HOME

Phillip Garrido: Außer Kontrolle

Es hätte eigentlich nie passieren dürfen: 18 Jahre lang soll Phillip Garrido Jaycee Dugard missbraucht haben. Und das, obwohl die Polizei ihn überwachte. Jetzt gibt es neue Details über seine kriminelle Vergangenheit.

Über den Entführer und Vergewaltiger von Jaycee Dugard, Phillip Garrido, kommen immer mehr Details ans Tageslicht. Sie zeichnen das Bild eines gestörten Mannes mit Drogenproblemen und dem "Drang, Frauen zu vergewaltigen", wie er über sich in einer Gerichtsverhandlung vor mehr als 30 Jahren aussagte. Die Akten aus dem Prozess von 1977 wurden jetzt veröffentlicht. Darin gibt der mittlerweile 58-Jährige zu Protokoll, dass er jahrelang LSD, Kokain und Haschisch konsumiert habe. Diese Abhängigkeit könnte teilweise für sein sexuell abnormes Verhalten sein, heißt es in einem Gutachten aus dem Jahr 1976, aus dem die "New York Times" zitiert. Bereits damals sei er deswegen als gefährlich eingestuft worden.

50 Jahre wegen Entführung und Vergewaltigung

Garrido, der Jaycee Dugard mutmaßlich 18 Jahre lang gefangen hielt, missbrauchte und mit ihr zwei Kinder hat, war 1977 zu einer 50-Jährigen Gefängnisstrafe wegen Entführung und Vergewaltigung verurteilt worden. In Reno, Nevada hatte er damals eine junge Frau in einem Schuppen eingeschlossen und vergewaltigt. Nach elf Jahren kam er wegen guter Führung auf Bewährung frei und trägt seitdem eine elektronische Fußfessel - die ihn aber offensichtlich nicht daran hinderte, die damals 11-jährige Dugard zu kidnappen und in seinem Hinterhof in Zelten hausen zu lassen.

Dieser Umstand hat in den USA nun eine Debatte darüber ausgelöst, wie sinnvoll diese Form des Umgangs mit Triebtätern ist: "Dank der elektronischen Fußfessel wissen wir zwar, wo die Leute sind, aber nicht, was sie tun", sagte Robert Coombs, von der Missbrauchsopferhilfe CALCASA dem Sender CNN. Nach Schätzung der Organisation gebe der Staat Kalifornien jährlich 500 Millionen Dollar für die Geräte aus, die mit GPS-Sender ausgestattet sind. "Jeder Dollar, den sie in diese Fesseln stecken, fehlt bei der herkömmlichen Bewährungshilfe - etwa Kontrollbesuche und persönlicher Kontakt", so Coombs weiter. Zwar sei auch Garrido besucht wurde, doch der Bewährungshelfer sei immer nur bis zur Haustür gekommen und habe nichts von dem Treiben des Mannes mitbekommen.

"Wir hätten damals neugieriger sein müssen"

2006 hatte eine Nachbarin die beiden Kinder in dem ärmlichen Zeltlager gesehen und die Polizei informiert. Doch die ging dem Hinweis nicht richtig nach. Ein Fehler für den sich der örtliche Scheriff nun entschuldigt: "Wir hätten damals neugieriger sein müssen und besser nachforschen sollen", so Warren E. Rupf. Als Begründung für die Nachlässigkeit sagte der Scheriff, seine Kollegen hätten womöglich nicht gewusst, dass Garrido ein Sexualstraftäter sei. Was erstaunlich ist, denn die Polizei wusste, dass in der Gegend ungewöhnlich viele Triebtäter wohnen. Nach US-Gesetzen ist es verurteilten Sexualstraftätern unter anderem verboten, etwa in die Nähe von Schulen, Parks, Kirchen und Kindergärten zu ziehen. Weil dem ärmlichen Örtchen Antioch zwischen Sacramento und San Francisco diese Infrastruktur weitgehend fehlt, sind im Laufe der vergangene Jahre rund 100 Verurteilte dort hingezogen.

Garrido soll wegen ungewöhnlichen Verhaltens auch oft den Nachbarn aufgefallen sein. Einige Frauen haben von tätlichen Angriffen berichtet, so die "New York Times". Er selbst hatte im Prozess vor 30 Jahren gestanden, gelegentlich im Auto sitzend masturbiert zu haben. "Auch in der Nähe von Schulen, während ich junge Frauen beobachtet habe", so Garrido damals. Im US-Sendung "Inside Edition" spricht seine Ex-Frau darüber, dass ihr Mann schnell äußert eifersüchtig werden konnte: "Einmal hat er mit einer Sicherheitsnadel auf meine Augen gezielt. Eine Narbe im Gesicht habe ich noch."

Was passierte im Frühjahr 1993?

Wegen eines bislang ungenannten Verstoßes gegen die Bewährungsauflagen musste Garrido 1993 für vier Monate ins Gefängnis. Zu dem Zeitpunkt aber hatte er Jaycee Dugard bereits zwei Jahre in seiner Gewalt. Was in der Zeit seiner Abwesenheit mit dem damals 13 Jahre alten Mädchen passiert ist und warum es nicht geflohen ist oder fliehen konnte, ist einer der vielen Fragen, die die Ermittler nun klären müssen.

nik
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?