Presseschau Schränkt den Waffenbesitz ein!


Nach dem Amoklauf an einer US-Uni stehen die USA wegen ihrer ihrer Waffengesetzte weltweit in der Kritik. Führende Politiker und Kommentatoren raten dazu, den Waffenbesitz deutlich einzuschränken.

Nach dem Amoklauf an einer US-Hochschule in Virginia mit 33 Toten hagelt es weltweite Kritik an der Waffenkultur in den USA. Der australische Ministerpräsident John Howard prangerte legte den USA nahe, strengere Waffengesetze zu erlassen. Australien habe nach einem schrecklichen Massaker im Jahr 1996, als 35 Menschen erschossen wurde, den Waffenbesitz rigoros beschränkt, sagte Howard. So habe die Waffenkultur in Australien kein solch negatives Ausmaß annehmen können wie in den USA. Die Regierung hatte damals fast alle Arten halbautomatischer Waffen verboten.

Die britische "Times" schreibt in ihrer Dienstags-Ausgabe: "Beobachter in Ländern wie Großbritannien mit so strengen Waffenkontrollgesetzen, dass Scharfschützen-Teams im Ausland trainieren müssen, könnten das Massaker als makabren Ritus des Blutvergießens ansehen, der sich stoppen ließe, wenn nur der Kongress sich von der National Rifle Association abwenden würde. Doch die jüngsten Morde in London haben die Verantwortlichen auf gewaltsame Art daran erinnert, dass selbst die drakonischsten Kontrollregimes es nicht schaffen, Kriminellen oder Geistesgestörten den Zugang zu Waffen zu verwehren."

Die römische Zeitung "Il Messaggero" berichtet am Dienstag: "Das Blutbad auf dem Universitätscampus ist das Werk eines Kamikaze-Täters. Eines amerikanischen Kamikaze, der, im Unterschied zu den muslimischen Attentätern, nicht aus religiösen Motiven handelte, sondern der von jener Unruhe angetrieben wurde, die breite Schichten in Amerikas berührt. Amerika ist eine Nation, die seit einigen Jahren Gefahr läuft, immer weniger geliebt zu werden in der Welt, vor allem in den ärmsten Ländern. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war Amerika Wächterin der Demokratie und wurde mit der Verteidigung der Freiheit gleichgesetzt, heute ist Amerika eine Supermacht, die Kriege beginnt und in der ständigen Notwendigkeit lebt, sich vor dem Feind verteidigen zu müssen. Ob sich dieser Feind Islam nennt oder ob er das Gesicht des Nachbarn hat, der dir Unrecht getan hat."

Und die Mailänder Zeitung "Corriere della Sera" textet unter dem Titel "Die Gewehre im Supermarkt": "Das Blutbad auf dem Campus, dem schon so viele vorausgegangen waren, wird Amerika erschüttern, vielleicht führt es gar zu stärkeren Reaktionen als in der Vergangenheit, aber es wird nicht die Kultur eines Landes verändern, das ein Verständnis von Selbstverteidigung besitzt, das in sein Erbgut eingegangen ist, und in dem das Tragen von Feuerwaffen als ein unveräußerliches Recht betrachtet wird, das von der Verfassung geschützt ist. So war es nach dem Massaker 1999 an der Columbine High School in Littleton im US-Bundesstaat Colorado mit zwölf toten Schülern, aber auch bei Dutzenden ähnlichen Zwischenfällen, deren Bilanz ein bisschen weniger dramatisch ausgefallen ist. (...) Es sind diese Massaker sowie die 'kleineren' Episoden, die ein Zeugnis ablegen von der Leichtigkeit, mit der in den USA Waffen, und sogar automatische Waffen, in Umlauf gebracht und gebraucht werden."

30.000 Menschen sterben an Schusswunden

Die Motive des Amokläufers sind bisher unbekannt. In den USA sterben jedes Jahr mehr als 30.000 Menschen an Schusswunden. Es befinden sich mehr Waffen in Privatbesitz als in jedem anderen Land. Eine einflussreiche Waffen-Lobby sowie freizügige Gesetze zum Besitz von Waffen haben bislang alle Kontrollbemühungen untergraben.


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