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Piraten im Golf von Aden: Schiff der Seeräuber versenkt

Im Kampf mit Piraten hat die indische Marine ein Schnellboot im Golf von Aden abgeschossen. In den vergangenen 24 Stunden haben die Seeräuber mehrfach zugeschlagen und weitere Schiffe gekapert. Offenbar ist mittlerweile auch klar, wie sich die Bundeswehr künftig an der Abwehr von Überfällen beteiligen kann.

Bei einem Seegefecht vor der Küste Somalias hat die indische Marine nach eigenen Angaben ein Piratenschiff versenkt. Das Verteidigungsministerium in Neu Delhi teilte am Mittwoch mit, die Fregatte "INS Tabar" habe das "Mutterschiff" der Piraten am Vorabend entdeckt und mehrfach zum Stoppen aufgefordert. "Die drohende Antwort des Schiffes war, dass es das Kriegsschiff in die Luft sprengen würde, wenn es näher komme." Die Piraten hätten dann auf die "INS Tabar" gefeuert, die im Golf von Aden patrouilliert. Das Kriegsschiff habe das Feuer "zur Selbstverteidigung" erwidert und das Piratenschiff zerstört.

Das Ministerium teilte weiter mit, auf dem Deck des Piratenschiffes seien zuvor Männer mit Panzerfäusten und Gewehren gesehen worden. Nach dem Beschuss sei Feuer ausgebrochen, das Explosionen möglicherweise von Munition ausgelöst habe. Zwei Schnellboote seien von dem brennenden Piratenschiff weggefahren. Eines der Boote sei entkommen, ein zweites sei später leer aufgefunden worden.

Die somalischen Piraten nutzen sogenannte Mutterschiffe, um auf hoher See Schiffe zu kapern. Die Mutterschiffe schleppen Schnellboote weit auf das offene Meer hinaus. Mit den pfeilschnellen Booten, die kaum vom Radar geortet werden können, überfallen die Piraten dann blitzartig Frachter oder Tanker.

Vergangene Woche hatte die "INS Tabar" bereits einen Piratenüberfall auf zwei Handelsschiffe - eines aus Indien und das zweite aus Saudi-Arabien - verhindert. Es ist das erste Mal, dass die "INS Tabar" ein Piratenschiff versenkt hat. Die Fregatte ist seit Anfang des Monats auf Patrouillenfahrt gegen Piraten im Golf von Aden. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums hat sie seitdem rund 35 Schiffe unter indischer und unter anderer Flagge sicher durch die gefährlichen Gewässer geleitet.

Deutschen Eingreifen bald möglich

Da die Piraten immer dreister werden, will die Bundesregierung nun offenbar den rechtlichen Rahmen der Bundeswehrbeteiligung an einer EU-Militäraktion gegen Piraten vor der Küste Somalias feststecken. Die Bundespolizei soll demnach nur zum Einsatz kommen, wenn "hochrangige deutsche Interessen" berührt sind, berichtete die Zeitung "Die Welt" unter Berufung auf Regierungskreise - die Marine könnte also eigenständig bei Piratenüberfällen eingreifen. Die ursprüngliche Überlegung, wonach zur Sicherstellung der Aufgabenteilung von Polizei und Bundeswehr die Marineschiffe von Bundespolizisten begleitet werden müssten, sei damit überholt.

Nach der auf Staatssekretärsebene von den vier beteiligten Ressorts Verteidigung, Äußeres, Innenpolitik und Justiz erzielten Einigung soll im Bedarfsfall ein Vertreter der Bundespolizei eingeflogen werden, um einen Haftbefehl zu vollstrecken. Voraussetzung dafür soll dem Bericht zufolge sein, dass "deutsches Rechtsgut" zu schützen ist. Sind deutsche Staatsbürger unter den Entführten, würde die Marine die Piraten festsetzen und einen Vertreter der Bundespolizei anfordern. Sind deutsche Interessen nicht berührt, etwa bei der Kaperung eines ausländischen Schiffes, soll die Marine die Entführung zwar beenden dürfen - die Piraten müssen dann aber der somalischen Gerichtsbarkeit überstellt werden. Voraussetzung für das Mandat, dem auch der Bundestag zustimmen muss, ist die endgültige Einigung über die europäische Mission "Atlanta". Der entsprechende Operationsplan wird derzeit noch erarbeitet. Die Bundesregierung will im Dezember über das Mandat entscheiden.

Weitere Entführungen

Verwirrung herrschte um das Schicksal eines griechischen Schiffes. Der griechische Rundfunk berichtete am Mittwoch, das Schiff mit 23 Mann an Bord sei das jüngste Opfer somalischer Piraten. Andrew Mwangura vom Ostafrikanischen Seefahrerhilfsprogramm erklärte ebenfalls, ihm lägen entsprechende Berichte vor. Es gebe aber keine Informationen über Namen oder Ziel. Der Kontakt soll abgebrochen sein, Medienberichten zufolge hatte der Kapitän den Überfall vorher noch per Funk gemeldet.

Die griechische Küstenwache erklärte dagegen, sie habe keinerlei Hinweise, dass ein griechisches Schiff gekapert worden sei. Auch das Internationale Schifffahrtsbüro (IMB) in Kuala Lumpur, das Meldungen über Seeräuberei aufnimmt, konnte den Bericht nicht bestätigen.

Die Entführung zwei weiterer Schiffe wurde dagegen bestätigt: Außerdem ist ein unter der Flagge Hongkongs fahrender Frachter in die Hände der Seeräuber gefallen, wie am Dienstagabend bekannt wurde. Nach Angaben der US-Marine gehört das Handelsschiff dem Iran. Ein thailändischer Trawler ist nach Informationen des IMB ebenfalls am Dienstag gekapert worden. Das Schiff mit 16 Mann Besatzung an Bord war vor der Küste Somalias von zwei Schnellbooten verfolgt worden. Es war auf dem Weg von Thailand in den Nahen Osten, der Kontakt sei abgerissen, teilte das IMB in Kuala Lumpur mit.

95 Angriffe von Piraten

In diesem Jahr wurden im Golf von Aden und vor der Ostküste Somalias nach Angaben des IMB 95 Schiffe von Piraten angegriffen. Davon waren 39 erfolgreiche "Entführungen", sagte ein Sprecher des IMB in London. Derzeit sind in der Region 17 Schiffe und 340 Besatzungsmitglieder in der Gewalt der Seeräuber. Bisher kam ein Besatzungsmitglied bei den Attacken ums Leben. Insgesamt kommt der Golf von Aden nach IMB-Angaben fast auf ein Drittel aller weltweit gemeldeten Attacken. Der Trend gehe demnach hin zu Überfällen auf Schiffe, die viele Meilen vor dem Horn von Afrika fahren. Die Piraten operieren dabei von einem sogenannten Mutterschiff aus. "Diese kriminelle Erscheinung gerät außer Kontrolle", sagte IMB-Direktor Kapitän Pottengal Mukundan in London.

DPA/AP/AP/DPA