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Phil Spector: Hollywoodreifer Mord-Prozess

Er hat mit den Beatles gearbeitet und Tina Turner zum Durchbruch verholfen - doch Frauen gegenüber soll er oft die Beherrschung verloren haben. Hat er vor vier Jahren gar eine ermordet? Um dies zu klären, muss Musikproduzent Phil Spector nun vor Gericht.

Hat die Schauspielerin Lana Clarkson "die Pistole geküsst" und sich selbst erschossen, wie der wegen Mordes angeklagte Phil Spector beteuert? War es ein Unfall oder Mord? Vier Jahre nach dem Leichenfund in der Villa des einst legendären Plattenproduzenten soll die Öffentlichkeit nun die wahren Tatumstände erfahren. Am 19. März wird in Los Angeles mit der Auswahl der Juroren der Prozess gegen den 66 Jahre alten Spector eröffnet. Vorausgesetzt es kommt in letzter Minute nicht zu weiteren Verzögerungen. Schon zwei Mal hat sich Spector ein neues Team von Anwälten gesucht. Immer wieder wurde der Prozessauftakt verschoben.

Im September 2004 war der Musikproduzent offiziell angeklagt worden, im Februar 2003 in seiner Villa die 40-jährige Clarkson erschossen zu haben. Er befindet sich seither gegen eine Kautionszahlung in Höhe von einer Million Dollar auf freiem Fuß. "Es ist vier Jahre her und er hat nicht eine Nacht hinter Gitter verbracht", empörte sich Edward Lozzi, Clarksons früherer Manager, kürzlich in der "Los Angeles Times".

Grünes Licht für Fernsehkameras

Der langen Wartezeit dürfte nun ein riesiger Medienrummel folgen. Der zuständige Richter beim Superior Court, Larry Paul Fidler, hat grünes Licht für Fernsehkameras in seinem Gerichtssaal gegeben. Nach dem TV-Spektakel im Mordprozess gegen O.J. Simpson 1995 ist dies das erste Promi-Verfahren vor laufender Kamera. Es sei "extrem wichtig", dass die Öffentlichkeit den Fall mitverfolgen könne, so Fidler. Damit sollten mögliche Vorurteile ausgeräumt werden, dass berühmte Angeklagte eine Sonderbehandlung bekämen.

Reichtum und Ruhm verdankt Spector seiner genialen "Wall of Sound"-Aufnahmetechnik, die er in den 60er Jahren für Hits wie "Be My Baby" und "Chapel Of Love" entwickelte. Er arbeite mit Musikgrößen wie Elvis Presley, The Ronettes und den Beatles. Er komponierte "River Deep Mountain High" und verhalf damit Tina Turner zum weltweiten Durchbruch. 1989 wurde Spector für seine Verdienste in die "Rock'n'Roll Hall of Fame" aufgenommen.

Schlägen und Todesdrohungen misshandelt

Doch schon in den 1970er Jahren produzierte der exzentrische Platten-Mogul negative Schlagzeilen. Ehefrau Ronnie, Sängerin der Ronettes, ließ sich von ihm scheiden. Er habe sie mit Schlägen und Todesdrohungen misshandelt, warf sie Spector vor. Musikern zufolge spielte Spector in seinem Studio häufig mit geladenen Pistolen.

Seit dem Tod von Clarkson in seiner schlossähnlichen Villa in Alhambra, einem Vorort von Los Angeles, hat Spector wiederholt seine Unschuld beteuert. Die betrunkene Frau habe "die Pistole geküsst" und sich selbst erschossen, sagte er 2003 der Zeitschrift "Esquire". Doch sein Chauffeur gab der Polizei zu Protokoll, Spector sei mit einer Waffe in der Hand aus dem Haus gelaufen und habe zugegeben, jemanden getötet zu haben. Es sei ein Unfall gewesen, so Spectors erste Erklärung in der Tatnacht. Der Produzent habe damals seine Medikamente nicht eingenommen und unter Entzugserscheinungen und Vergesslichkeit gelitten, so erklärte sein Anwalt später die unterschiedlichen Darstellungen.

Vier Bars und 450 Dollar Trinkgeld

Spectors Chauffeur hatte den Ermittlern berichtet, dass er seinen Chef in der Mordnacht zu vier Bars gefahren hatte, in denen dieser jeweils mehrere Drinks zu sich nahm. Im "House of Blues", in dem er auf Clarkson stieß, gab der Schallplattenmogul 450 Dollar Trinkgeld nach einem Drink und einem Wasser zum Preis von zusammen 13,50 Dollar. Der Chauffeur setzte Spector und Clarkson weit nach Mitternacht vor der Villa ab und hörte etwa eineinhalb Stunden später einen einzigen Schuss. Für die Staatsanwaltschaft ein klarer Fall: Der Produzent habe wütend zur Waffe gegriffen, als sich Clarkson seinen Annäherungsversuchen widersetzte. Angeblich werden vier Frauen in den Zeugenstand treten, die Spector auf ähnliche Weise bedroht haben soll.

Beobachter erwarten ein hollywoodreifes Gerichtsdrama. Spector hat den Promi-Anwalt Bruce Cutler angeheuert, der in den 80er Jahren drei Freisprüche für den berüchtigten Mafioso John Gotti erwirkte. Der Jurist hat bereits Kameraerfahrung. An der Seite von Robert DeNiro spielte Cutler in dem Thriller "15 Minuten Ruhm" mit. Darin geht es um zwei Killer, die ihre Morde auf Video aufzeichnen, ans Fernsehen verkaufen, um so als Medienstars groß herauszukommen.

Barbara Munker/DPA / DPA