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Prozess gegen Berliner U-Bahn-Schläger Fast drei Jahre Haft für Torben P.


Der Schläger vom Berliner U-Bahnhof Friedrichstraße ist zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt worden. Die Richter hielten Torben P. des versuchten Totschlags für schuldig.

Im Prozess um eine Prügelattacke im Berliner U-Bahnhof Friedrichsstraße ist der 18-jährige Schüler Torben P. zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt worden. Das Berliner Landgericht sprach den Angeklagten am Montag des versuchten Totschlags und der gefährlichen Körperverletzung für schuldig. Zugleich ordnete das Gericht an, die Haftverschonung für Torben P. unter Auflagen aufrecht zu erhalten.

Der betrunkene Gymnasiast hatte einen heute 30-jährigen Installateur in der Nacht zu Ostersamstag mit wuchtigen Tritten gegen den Kopf schwer misshandelt. Der Gewaltexzess hatte bundesweit schockiert.

Richter: Torben P. war in "Provozierlaune"

Der Vorsitzende Richter Uwe Nötzel sagte in der Urteilsbegründung, der stark betrunkene Gymnasiast sei in "Provozierlaune" gewesen. Die Tritte gegen den Kopf des bereits reglos auf dem Bahnsteig liegenden Opfers seien gezielt und weitausholend von oben herabgeprasselt. "Er erkannte die Gefährlichkeit der Tritte" - auch, dass er den heute 30-jährigen hätte tödlich verletzen können. "Das nahm er hin", hieß es im Urteil.

Das Gericht ging wegen des Alkohols von einer erheblich verminderten Steuerungsfähigkeit des Schlägers aus. Der Handwerker fiel durch die Gewaltorgie laut Urteil in extrem tiefe Bewusstlosigkeit. "Er hätte ersticken können", betonte der Vorsitzende Richter.

Richter blieben unter Forderung des Staatsanwalts

Warum der betrunkene Schüler so ausrastete, blieb unklar. Der verletzte Handwerker kam mit einem Schädel-Hirn-Trauma, gebrochener Nase und Prellungen ins Krankenhaus. Er leidet bis heute an den psychischen Folgen. Eine Entschuldigung des Angreifers hatte der Installateur nicht angenommen. Dies sei nur ein taktisches Manöver. Zur Urteilsverkündung saß er im Gericht.

Der Schüler gestand den Gewaltangriff vor dem Richter. Er sagte aber im Prozess, an die Tritte könne er sich nicht erinnern. Er sei in der Nacht nach einer Party so betrunken wie nie gewesen. Eine Erklärung für die Tat habe er nicht, sie sei aber durch nichts zu entschuldigen. "Ich bin schockiert und entsetzt über mich selbst", hieß es in seinem Geständnis.

Mit dem Urteil blieb das Gericht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Sie hatte eine Jugendstrafe von vier Jahren gefordert.

Video dokumentierte Prügelorgie

Videokameras hatten aufgezeichnet, wie der alkoholisierte Torben P. dem Installateur zunächst eine Hartplastikflasche ins Gesicht donnerte. Das Opfer ging zu Boden und blieb reglos liegen, bevor die Tritte den Kopf des viel kleineren Mannes trafen.

Dass die Attacke nicht noch schlimmer endete, ist einem couragierten Mann aus Bayern zu danken. Georg Baur, der an dem Abend als Berlin-Tourist unterwegs war, zog den Schläger weg. Er wurde von dem Freund des Gymnasiasten und dem 18-Jährigen attackiert, bevor das Duo flüchtete. Baur hatte als Zeuge kritisiert, dass ihn kein Passant unterstützt habe.

Neuer Gewaltexzess am Wochenende

Neues Entsetzen hatte am Wochenende der Tod eines 23-Jährigen in Berlin ausgelöst. Er war auf der Flucht vor Angreifern vor ein Auto gerannt und starb. Zwei Verdächtige sitzen derzeit in Untersuchungshaft. Sie hatten sich bei der Polizei gestellt. Sie sind den Ermittlern bereits wegen Raubdelikten und Körperverletzung bekannt. Nach einem dritten Angreifer wird noch gefahndet. Sie sollen den 23-Jährigen und seinen Begleiter im U-Bahnhof Kaiserdamm attackiert haben. Der 23-Jährige flüchtete auf die Straße, wo er von einem Auto erfasst wurde. Er starb noch am Unfallort. Der andere Mann konnte sich in Sicherheit bringen.

kng/DPA DPA

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