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Projekt "Riskid": Kinder unter Beobachtung

Sie wollten etwas gegen Kindesmisshandlungen tun: Also entwickelte ein Duisburger Kriminalhauptkommissar zusammen mit Ärzten "Riskid". In dieser Risikokinder-Informationsdatei werden Verdachtsfälle von Kindesmisshandlung gesammelt. Mit Erfolg.

Von Werner Mathes

Kinderärzte können mit Hilfe von "Riskid" Misshandlungsfälle schneller erkennen

Kinderärzte können mit Hilfe von "Riskid" Misshandlungsfälle schneller erkennen

"2005 war ein fürchterliches Jahr", sagt Kriminalhauptkommissar Heinz Sprenger, "fünf tote Kinder allein in Duisburg." In diesem Jahr kam ihm der Gedanke mit der Datei. Zusammen mit Ralf Kownatzki, dem Obmann der örtlichen Kinderärzte, entwickelte er schließlich "Riskid", eine Risikokinder-Informationsdatei.

Die Idee: Kinderärzte sollen sich untereinander jederzeit über Verdachtsfälle von Kindesmisshandlung informieren können. Denn viele Eltern ziehen meist von einem Arzt zum anderen, damit keiner die verletzten Kinder länger beobachten und misstrauisch werden kann.

Sammeldatei für Verdachtsmomente

Seit Mitte vergangenen Jahres geben fast alle Duisburger Kinder- und Jugendärzte, derzeit 20, ihre Verdachtsfälle, die nicht selten unterhalb der Anzeigepflicht liegen, in die Datei ein. Bis heute sind es rund 100 Kinder, bei denen Hämatome oder spezielle Knochenbrüche ohne plausibel geschilderte Entste-hungsgeschichten festgestellt wurden, oder deren Eltern nach solchen Diagnosen weitere Termine nicht mehr wahrgenommen hatten. Erfasst werden auch Kinder, die nicht regelmäßig zu den obligatorischen Vorsorgeuntersuchungen U 1 bis U 9 gebracht werden.

Administrator der "Riskid"-Datei ist Obmann Ralf Kownatzki, der auch die geheimen Log-ins und Passwörter vergibt, mit denen die angeschlossenen Ärzte ins System kommen. Der Zugang ist personengebunden, der Gebrauch erfolgt unter strikter Beachtung der aktuell gültigen gesetzlichen Vorgaben. Wer einen namentlichen Verdachtsfall eingibt, kann sofort erkennen, ob der Name auch schon von anderen Kollegen gemeldet worden ist. Wenn sich durch mehrfache Nennung ein Verdacht erhärtet, wird die Polizei eingeschaltet.

Erster Erfolg: Ein drei Monate altes Baby

Zudem wurden die Ärzte informiert, welche Maßnahmen für eine gerichtsverwertbare Befunderhebung nötig sind und welche fachkundigen Ansprechpartner aus Polizei und Gerichtsmedizin Tag und Nacht zur Verfügung stehen.

Erster Erfolg: Vor ein paar Monaten wurde ein drei Monate alter Säugling mit inneren Blutungen in eine Klinik eingeliefert. In Absprache mit einem Gerichtsmediziner wurde gezielt weiter untersucht, die Polizei ermittelte - und ein paar Stunden später gestand der Vater, sein Baby mit der Faust in den Bauch geschlagen zu haben.

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