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Piraten vor Somalia: Die Lösung liegt an Land

Somalische Piraten kapern ein Schiff nach dem anderen und nehmen Geiseln aus aller Herren Länder. Mittlerweile schreckt die internationale Gemeinschaft auch nicht mehr vor Gewalt zurück, um die Seeleute zu befreien. Deutsche Experten fordern nun, das Übel an der Wurzel zu packen und die desolate Lage auf dem Festland zu verbessern.

Im Kampf gegen die Piraterie muss sich die internationale Gemeinschaft nach Einschätzung der Bundesregierung stärker um eine Stabilisierung Somalias bemühen. "Ohne eine Befriedung der Lage an Land wird die Bekämpfung der Piraterie auf See schwerlich erfolgreich sein", sagte Verteidigungsstaatssekretär Thomas Kossendey (CDU) dem Deutschlandfunk.

Piraten kapern vier Schiffe in 48 Stunden

Vor der somalischen Küste brachten Piraten unterdessen vier Schiffe innerhalb von 48 Stunden in ihre Gewalt. Zuletzt soll der unter togolesischer Flagge fahrende Frachter "MS Sea Horse" gekapert worden sein. In der Nacht zum Dienstag war im Golf von Aden der griechische Frachter "MS Irene" in die Fänge von Piraten geraten. Die aus den Philippinen stammende 22-köpfige Besatzung blieb bei dem Überfall offenbar unverletzt. Bereits am Montag waren laut BBC in der gefährlichen Wasserstraße zwei ägyptische Fischerboote geentert worden.

Kossendey appellierte an die internationale Gemeinschaft, der somalischen Übergangsregierung stärker zu helfen. Justiz, Verwaltung und Sicherheitsstrukturen müssten wiederaufgebaut werden, damit die Regierung im eigenen Land für Ordnung sorgen könne, sagte der Staatssekretär. Auch die Vermittlungsgespräche zwischen den drei großen Bürgerkriegsparteien verdienten Unterstützung.

Somalia gilt als Prototyp eines zerfallenen Staates ohne Zentralregierung und funktionierende Institutionen. Seit der Flucht des Diktators Siad Barre 1991 versinkt das Land, das ohnehin zu den ärmsten der Welt zählt, in Bürgerkrieg, Kriminalität und Hungersnöten. Ein UN-Einsatz zur Stabilisierung Somalias, an dem sich zeitweilig auch die Bundeswehr beteiligte, scheiterte 1995.

Mit den Entführern des deutschen Containerschiffs "Hansa Stavanger" sowie deren Besatzung hat die Bundesregierung nach den Worten Kossendeys Kontakt. Parallel dazu gebe es Gespräche mit den Stammesführern an Land und vielen anderen, um eine Freilassung der Geiseln zu erreichen, sagte der CDU-Politiker. Auch der Krisenstab des Auswärtigen Amtes bemüht sich nach Angaben einer Sprecherin weiter um eine Lösung. Mit der "Hansa Stavanger" sind Anfang April vermutlich auch fünf deutsche Seeleute in die Hände der Piraten gefallen.

Eine gewaltsame Befreiung der deutschen Geiseln ist nicht ausgeschlossen

Der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold schloss eine gewaltsame Befreiung der deutschen Geiseln nicht aus, mahnte allerdings zur Besonnenheit. In erster Linie gehe es um eine Verhandlungslösung, da jede Befreiungsaktion große Risiken berge, sagte er dem WDR. "Aber klar ist auch: Wenn das Leben der Geiseln unmittelbar bedroht ist, wie es bei dem amerikanischen Kapitän offensichtlich der Fall war, wird man sicher auch eingreifen müssen". Am Sonntag hatten US-Elitesoldaten den Kapitän der "Maersk Alabama" befreit und dabei drei der vier Seeräuber getötet.

Bereits am Freitag starben zwei Piraten und eine französische Geisel, als Soldaten eine gekaperte Jacht stürmten. Die Piraten hatten daraufhin Vergeltung gegenüber amerikanischen und französischen Bürgern angekündigt. Künftig würden alle Geiseln sofort getötet, wenn die Gefahr eines Angriffs seitens ihrer Landesstreitkräfte bestehe, erklärte ein Piratenführer. Der Generalstabschef der US-Streitkräfte, Admiral Richard Mullen, sagte, er nehme die Drohung ernst. Zugleich bekräftigte er, dass die USA auf jede Vergeltungsaktion entsprechend reagieren würden.

Reuters/DPA/AP / AP / DPA / Reuters