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Prozess: Frau erstickt Ehemann mit Plastiktüte

Späte Gegenwehr: In Heilbronn muss sich eine Frau vor Gericht verantworten, die ihren Mann mit einer Plastiktüte umgebracht hat. Er soll sie jahrelang regelmäßig verprügelt haben.

Aus Angst vor den Gewaltattacken ihres Mannes hat eine 47-jährige Frau ihren Mann mit einer Plastiktüte erstickt. "Ich wollte ihn aber nicht umbringen", sagte sie zu Prozessbeginn vor dem Landgericht Heilbronn. Vor der Tat habe sie das schlafende Opfer an Händen und Füßen gefesselt, die Angeklagte soll dabei stark betrunken gewesen sein und einen Blutalkoholwert von rund 2,5 Promille gehabt haben.

Das Ehepaar war nach Angaben der Frau seit 1980 verheiratet. Ihr Mann habe immer viel getrunken, sagte die Angeklagte aus. 1994 seien beide von Russland nach Deutschland gekommen. Als der Mann seine Arbeit verloren habe, seien "die Abstände zwischen den Besäufnissen immer kürzer" geworden. Ihr Mann habe sie beschimpft, geschlagen und die Möbel zertrümmert.

Dem Mann den Wein weggetrunken

Wenn sie Geld versteckt habe, damit er sich keinen Alkohol kaufen konnte, habe er ihr mit dem Tod gedroht. "Manchmal habe ich Wein weg getrunken, damit er ihn nicht trinkt", sagte die 47-Jährige aus. Sie habe sich aber aus finanziellen Gründen nicht von ihm trennen können. "Außerdem wollte ich ihn nicht unter einer Brücke sterben sehen, er war mir nicht gleichgültig", sagte sie.

Im vergangenen Mai sei er zwölf Tage nacheinander betrunken gewesen. Nachdem er sie in der gemeinsamen Wohnung in Heilbronn beschimpft und ein Glas nach ihr geworfen habe, habe sie ihm im Schlaf eine Plastiktüte über den Kopf gestülpt, die neben dem Sofa gelegen habe. Zuvor habe sie eine Flasche Amaretto und eine Flasche Wein getrunken und sei sehr aufgewühlt gewesen. An die Zeit danach könne sie sich nicht mehr erinnern.

DPA / DPA
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