen bist."

Der Brief endet unter anderem mit den Worten: "Wenn ich an dich denke, überkommt mich die Trauer. Aber diese Trauer ermutigt mich, für Veränderungen zu kämpfen. Ich wünschte, ich könnte alle Kugeln für dich abfangen."

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