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Polizeihundeschule: Polizistinnen mit Halsbändern misshandelt

Junge Polizisten sollen in einer Polizeihundeschule auf widerwärtige Weise missbraucht worden sein. Einige von ihnen mussten angeblich Abfälle essen, ihre weibliche Kolleginnen sollen an Halsbändern durch die Kantine geführt worden sein. Doch die Vorwürfe gehen noch weiter.

Nach anonymen Hinweisen auf Misshandlungen von jungen Polizisten in der Diensthundeschule Herzogau in der Oberpfalz haben die Staatsanwaltschaft und das bayerische Innenministerium Ermittlungen in die Wege geleitet. Der Präsident der Bereitschaftspolizei sei beauftragt worden, die gravierenden Anschuldigungen intern zu überprüfen und aufzuklären, teilte Ministeriumssprecher Karl Michael Scheufele am Dienstag mit. Insbesondere sollten die Vorwürfe im Hinblick auf mögliche Straftaten geklärt werden. Auch bei der Staatsanwaltschaft laufen bereits Ermittlungen.

Nach einem Bericht der "Nürnberger Nachrichten" (Dienstag) sollen in der zentralen Polizeihundeschule in Waldmünchen (Landkreis Cham) insbesondere Beamtinnen sexuell erniedrigt worden sein. Dem Blatt liegt eine achtseitige Anzeige vor, die offenbar von einem Polizisten verfasst wurde. Demnach sollen junge Beamte unter anderem gezwungen worden sein, aus Abfällen und Essensresten gemischte Speisen zu essen. Frauen sollen an Stachelhalsbändern auf allen Vieren durch die Kantine geführt worden sein.

Mit Würgeschlingen gequält

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte den "Nürnberger Nachrichten" (Mittwoch): "Wir nehmen das sehr ernst." Theoretisch könne dies alles frei erfunden sein. "Aber in dieser Konkretisierung ist das nicht sehr wahrscheinlich." So oder so müsse dies geklärt werden. "Entweder lassen sich die Vorwürfe damit ausräumen. Oder wir werden konsequent handeln." Während die Staatsanwaltschaft die strafrechtlich relevanten Punkte abklärt, ermittelt die Polizei intern wegen dienstrechtlicher Verstöße, etwa in der Frage, ob tatsächlich Prostituierte in der Schule ein- und ausgegangen seien.

Zudem soll es zu Alkoholexzessen und Prügeleien in der Polizeieinrichtung gekommen sein. Angeblich sollen in der Hundeschule mit Wissen der Behördenleitung auch Prostituierte aus dem nahen Tschechien verkehren. Weiterhin würden Hunde geschlagen, getreten und mit Würgeschlingen gequält, heißt es laut der Zeitung in der Anzeige.

Ministerium soll Hintergründe aufklären

Nach Angaben eines Justizsprechers wertet die Staatsanwaltschaft Regensburg das Schreiben derzeit auf strafbare Handlungen aus. Wie lange diese Vorermittlungen noch dauern, sei noch unklar. Konkrete Ermittlungen in der Hundeschule in Waldmünchen hat es von der Staatsanwaltschaft bislang aber noch nicht gegeben.

Auch der schlechte Bauzustand der Hundeschule wird in der Anzeige kritisiert. Das Innenministerium erklärte dazu, dass 2009 mit der Generalsanierung des Gebäudes begonnen werden soll.

Die SPD will die anonymen Vorwürfe gegen Ausbilder der Polizei- Ausbildungseinheit im Innenausschuss des Landtags zum Thema machen. Das Schreiben könne wegen der geschilderten unglaublichen Vorfälle nicht ignoriert werden, sagte der sicherheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Stefan Schuster. Das Ministerium müsse nun die Hintergründe aufklären.

DPA / DPA