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Tochter löst ungeklärten Fall "Ich habe den Mörder meines Vaters gefunden!"

„Ich war davon besessen. Ich werde den Mann erwischen. Ich werde ihn finden. Ich lasse ihn verhaften. Und damit basta!“
 
Jedes Jahr bleiben ungefähr ein Drittel der Mordfälle in den USA ungelöst. Auch wenn die Polizei einen Fall abschließt, bedeutet es für Familie und Freunde des Opfers nicht immer, dass die Suche nach Gerechtigkeit endet. Joselyn Martinez will den Mörder ihres Vaters finden.
 
Am Samstag, dem 22. November 1986 wird José Martinez vor seinem Restaurant in New York erschossen – nachdem er drei Jugendliche rausgeschmissen hat, weil sie sein Personal beleidigt haben sollen. Joselyn war damals neun Jahre alt.

 
„Ich kann es manchmal nicht verstehen. An einem Tag war er da und am nächsten Tag nicht mehr. Ich begreife es immer noch nicht.“
 
Der Täter stammt aus der Nachbarschaft – Justo Santos. Am Tag nach dem Mord fliegt der 16-Jährige in die Dominikanische Republik. Er behauptet, die Tat sei aus Versehen und in Notwehr passiert. 1989 verurteilt ihn ein Gericht in der Dominikanischen Republik wegen fahrlässiger Tötung. Er zahlt eine Geldstrafe und verbringt ein Jahr im Gefängnis. Damals gibt es kein Auslieferungsabkommen mit den USA. Die New Yorker Polizei schließt den Fall. Doch Joseyln gibt nicht auf.
 
„Ich wollte, dass die Welt weiß, was er getan hat. Es war zu Anfangszeiten des Internets und Menschen haben sich auf Myspace und Facebook gesucht. Ich dachte, 'Was, wenn ich ihn suche?’“
 
Mit öffentlich verfügbaren Behördendaten sucht die Amerikanerin nach Santos: Sein Geburtsdatum bekommt sie vom NYPD, seine zwei Heiratsurkunden sind im Netz verfügbar.
 
„Sehr hilfreich waren die Heiratsunterlagen. Menschen heiraten und lassen sich scheiden. Ich dachte, „es gibt keine Scheidung für diese Ehe. Das ist ein Grund zu glauben, dass er immer noch verheiratet ist.’ Ich fand den Namen seiner Frau auf einer Urkunde für ein Haus.“
 
Im Februar 2013 macht Joselyn den Täter ausfindig. Er wohnt in Miami und arbeitet als Hausmeister. Sie gibt die Information weiter an einen Kriminalbeamten. Monate später sitzt Santos hinter Gittern.
 
„Meine Familie freut sich, ist sehr zufrieden. Es hat uns näher zusammengebracht. Ich habe das Gefühl, ich kann mein Leben endlich weiter führen. Ich habe nie bemerkt, wie sehr der Fall mich beschäftigt hat. Er war ein großer Teil meines Lebens. Nun fühle ich mich frei. Mein Vater wäre stolz auf mich.“
 
Im Oktober 2013 ist Santos des Mordes mit bedingtem Vorsatz angeklagt.
 
Im Oktober 2014 entscheidet der Richter, dass der Staatsanwalt zu lang gewartet hat, die Anklage gegen Santos zu erheben. Das Verfahren wird eingestellt.
 
Doch im Juli 2016 wird Santos wegen Einwanderungsbetrugs angeklagt. Er hatte seine Vorstrafe bei der Beantragung des Staatsbürgerschafts verschwiegen. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 10 Jahren Haft.

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Am 22. November 1986 wird José Martinez vor seinem Restaurant in New York erschossen, seine Tochter Joselyn ist damals neun Jahre alt. Die Polizei kann den Fall nicht aufklären, doch Joselyn lässt er nie los. 27 Jahre später findet sie den Täter.

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