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Prozess gegen deutsches IS-Mitglied: Mutmaßlicher Terror-Kämpfer darf auf mildes Urteil hoffen

Es ist der erste Prozess gegen einen mutmaßlichen IS-Kämpfer aus Deutschland. Der Angeklagte darf auf eine Jugendstrafe hoffen, schweigt aber bislang.

Fast väterlich wandte sich der Vorsitzende Richter Thomas Sagebiel an Kreshnik B.: "Wir wollen Ihnen nicht mit aller Gewalt die Zukunft verbauen." Er stellte dem Angeklagten deshalb zum Auftakt seines Prozesses vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main ein mildes Urteil in Aussicht. Voraussetzung dafür ist aber ein Geständnis des 20-Jährigen, der als erster mutmaßlicher deutscher IS-Kämpfer vor Gericht steht. Kreshnik B. könnte schon am nächsten Verhandlungstag am Freitag sein bisheriges Schweigen brechen.

In schwarzem Kapuzen-Pulli und grauer Jogginghose saß der Angeklagte am Montag im Gerichtssaal. Fotos von ihm werden jetzt um die Welt gehen. Denn Kreshnik B. soll sich im vergangenen Sommer der Dschihadistengruppe Islamischer Staat im Irak und Großsyrien (Isis) angeschlossen haben, die mittlerweile unter dem Namen Islamischer Staat (IS) für Angst und Schrecken sorgt. Auch an Kampfeinsätzen soll er teilgenommen haben. Die Bundesanwaltschaft legt ihm deshalb Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung zur Last.

"Es ist ein erheblicher Tatvorwurf, keine Kleinigkeit", ermahnte ihn der Vorsitzende Richter Sagebiel. Doch das Gericht will ihm eine Chance geben und schlug bei einem Geständnis eine Jugendstrafe zwischen drei Jahren und drei Monaten und vier Jahren und drei Monaten vor. Dafür muss er die Vorwürfe einräumen sowie zu weiteren Fragen Rede und Antwort stehen. Grundsätzlich sind dazu alle Seiten bereit. Bereits im Vorfeld des Prozesses gab es darüber Gespräche zwischen Gericht, Bundesanwaltschaft und Verteidigung.

Warum reiste er nach Syrien?

Am ersten Prozesstag schwieg der Angeklagte noch. Doch das könnte sich schon am Freitag ändern, wenn das Verfahren fortgesetzt wird. "Wir werden das gemeinsam erörtern", sagte sein Anwalt Mutlu Günal. Er betonte zudem, dass sein Mandant mit seiner freiwilligen Rückkehr aus Syrien seine Abkehr von dem eingeschlagenen Weg gezeigt habe. Kreshnik B. sei "kein gefährlicher Mensch".

Warum er dennoch nach Syrien reiste, wird eine der spannenden Fragen bei seiner Aussage sein. Kurz vor dem Prozess war etwa bekannt geworden, dass er in der Jugend Fußball beim jüdischen Verein Makkabi Frankfurt gespielt hat. Er sei "ein sozialverträglich guter Spieler" gewesen, sagte Vereinspräsident Alon Meyer dem Hessischen Rundfunk. Er habe sich mit dem Davidstern auf der Brust stolz für den Verein eingesetzt. Dass er dann binnen kürzester Zeit radikal geworden sei, "macht uns allen Angst".

Zwei im Gerichtssaal abgespielte Telefon-Mitschnitte, in denen Kreshnik B. mit seiner Familie spricht, zeichneten eher das Bild eines unsicheren Menschen. In den Gesprächen ist offenbar seine Schwester zu hören, die ihn zur Rückkehr bewegen will. "Deine Brüder dort werden dich nicht so lieben wie deine Familie", mahnt sie ihn. Irgendwann wirft sie ihm auch vor: "Du bist jung, dumm und naiv" Schließlich kam ihr Bruder aber doch wieder nach Deutschland. Sein Anwalt Günal sagte dazu nach Ende des ersten Prozesstages, Kreshnik B. sei "sehr dankbar, wieder zurück zu sein".

car/DPA / DPA