Prozess gegen Jörg Kachelmann Zweifel um Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers


Der Fall des unter Vergewaltigungsverdacht stehenden Wettermoderators Jörg Kachelmann steht womöglich vor einer Wende: Die Aussagen des mutmaßlichen Opfers erschienen einer Gutachterin zweifelhaft, berichtete "Spiegel Online" am Samstag.

Im Vergewaltigungsfall Kachelmann gibt es laut einem "Spiegel"-Bericht Zweifel an der Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers. Ein von der Psychologin Luise Greuel im Auftrag der Staatsanwaltschaft erstelltes Gutachten komme zu dem Schluss, dass die Schilderung der Vergewaltigung "nicht die Mindestanforderungen an die logische Konsistenz, Detaillierung und Konstanz" erfülle, berichtete das Magazin am Samstag vorab und berief sich auf das Gutachten Greuels.

Das mutmaßliche Opfer könne die Tat selbst bei eingehender Befragung "nur vage und oberflächlich wiedergeben". Zudem habe die Frau erst in der vierten Vernehmung zwei ursprüngliche Angaben zu ihrem Verhalten vor der Tat korrigiert. Damit sei aber keinesfalls erwiesen, dass Kachelmanns frühere Freundin falsch ausgesagt habe, zitierte der "Spiegel" die Gutachterin.

Der Anwalt der Frau wollte sich laut "Spiegel" nicht zu dem Gutachten äußern. Kachelmanns Anwalt Reinhard Birkenstock war am Samstag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Kachelmann seit zweieinhalb Monaten in Haft

Die Staatsanwaltschaft Mannheim hatte den ARD-Wettermoderator am 19. Mai trotz dessen Unschuldsbeteuerungen wegen Vergewaltigung seiner Freundin angeklagt. Sie wirft dem 51-jährigen Schweizer eine besonders schwere Vergewaltigung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vor. Kachelmann verletzte die 36-jährige Frau demnach mit einem Messer am Hals und drohte ihr, sie zu töten. Im Fall einer Verurteilung droht ihm eine Haftstrafe von fünf bis 15 Jahren. Über die Eröffnung eines Hauptverfahrens muss das Landgericht Mannheim entscheiden.

Zum Zeitpunkt der Anklageerhebung hatte die Staatsanwaltschaft das psychologische Gutachten noch nicht vorliegen gehabt. Dass die Frau in ihren Aussagen zwei Punkte korrigiert habe, betreffe nur "Vorgeschichten", hatte ein Sprecher damals erklärt.

Kachelmann selbst hatte laut Staatsanwaltschaft vor dem Haftrichter ausgesagt, der Geschlechtsverkehr mit der Freundin sei einvernehmlich gewesen - er habe keine Gewalt angewandt. Er war am 20. März auf dem Frankfurter Flughafen verhaftet worden und sitzt seither in Untersuchungshaft.

APN/AFP

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