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Pfahls-Prozess: "Holgart" kassierte Millionen

Ex-Rüstungsstaatssekretär Ludwig-Holger Pfahls hat ein Geständnis mit politischem Sprengstoff abgelegt. Zum Prozessesbeginn in Augsburg entfaltete "Das Phantom" ein breiteres Szenario von Geben und Nehmen.

Fünf Jahre lang hat Ludwig-Holger Pfahls der Justiz ein beispielloses Versteckspiel geliefert. Am Dienstag aber packt der frühere Rüstungsstaatssekretär und Ziehsohn von Franz Josef Strauß (CSU) vor dem Augsburger Landgericht gründlich aus. Zum Auftakt seines Prozesses räumt er in einer vierstündigen Erklärung unumwunden ein, als Mitglied der einstigen Regierung von Helmut Kohl (CDU) umgerechnet rund zwei Millionen Euro Schmiergeld von dem Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber erhalten zu haben. "Ich will das nicht auf die Überredungskünste des Herrn Schreiber abschieben", sagt er. "Ich bin schuld."

Überraschende Schilderungen über weitere Geld-Transfers

Mit ernstem Gesicht, schmal und ruhig sitzt der einstige Spitzenbeamte mit dem Hang zum Luxusleben auf der Anklagebank. Seine fünfjährige Flucht, die Festnahme in Paris im vergangenen Jahr und mindestens ein Schlaganfall haben bei dem 62-Jährigen deutliche Spuren hinterlassen - er braucht Zeit für seine Version der Geschichte. Denn während die Ermittler davon ausgehen, dass die zwei Millionen Euro aus einem Panzergeschäft mit Saudi-Arabien 1991 stammen, schildert Pfahls überraschend weitere Geld-Transfers durch Schreiber: einen Rüstungsdeal mit den USA und ein U-Boot-Geschäft mit Israel.

Eigentlich habe er das Geld nicht nehmen wollen und auch gar nicht gebraucht, versichert Pfahls. Sein Zögern habe Schreiber jedoch mit den Worten fortgewischt: "Hab’ Dich nicht so. Uns tut’s nicht weh. Hauptsache, das Projekt geht durch." Weil das Geld aber nicht einfach auf Pfahls’ Konto bei der Sparkasse landen durfte, parkte Schreiber es auf einem Schweizer Rubrikkonto unter dem Tarnnamen "Holgart" - eine Anspielung auf Pfahls’ Vornamen Holger. "Er hat mir gesagt, wenn ich ihn anrufe, kann ich das Geld haben."

Pfahls ist nach drei höchst diffizilen Verfahren in der Schmiergeld-Affäre der erste Angeklagte, der damit Schreibers ausgeklügeltes System von Treuhandkonten in der Schweiz bestätigt. Die Augsburger Justiz hofft, damit auch für das anhängige Revisionsverfahren von Max Strauß weitere Belege an die Hand zu bekommen. Denn der Sohn des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß war zwar im vergangenen Jahr wegen millionenschwerer Steuerhinterziehung zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden - er bestreitet aber den Erhalt von Geldern bis heute und hat das Urteil angefochten.

Auch Pfahls, so schildert er dem Gericht wortreich, ist bis heute nicht sicher, wie er in das "System Schreiber" hineingeraten konnte, durch das einst auch die CDU-Spendenaffäre ins Rollen kam. "Irgendwie gelingt es dem Schreiber, einen breitzuquatschen", sinniert er. Zudem sei die Aufbewahrung in der Schweiz eine Art Brandmauer für ihn gewesen: "Ich habe mich irgendwie verstrickt - aber nicht so ganz, dass es Mehltau auf meine Seele gelegt hätte."

"Ich stehe vor dem Nichts"

Gleichwohl versuchte Pfahls später, Schreiber auf die Probe zu stellen und forderte von seinem Konto Geld. In drei Tranchen bekam er um den Jahreswechsel 1992 herum insgesamt mehr als 400.000 Euro in bar - eine Summe, die er bis zu seinem Untertauchen in Asien 1999 nicht anrührte. Inzwischen sei er finanziell am Ende: "Ich stehe vor dem Nichts." Seine Flucht bezeichnete er im Rückblick als Fehler. Er habe Angst vor der Schande eines Verfahrens gehabt.

Eine Höchststrafe von zwei Jahren und drei Monaten hatte der Vorsitzende Richter Maximilian Hofmeister Pfahls gleich zum Auftakt in Aussicht gestellt, wenn er ein glaubwürdiges Geständnis liefert. Sollte dem Gericht seine Darstellung dafür reichen, könnte er im Fall einer Verurteilung dennoch bald wieder ein freier Mann sein. Denn die Auslieferungshaft in Frankreich und die Untersuchungshaft in Deutschland - zusammen schon fast ein Jahr - werden auf die Haftstrafe angerechnet.

Nada Weigelt/DPA / DPA