Prozess gegen Inzest-Täter Fritzl zeigt sein Gesicht


Ende des Versteckspiels: Josef Fritzl hat im öffentlichen Teil des zweiten Prozesstags das erste Mal sein Gesicht gezeigt, das er zuvor immer hinter einem Aktenordner verborgen hatte. Im Gerichtsverfahren gegen den Inzest-Täter von Amstetten ist Fritzls Tochter E. die wichtigste Zeugin. Ihre Aussage auf Video dauert elf Stunden.

Am zweiten Tag des Prozesses um die Inzest-Taten im österreichischen Amstetten wird der Angeklagte Josef Fritzl Farbe bekennen müssen. Zwar verbarg der 73-Jährige zunächst auch diesmal sein Gesicht hinter einem blauen Aktenordner vor den Fotografen, doch die Aussage seiner Tochter E., die er 24 Jahre lange in einem Kellerverlies gequält und vergewaltigt hat, wird er sich anschauen und anhören müssen. Und er wird auf viele Fragen des Gerichts anworten müssen.

Die heute 42 Jahre alte, gepeinigte Tochter Fritzls, die von ihrem Vater sieben Mal geschwängert wurde, wird ihrem Peininger im Gerichtssaal allerdings nicht gegenüber stehen müssen. Die Aussage wurde aufgezeichnet und wird als Video im Gerichtssaal gezeigt. Nicht weniger als elf Stunden lang soll E. ihren Vater immer und immer wieder schwer belasten. Auch an diesem zweiten Prozesstag bleibt die Öffentlichkeit ausgeschlossen - zum Schutz der Opfer Fritzls, aber auch zum Schutz des Angeklagten selbst.

Fritzls Tochter, das Hauptopfer des als diktatorisch geltenden Inzest-Täters von Amstetten, wird durch die Videoaussage auch in Abwesenheit die wichtigste Zeugin in dem Verfahren sein. Dem Angeklagten, dem Gericht und den Schöffen werden die Einzelheiten der grauenvollen Tat, die weltweit für Bestürzung gesorgt hat, seit Montagmittag "portionsweise" auf einer großen Videowand vorgespielt. Aufgezeichnet wurden sie bereits im Sommer 2008.

Die in Österreich "kontradiktorische Vernehmung" genannten Befragungen sind nach Angaben des stellvertretenden Gerichtspräsidenten Franz Cutka in der Alpenrepublik bereits seit Jahren üblich: "Damit soll dem Opfer ermöglicht werden, ein erneutes Zusammentreffen mit dem Täter bei der Verhandlung zu vermeiden." Bei der kontradiktorischen Vernehmung wird das Opfer - in den meisten Fällen bei Sexualdelikten - von der zuständigen Richterin oder dem Richter befragt. Auch Staatsanwälte und Verteidiger sind bei der Aussage anwesend und können Fragen stellen. Während der Gerichtsverhandlung werden die mutmaßlichen Täter dann mit diesen Aussagen konfrontiert.

Möglicherweise wird das Urteil gegen Fritzl bereits am Donnerstag, also einen Tag früher als geplant, gesprochen, hieß es am Dienstag. Cutka wollte dies aber nicht bestätigen. Der Verlauf des Prozesses hänge nicht zuletzt davon ab, ob man dem Angeklagten "die Würmer aus der Nase ziehen muss" oder ob er sich freimütig äußere.

DPA/AP AP DPA

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