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Studentin aus Braunschweig: So akribisch plante Petra P. ihr eigenes Verschwinden

Nach 31 Jahren taucht eine für tot erklärte Studentin aus Braunschweig in Düsseldorf wieder auf - quicklebendig. Jetzt wurden Details bekannt, die zeigen, wie sie ihr Abtauchen damals sehr genau geplant hat.

Journalist Eduard Zimmermann steht im September 1986 neben dem Logo der Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst"

Eduard Zimmermann im September 1986 neben dem Logo von "Aktenzeichen XY ... ungelöst": In der Sendung wurde auch über den Fall der verschwundenen Petra P. berichtet.

Die vermeintlich ermordete Frau aus Braunschweig, die nach 31 Jahren quicklebendig in Düsseldorf wieder aufgetaucht ist, hat ihr damaliges Abtauchen genau geplant. Wochen, bevor die damals 24 Jahre alte Studentin im Jahr 1984 verschwand, habe sie bereits eine Wohnung in Gelsenkirchen angemietet und heimlich Geld zur Seite gelegt, teilte die Polizei in Braunschweig am Freitag mit. Die junge Frau nahm damals keinen Koffer mit und ließ alles so aussehen, als sei ihr etwas zugestoßen.

Mutter und Bruder fassungslos

Selbst die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY...ungelöst" fahndete nach der damals 24-jährigen Studentin. Die Ermittler gingen von einem Gewaltverbrechen aus, auch wenn keine Leiche gefunden werden konnte. Später sagt der Mörder einer Schülerin aus, auch die Studentin getötet zu haben, widerruft das Geständnis aber. 1989 dann wird die Studentin für tot erklärt.

Bei der Aufnahme eines Wohnungseinbruchs 31 Jahre später in Düsseldorf räumt eine 55 Jahre alte Mieterin den überraschten Beamten gegenüber ein, dass sie nicht die Person ist, deren Namen auf dem Klingelschild steht. Sie sei die vermisste Studentin aus Braunschweig, kann sogar noch ihren seit Jahrzehnten abgelaufenen Personalausweis vorlegen. "Wir klappen den Deckel jetzt zu. Wir hatten den Aktenordner hier noch stehen", erklärte der Braunschweiger Polizeisprecher Joachim Grande.

Die Mutter und der Bruder der heute 55-Jährigen hätten fassungslos darauf reagiert, dass ihre Tochter und Schwester noch lebt. Wie die "Braunschweiger Zeitung" berichtete, schrieben sie der Frau, dass sie stets mit offenen Armen empfangen werde. 

Petra P. will keinen Kontakt zur ihrer Familie

Warum sie damals verschwunden ist, hat Petra P. nicht erklärt. Wohl aber betont weiterhin keinen Kontakt zur Öffentlichkeit oder zu ihrer heute in der Nähe von Gifhorn lebenden Familie haben zu wollen. Dennoch wurde die Familie am Mittwoch von der Polizei über die vollkommen überraschende Wendung informiert. Die letzten elf Jahre lebte die Frau in Düsseldorf, davor in mehreren Städten Westdeutschlands. "Wo überall, weiß sie nicht mehr." Nun muss sie auf Antrag der Staatsanwaltschaft wieder für lebend erklärt werden - und das Klingelschild wird auch ausgetauscht.


law / DPA