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Plädoyer der Anklage: Kachelmann soll gut vier Jahre hinter Gitter

Die Staatsanwaltschaft bleibt hart im Kachelmann-Prozess: Sie fordert vier Jahre und drei Monate Haft für den Wettermann. In ihrem Plädoyer zeigen sich die Ankläger von der Schuld überzeugt.

Im Kachelmann-Prozess hat die Staatsanwaltschaft vier Jahre und drei Monate Haft für den angeklagten Wettermoderator wegen Vergewaltigung gefordert. Der Wettermoderator habe sich einer besonders schweren Vergewaltigung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung strafbar gemacht. Aufgrund der "massiven Beeinträchtigungen" Kachelmanns wegen der Medienberichterstattung handele es sich aber um einen minderschweren Fall, sagte Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge am Mittwoch zur Begründung. Andererseits sei für das Strafmaß zu berücksichtigen, dass die Nebenklägerin "massive Todesangst" erlitten habe.

Die Aussagen der Nebenklägerin wiesen in wesentlichen Teilen einen "hohen Erlebnisbezug" auf, sagte Staatsanwalt Werner Mägerle vor Gericht in Mannheim. Zwar habe die 38-Jährige in einigen Punkten gelogen, das bedeute aber nicht, dass sie ansonsten die Unwahrheit gesagt habe, sagte Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge. Überraschend erschien die Frau im Gerichtssaal. Sie verfolgte die Plädoyers der Staatsanwaltschaft aufmerksam und vermied jeden Blickkontakt mit Jörg Kachelmann.

Laut Anklage soll Kachelmann in der Nacht zum 9. Februar 2010 seine ehemalige Geliebte mit einem Küchenmesser bedroht und vergewaltigt haben. Der Moderator bestreitet die Vorwürfe. Auch die Staatsanwaltschaft sei "nicht so blöd", nicht zu erkennen, dass die Nebenklägerin in vielen Punkten gelogen habe, sagte Oltrogge. Unter anderem hatte sie Angaben zur Vorgeschichte der möglichen Tat erst spät korrigiert. Dennoch gehe die Anklage davon aus, dass die Angaben zum eigentlichen Tatvorwurf zutreffen.

Kachelmann habe seiner Geliebten gedroht, er würde sie töten, wenn sie nicht still sei. Wenn aus Sicht der Frau diese Drohung und nicht der Geschlechtsverkehr das eigentliche Kerngeschehen der Nacht gewesen sei, sei es einleuchtend, dass sie bestimmte Teilaspekte der angeblichen Vergewaltigung nicht wahrgenommen habe, sagte Mägerle. Die 38-Jährige kann sich an bestimmte Details nicht erinnern, was Fragen nach ihrer Glaubwürdigkeit aufgeworfen hatte.

Kachelmann-Anwalt geht von Freispruch aus

"Ich hab' da nichts gehört, was mich in irgendeiner Weise zweifeln lassen würde an meiner Haltung und an der Prognose, die die Verteidigung inzwischen stellt", sagte Kachelmann-Anwalt Johann Schwenn in einer Sitzungspause über das Plädoyer, das am Nachmittag fortgesetzt werden sollte. Er hatte sich zuletzt zuversichtlich gezeigt, dass der Prozess mit einem Freispruch für seinen Mandanten enden könnte.

Kurz nach Beginn der Plädoyers war der Prozess zunächst unterbrochen worden. Schwenn beantragte den Ausschluss der Öffentlichkeit, weil Staatsanwalt Oltrogge Details aus dem SMS-Verkehr zwischen dem 52-jährigen Schweizer und seiner Ex-Geliebten vorgelesen hatte. Schwenn warf Oltrogge vor, er wolle seinen Mandanten bloßstellen. "Es geht darum, den Angeklagten maximal zu schädigen."

Der Vorsitzende Richter Michael Seidling erinnerte daran, dass die Beteiligten sich darauf verständigt hätten, die Persönlichkeitsrechte des Angeklagten und der Zeuginnen zu wahren. Schwenn nahm seinen Antrag zurück, nachdem die Staatsanwaltschaft zusicherte, auf Passagen hinzuweisen, die Persönlichkeitsrechte Kachelmanns berühren könnten.

Am Nachmittag sollte auch der Vertreter des mutmaßlichen Opfers zu Wort kommen.

kng/mlr/DPA / DPA