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Mehrere Verdächtige: Die obskuren Männer im Fall Peggy

15 Jahre ist es her, dass Peggy verschwand. Dass sie tot ist, steht fest. Die meisten Fragen sind aber noch ungeklärt, deshalb ist der Fall erneut Thema der Sendung "Aktenzeichen XY". Mehrere Männer waren bislang im Fokus der Ermittler.

Ein blauer Kunststoff-Sack liegt in einem Waldstück in Thüringen, in dem auch Skelettteile von Peggy gefunden worden waren.

Das Waldstück in Thüringen, in dem auch Skelettteile von Peggy gefunden worden waren

Der Fall Peggy wird erneut zum Thema in der Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst". Die Ermittler wollen die Bevölkerung am Mittwoch (20.15 Uhr, ZDF) noch einmal um Hinweise bitten - vor allem zum Fundort des Skeletts, einem Waldstück zwischen Rodacherbrunn im thüringischen Saale-Orla und Nordhalben im Kreis Kronach in Oberfranken.

Denn zu Peggy gibt es noch sehr viele offene Fragen. Klar ist bislang bloß, dass das Mädchen tot ist - vermutlich getötet durch Gewalt. Auch, wenn noch kein Täter gefasst ist: In 15 Jahren Ermittlungen wurde nach und nach aufgedeckt, dass es in Peggys jungem Leben gleich mehrere obskure Männer gab. Ein Überblick zu den bisherigen Verdächtigen.

Ulvi K. - verurteilt und freigelassen

Schon zwei Sonderkommissionen haben Peggys Fall untersucht - die erste hatte ihre Arbeit gleich nach dem Verschwinden des Mädchens aufgenommen und wurde schon bald wieder aufgelöst, weil sie keinen Erfolg hatte. Erst die zweite präsentierte im Jahr 2002 den ersten Tatverdächtigen: Ulvi K. Er hatte nachweislich bereits mehrere Kinder sexuell missbraucht.

Er ist geistig behindert, der Sohn eines Gastwirts und kommt aus Lichtenberg. Ulvi K. gestand die Tat - und wurde in einem Indizienprozess als Mörder verurteilt. Er habe Peggy missbraucht und anschließend umgebracht, hieß es damals. Doch es gab Zweifel an der Wahrheit der Aussage des behinderten Mannes. Zehn Jahre später wurde das Verfahren wieder aufgenommen. Ulvi K. widerrief sein Geständnis und wurde schließlich freigesprochen. Anlass dafür war, dass ein wichtiger Zeuge ausgesagt hatte, die Polizei habe ihn damals zu der Aussage gedrängt, die Ulvi K. belastet hatte.

Nach der Haft kam Ulvi K. in die geschlossene Psychiatrie, die er im vergangenen Jahr wieder verlassen durfte. Heute soll er laut dem Bayerischen Rundfunk in einem Heim für behinderte Menschen wohnen.

Holger E. - pädophil und verurteilt

Bei einer Durchsuchung von Peggys Hinterlassenschaften fanden Ermittler die Adresse des Verdächtigen Holger E. aus Halle. Er soll ganz vernarrt in Peggy gewesen sein. Bei einem Besuch bei dem Mann in dessen Wohnung stieß die Polizei auf mehrere Fotos von Peggy und ein Amulett mit dem Buchstaben 'P'. Außerdem soll Peggys Name an E.s Wand gestanden haben. Den habe er dorthin geschrieben, um sich an das Mädchen zu erinnern, soll er laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" ausgesagt haben.

Ermittlern gegenüber hat er zugegeben, dass es mit Peggy zu "Zärtlichkeiten" gekommen sei. Das hatte der Bayerische Rundfunk berichtet. E. war öfter bei Peggys Familie zu Besuch. Er bestritt, etwas mit dem Tod des Mädchens zu tun gehabt zu haben, auch Beweise gab es keine. In diesem Fall schied er als Verdächtiger aus.

Heute sitzt er dennoch im Gefängnis, weil er seine eigene Tochter missbraucht hat und auch seine Nichte, die mit ihrer Familie neben Peggy in Lichtenberg wohnte. Er wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Auch Holger E.s Adoptivbruder war Verdächtiger im Fall Peggy; die Polizei ermittelte zwischenzeitlich gegen ihn. Doch die Indizien reichten auch bei ihm nicht für einen dringenden Tatverdacht aus.


Ein Verdächtiger, der jetzt klagt

Ein weiterer Verdächtiger war ein anderer Mann aus Lichtenberg. Weil er als Sexualstraftäter bereits vorbestraft war, durchsuchte die Polizei sein Haus, auf seinem Grundstück gruben die Ermittler nach Peggys Leiche. Dabei fanden sie sogar tatsächlich Knochen - doch die stammten nicht von dem vermissten Mädchen, sondern offenbar von einem Lichtenberger Friedhof. Inzwischen hat der Mann Schadenersatz gefordert.

Erst vor wenigen Wochen war Peggys Fall zuletzt Thema der Sendung "Aktenzeichen XY". Damals waren nach der Ausstrahlung im ZDF mehr als 200 Hinweise im Fall Peggy eingegangen. Wirklich weitergebracht hat bislang keiner der Tipps.