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Plädoyer der Staatsanwaltschaft erwartet Kachelmann-Prozess nähert sich dem Ende


Im spektakulären Prozess gegen Wettermoderator Jörg Kachelmann will die Staatsanwaltschaft heute ihr Plädoyer halten. Der 52-Jährige Schweizer muss sich seit mehr als acht Monaten vor dem Landgericht Mannheim verantworten, weil er seine ehemalige Geliebte mit einem Messer bedroht und vergewaltigt haben soll. Kachelmann bestreitet die Vorwürfe.

Hat Jörg Kachelmann seine Geliebte wirklich brutal vergewaltigt? Oder will sich die Radiojournalistin an dem TV-Wetterexperten rächen, weil sie nach elfjähriger Beziehung feststellen musste, dass er sie mit anderen Frauen betrog? Mehr als acht Monate versuchten Staatsanwaltschaft und Verteidigung vor dem Landgericht Mannheim eine Antwort auf diese Fragen zu finden. Doch nun, am Ende des Verfahrens, steht noch immer Aussage gegen Aussage. Und statt objektive Beweise gibt es eine Reihe mehrdeutiger Gutachten, die zunächst die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer am Mittwoch ausschlachten wird. Kommende Woche folgt dann die Verteidigung.

Ein vollständiges Bild konnten sich die meisten Beobachter in den mehr als 40 Verhandlungstagen indes nicht machen: Ging es um das Kerngeschehen, die angebliche Vergewaltigung, wurde die Öffentlichkeit immer ausgeschlossen, um die Intimsphären des 38-jährigen Opfers, des Angeklagten und der als Zeuginnen geladenen früheren Kachelmann-Geliebten zu schützen.

Klar sind nur die Vorwürfe, die die Radiomoderatorin erhebt. Demnach soll der mittlerweile 52-jährige Kachelmann die Frau im Februar vergangenen Jahres in ihrer Wohnung an den Haaren ins Bett gezerrt, sie vergewaltigt und ihr dabei die ganze Zeit über ein Küchenmesser an den Hals gehalten haben. Der Grund: Sie habe Kachelmann damit konfrontiert, dass er ein Verhältnis mit einer anderen Frau gehabt habe und die Beziehung zu ihm beendet.

Die Staatsanwaltschaft sieht darin Vergewaltigung in einem besonders schweren Fall. Ob Kachelmann, dem damit eine Haftstrafe von fünf bis 15 Jahren droht, deshalb verurteilt werden wird, hängt nun maßgeblich davon ab, wie das Gericht die Glaubwürdigkeit des Opfers bewertet. Die Indizien sind alles andere als eindeutig. So machte die Frau bei der Polizei zunächst derart falsche Angaben, dass das Oberlandesgericht Karlsruhe im vergangenen Jahr einen dringenden Tatverdacht verneinte und Kachelmann aus der Untersuchungshaft entließ.

Auch all die Gutachter brachten kein Licht ins Dunkel. Deutlich wurde, dass sich der behauptete Tathergang anhand der Spuren nicht so abgespielt haben kann, wie von der Frau angegeben. Doch ob sich die Frau die leichten Verletzungen an Hals oder Oberschenkel selbst zugefügt hat oder ob sie von Kachelmann stammen, konnte der Rechtsmediziner Rainer Mattern nicht klären.

Zudem kamen die Bremer Aussagepsychologin Luise Greuel und ihr Kieler Kollege Günter Köhnken zu dem Schluss, dass sie mit ihren Methoden die Glaubhaftigkeit der 38-Jährigen nicht bestätigen können. Dies liegt den Gutachtern zufolge unter anderem an den großen Erinnerungslücken der Frau und ihren dünnen Angaben zum Kerngeschehen. Dagegen erzählte sie ausführlich über das Trennungsgespräch mit Kachelmann, das die angebliche Vergewaltigung ausgelöst haben soll.

Köhnken sagte dazu in dem Prozess, das mutmaßliche Opfer wisse nicht, ob Kachelmann etwa auf ihr kniete, welche Körperhaltung er einnahm, oder ob ihr Slip angezogen war. "Ich habe so etwa in meiner Laufbahn noch nicht erlebt", betonte Köhnken und schloss gezieltes Lügen nicht aus. Greuel hält es hingegen für denkbar, dass sie unbewusst und unabsichtlich ihre Erinnerungen verfälscht hat, weil die Trennung von Kachelmann für sie so belastend war.

Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge sieht durch die Gutachten die Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers nicht erschüttert. "Es ist nicht widerlegt, dass es doch so war, wie sie es geschildert hat", sagte Oltrogge nach den Auftritten der Psychologen. In einer Gesamtschau werden die Ankläger nun am Mittwoch darlegen, warum sie dem mutmaßlichen Opfer mehr glauben als Kachelmann. Am Dienstag kommender Woche wird die Verteidigung das Gegenteil tun, und das Gericht wird am 31. Mai, mehr als 15 Monate nach der angeblichen Tat, sein Urteil verkünden.

Jürgen Oeder, AFP/DPA DPA

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