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Prozess gegen Conrad Murray: Jacksons Leibarzt drohen vier Jahre Haft

An der Schuld am Tod von Michael Jackson ließen die Geschworenen keinen Zweifel - morgen wird das Gericht in Los Angeles das Strafmaß gegen seinen ehemaligen Leibarzt Conrad Murray verkünden.

Es ist der letzte Akt im Prozess um den Tod von Michael Jackson: Doktor Conrad Murray, den eine Jury Anfang November wegen der fahrlässigen Tötung des "King of Pop" schuldig gesprochen hatte, erfährt am Dienstag in Los Angeles seine Strafe. Die Geschworenen zeigten sich in ihrem Schuldspruch überzeugt, dass der frühere Leibarzt Jacksons seinem unter Schlaflosigkeit leidenden Patienten im Juni 2009 eine Überdosis des Betäubungsmittels Propofol verabreichte und ihn dann vernachlässigte. Während die Staatsanwaltschaft als Strafe dafür vier Jahre Haft und eine Millionen-Entschädigung für die Jackson-Familie fordert, hoffen Murrays Anwälte auf eine Bewährungsstrafe.

Vergeblich hatten die Verteidiger des Mediziners in dem sechswöchigen Verfahren versucht, die Jury für ihre Version zu gewinnen: Murray habe dem Sänger das Propofol auf dessen ausdrücklichen Wunsch gegeben, argumentierten sie. Die Überdosis habe sich der medikamentensüchtige Jackson dann selbst verabreicht, als Murray für kurze Zeit nicht im Zimmer gewesen sei. Der Doktor solle als Sündenbock für den Tod des Popstars herhalten, der mit seiner geplanten Comeback-Tour offenbar überfordert gewesen sei, sagten die Anwälte.

Im Sommer 2009 hatte der 50-jährige Jackson kurz vor der Rückkehr auf die Bühne gestanden, nachdem seine Karriere in den Jahren zuvor von finanziellen Problemen und künstlerischem Niedergang gekennzeichnet war. Von Vorwürfen der sexuellen Belästigung von Kindern wurde der Popstar freigesprochen, der Skandal ramponierte aber nachhaltig sein Image. Mit der groß angekündigten Konzertserie "This is it" in London wollte Jackson es noch einmal wissen.

Murray sollte dem "King of Pop" dabei als Privatarzt zur Seite stehen, doch seine Behandlungsmethoden führten nach Ansicht der Staatsanwaltschaft zum Tod des Sängers. Die Anklage bot eine Armada von Zeugen auf, die den Mediziner schwer belasteten. Der Angeklagte soll sich über sein Handy mehr mit einer Reihe von Damenbekanntschaften beschäftigt haben, als nach seinem narkotisierten Patienten zu sehen. Murray wählte außerdem viel zu spät den Notruf und verschwieg den Sanitätern die Behandlung mit Betäubungsmitteln.

Gebannt verfolgte die Öffentlichkeit das Verfahren. Bei jedem Prozesstermin versammelten sich vor dem Gericht dutzende Schaulustige, die Sitzungen wurden live im Fernsehen übertragen. Dabei bekamen die Zuschauer ein Foto des toten Popstars im Krankenhaus zu sehen, hörten verstörende Tonbandaufnahmen eines offensichtlich unter Medikamenteneinfluss stehenden Jackson und erfuhren in der Aussage eines Leibwächters, wie Jacksons geschockte Kinder Paris und Prince ihren leblosen Vater in der Villa in Los Angeles liegen sahen.

Als die Geschworenen am 7. November den Schuldspruch verkündeten, ertönte in den Zuschauerreihen ein Aufschrei der Erleichterung. Jacksons Mutter Katherine klammerte sich weinend an ein Taschentuch und wurde von ihrem Sohn Randy in den Arm genommen. Auch vor dem Gericht brachen Jackson-Fans in Jubel aus. Der 58-jährige Murray, der während des Verfahrens gegen Kaution auf freiem Fuß war, sitzt seit dem Urteil hinter Gittern.

Die Staatsanwaltschaft will, dass dies auch so bleibt und verlangt die Höchststrafe von vier Jahren Haft. Außerdem soll Murray die Jackson-Familie für die entgangenen Einnahmen der Konzertserie in Höhe von geschätzt 100 Millionen Dollar (75,6 Millionen Euro) entschädigen. Zudem müsse der Mediziner die Kosten von Jacksons Beerdigung in Höhe von knapp zwei Millionen Dollar erstatten.

Murrays Anwalt Ed Chernoff beantragte in der vergangenen Woche dagegen eine Bewährungsstrafe für seinen Mandanten, dem bereits der Entzug seiner beruflichen Existenzgrundlage drohe. Da Murray womöglich nie wieder als Arzt arbeiten werde, sei eine mehrjährige Haftstrafe "vollkommen unangemessen". Murray könnte allerdings den Unmut des Gerichts zu spüren bekommen, weil er sich in der letzten Prozesswoche für einen Dokumentarfilm interviewen ließ. Die Staatsanwaltschaft wertete dies als Beweis dafür, dass der Mediziner keinerlei Reue für seine Tat empfinde.

Gregor Waschinski, AFP / AFP