Prostituierten-Morde "Ordentliche" Mädchen auf dem Strich


Gemma Adams und Paula Clennell waren Mitte 20, drogensüchtig und Prostituierte. Die eine kam aus gutem Haus, die andere hinterlässt drei Kinder. Sie sind Opfer des Prostituierten-Mörders, auf dessen Kopf nun eine hohe Belohung ausgesetzt ist.
Von Cornelia Fuchs

Fünf tote Frauen - gefunden innerhalb von nur zehn Tagen im südenglischen Ipswich. Und weitere fünf werden seit 1992 in der Gegend vermisst. Es herrscht Angst in Suffolk, Angst vor einem neuen Serienmörder, der anscheinend Lust dabei empfindet, so schnell wie möglich neue Opfer zu finden.

Um neue Opfer zu verhindern, wurde jetzt sogar eine Belohnung ausgesetzt. Die Zeitung "News of the World" zahlt 250.000 Pfund, umgerechnet 371.000 Euro, für die Ergreifung des Täters.

Vor ihrem Tod im Fernsehen

Noch am Wochenende sagte eine Frau einem Fernsehteam, dass sie natürlich Angst habe. Zu dem Zeitpunkt war die erste Tote bereits gefunden worden, und die Polizei in der Stadt Ipswich warnte Prostituierte, nicht mehr alleine nachts auf der Straße auf Kunden zu warten. Natürlich habe sie Angst, aber obwohl sie vorsichtig sei, würde sie wahrscheinlich auch heute Nacht wieder zu einem Kunden ins Auto steigen, sagte die junge Frau in die Kamera. Am Dienstag wurde ihr nackter Körper neben einer Straße gefunden, zehn Minuten Autofahrt vom Rotlichtbezirk der Stadt Ipswich entfernt.

Paula Clennell ist eine der fünf Frauen, die in den vergangenen zehn Tagen ermordet wurden. Sie war - wie die anderen - drogensüchtig und finanzierte ihre Sucht durch den Verkauf ihres Körpers. In dem Fernsehinterview kurz vor ihrem Tod erzählte sie von schlechten Erfahrungen auf der Straße, ein Freier habe sie bereits zusammengeschlagen: "Aber ich brauche das Geld." Ihr Vater Brian erfuhr erst durch ihren Tod, dass seine Tochter als Prostituierte arbeitete. Er hatte seit der Scheidung von seiner Frau vor acht Jahren den Kontakt zu seiner Tochter verloren. Paula Clennell, 24, hinterlässt drei Töchter, die von Pflegeeltern betreut werden.

Prostituierte sollen sich an Helfer wenden

Die Stadt Ipswich hat inzwischen alle Prostituierten aufgefordert, sich an offizielle Helfer zu wenden: Sie müssten nicht anschaffen gehen, um ihre Drogensucht zu finanzieren. Jede Nacht auf der Straße könne ein Todesurteil sein.

Natürlich sind die jungen Frauen vorsichtig. In Großbritannien ist es Prostituierten verboten, gemeinsam in Häusern zu arbeiten. Bordelle sind illegal. Seit Jahren wird über ein Gesetz diskutiert, dass es bis zu drei Frauen erlauben würde, gemeinsam eine Wohnung als Anlaufpunkt für Freier zu benutzen. Bisher blieb diesen Frauen nur die Straße.

Erstaunt nimmt die Öffentlichkeit zur Kenntnis, dass es auch "ordentliche" Mädchen aus Mittelklasse-Familien auf die Straße verschlagen kann. Das erste Opfer, das am 2. Dezember von einem Fischerei-Beamten in einem Teich gefunden wurde, war die 25-jährige Gemma Adams. Die Welt ihrer Eltern brach zusammen, als die Polizei ihnen mitteilen musste, dass ihre Tochter vor ihrem Tod als Prostituierte gearbeitet hatte. "Alle Nachrichten sprechen von Gemma, der Prostituierten, aber für uns war sie unsere geliebte Tochter. Sie hatte alle Möglichkeiten, aber an einem Punkt kamen Drogen in ihr Leben - und alles brach zusammen."

Vor ihrer Sucht lebte Gemma in einem großen Haus mit ihren Eltern und zwei Geschwistern in der Nähe von Ipswich. Freunde erinnern sich an sie als freundliches, zurückhaltendes Mädchen: "Gemma wusste nicht, wie hübsch sie wirklich war. Sie trug oft gar kein Make-Up." Sie galt als intelligentes Mädchen aus einer guten Familie.

Doch nachdem sie von zu Hause ausgezogen war, scheint Gemma Gefallen an Drogen gefunden zu haben. Ihr Vater vermutet heute, dass sie 2001 mit dem Rauchen von Heroin und Crack begann. Sie verlor ihre Arbeit bei einem Versicherungskonzern und meldete sich nur noch sehr selten bei ihrer Familie. Die Eltern schickten ihr jeden Tag SMS-Botschaften auf ihr Handy, doch Gemma antwortete nur unregelmäßig.

Gemmas Freund meldete sie als vermisst, nachdem sie Mitte November auf mehrere seiner Anrufe nicht reagierte. Als ihr Körper Anfang Dezember gefunden wurde, musste ihre Mutter ihn identifizieren, wie Vater Brian erzählt: "Ich konnte es nicht. Niemand sollte durch so etwas durchmachen müssen. Es gibt nichts mehr, was wir für Gemma tun können. Heroin hat sie getötet und ihr Tod hat unsere Familie zerstört."


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker