HOME

31 Jahre Flucht: Petra P. und ihr Leben nach dem "Tod"

Es gibt keinen vergleichbaren Fall in der deutschen Polizeigeschichte: Über drei Jahrzehnte war Petra P. verschwunden, jetzt ist sie wieder aufgetaucht. Hat die Frau nun rechtliche Konsequenzen zu befürchten?

Die Wohnungstür von Petra P. in Düsseldorf

Einbruchsspuren sind an der Düsseldorfer Wohnungstür von Petra P. zu sehen. 

24 Jahre war Petra P. alt, als sie 1984 abtauchte und sich eine geheime Existenz aufbaute. 31 Jahre später folgt jetzt der nächste Neuanfang in ihrem Leben: Frau P. hat ihre wahre Identität gelüftet, als Polizisten sie wegen eines Einbruchs in ihrer Düsseldorfer Wohnung aufsuchten. Dort hatte sie bis zuletzt unter dem Namen Schneider gewohnt.

"Das ist schon einmalig und sicherlich ein Fall für die Polizeigeschichte", sagt der Braunschweiger Polizeisprecher Joachim Grande der "Rheinischen Post". Genau das macht den Fall so spannend: Etwas Vergleichbares hat es - zumindest in Deutschland - noch nie gegeben. Wie geht es jetzt weiter für Petra P.?

Das Amtsgericht wird Frau P. für lebend erklären

Zunächst wird das Amtsgericht Wolfsburg die Frau, die seit 1989 offiziell als "tot" galt, für lebend erklären. Laut Informationen der "Rheinischen Post" möchte sie weiterhin keinen Kontakt mit ihrer Familie aufnehmen. Bruder und Mutter der so lange Verschollenen seien völlig schockiert und hätten der Polizei einen Brief übergeben - sie würden ihre Verwandte "mit offenen Armen aufnehmen". Über die Gründe für den Kontaktabbruch ist nichts bekannt. Petra P. verneine, dass es sexuelle Übergriffe oder Gewalt gegeben habe, sagt Polizeisprecher Grande. "Ihre Motivation hat sie uns nicht erklärt."

Für Petra P. stehen nun einige Behördengänge an, für die ihr von offizieller Seite Hilfe angeboten wurde. Rechtliche Konsequenzen hat die Frau aber nicht zu befürchten. Laut Angaben der Polizei sei es das Recht eines Erwachsenen, sich aus seinem gewohnten Lebensraum zurückzuziehen, ohne andere darüber in Kenntnis zu setzen. "Das Verhalten der Frau ist nicht strafbar", betont Grande. Das Umgehen des Meldegesetzes sei eine Ordnungswidrigkeit. Juristisch gesehen könnte allenfalls die jahrelange Schwarzarbeit als Steuerhinterziehung zu bewerten sein.

tim
Themen in diesem Artikel