Pfahls-Prozess Der Zorn des Richters


Ex-Außenminister Klaus Kinkel hat beim Pfahls-Prozess für einen Eklat gesorgt: Richter Maximilian Hofmeister rügte den Zeugen wegen ungebührlichen Verhaltens. Ganz anders verhielt sich Theo Waigel.

Zu einem regelrechten Schlagabtausch ist es am Dienstag im Korruptionsprozess gegen Ludwig-Holger Pfahls zwischen dem prominenten Zeugen Klaus Kinkel (FDP) und dem Vorsitzenden Richter Maximilian Hofmeister gekommen. Beide Juristen herrschten sich zu Beginn der Zeugeneinvernahme gegenseitig an, minutenlang herrschte Hochspannung im Gerichtssaal. Ein zorniger und auffahrender Ex-Bundesjustizminister geriet an einen belehrenden Richter.

Kinkels eigenmächtiges Verhalten

Anlass war das eigenmächtige Verhalten Kinkels, den Verhandlungssaal im Blitzlichtgewitter der Fotografen erst zu betreten, als Hofmeister mit seinen Beisitzern und Schöffen schon erschienen war. Hofmeister sagte mit schneidender Stimme zu Kinkel, es sei höchst ungewöhnlich, dass der Zeuge erst nach dem Eintreffen der Richter erscheine. Darauf konterte Kinkel sofort, er empfinde das Verhalten des Augsburger Gerichts ebenso ungewöhnlich und er wolle eine Erklärung abgeben.

Doch Hofmeister schnitt Kinkel das Wort ab und wies ihn darauf hin, er solle erst einmal seine Angaben zur Person machen, was Kinkel sichtlich genervt tat. Dann gab Hofmeister dem früheren FDP-Chef mit einer wohlwollenden Geste das Wort. Dieser versuchte zunächst, sein verspätetes Erscheinen vor Gericht zu erklären. Er habe sich vor dem Ansturm der Fotografen und Kameraleute schützen wollen und habe gebeten, in einen Nebenraum gebracht zu werden. Dadurch habe sich dann sein Erscheinen vor Gericht verzögert.

Dann - Kinkels Stimme wurde schneidend - wollte er sich noch zu seiner Vorladung äußern. Er habe dem Kammervorsitzenden einen Brief geschrieben mit der Bitte, nicht nach Augsburg kommen zu müssen. Über eine Agenturmeldung habe er dann erfahren, dass er persönlich zu erscheinen habe. Diesen Stil kritisiere er, sagte Kinkel, als ausgerechnet sein Handy in der Hosentasche laut zu läuten begann. Hofmeister: "Passt!" Passe eben zu seinem Verhalten, wollte der Richter damit sagen. Kinkel: "Diese Bemerkung ist unnötig." Hofmeister: "Wir haben hier schon einige Zeugen gehört, bei denen das Handy nicht geläutet hat. Das passt schon." Kinkel: "Dann erspare ich mir weitere Bemerkungen."

"Ich habe mich geärgert"

Hofmeister wies den Juristen Kinkel eingehend darauf hin, er befinde sich vor einem Gericht, das den schwerwiegenden Vorwurf der Bestechlichkeit gegen den Ex-Rüstungsstaatssekretär Pfahls zu prüfen habe. Kinkel als damaliges Mitglied der Regierung von Helmut Kohl (CDU) sei dafür ein wichtiger Zeuge. Daraufhin beruhigte sich Kinkel, seine Zeugenvernehmung konnte über die Bühne gehen. Doch am Schluss schleuderte er den Journalisten ein "Nein" entgegen, die von ihm eine Stellungnahme haben wollten. "Ich habe mich geärgert, dass ich hier antreten musste", sagte Kinkel und verschwand.

Ganz anders Theo Waigel (CSU). Der frühere Bundesfinanzminister kam gut gelaunt in den Gerichtssaal und ließ sich freundlich lächelnd ablichten. Auf Bitten der Journalisten gab er den freundlichen Herren erst nach links, dann nach rechts, damit ihn jeder bestens fotografieren konnte. Hofmeister lobte Waigels Auftritt als "bayerischer Politiker" als "vorbildlich", im Gegensatz zu dem Erscheinen von Ex-Außenminister Kinkel. Waigel reagierte prompt mit der Bemerkung: "Ich weise den Vorwurf gegen einen Kollegen zurück" und hatte die Lacher auf seiner Seite. Dann gab er bereitwillig und präzise Antworten auf die Fragen der Richter.

Nikolaus Dominik/DPA DPA

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