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Prozess gegen Kachelmann Der Notruf der Geliebten


Die Beweisaufnahme im Kachelmann-Prozess hat begonnen: Polizisten, die den Wettermoderator verhaftet haben, wurden in den Zeugenstand gerufen. Außerdem ließ das Gericht den Notruf der ehemaligen Geliebten vorspielen.

Mit der Aufnahme eines dramatischen Notrufs hat im Vergewaltigungsprozess gegen Fernsehmoderator Jörg Kachelmann die Beweisaufnahme begonnen. Das Gericht ließ am dritten Verhandlungstag den Anruf von Kachelmanns ehemaliger Geliebter bei der Polizei vorspielen. "Ich bin heute Nacht vergewaltigt worden und weiß nicht, was ich jetzt machen soll", sagt die Frau mit zitternder Stimme. Auf die Frage "Von wem?" zögert die Frau. Dann sagt sie: "Von meinem Freund."

Es war der bewegendste Moment in einem Verfahren, das bislang von prozessrechtlichen Streitigkeiten zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaft geprägt war. Zwei Minuten dauerte das Telefongespräch, das der Vater des mutmaßlichen Opfers begann, dann reichte er den Hörer an seine Tochter weiter.

Rumgeknutsche kurz vor der Festnahme

Anschließend wurde als erster Zeuge ein 51-jähriger Polizist gehört, der Kachelmann festgenommen hatte. Das mutmaßliche Opfer, eine 37 Jahre alte Radiomoderatorin, sei am Tag nach der möglichen Tat zwei Mal vernommen worden. Dazwischen sei sie rechtsmedizinisch und gynäkologisch untersucht worden. Obwohl klar war, dass Kachelmann noch am selben Tag nach Kanada zu den Olympischen Winterspielen fliegen wollte, entschied die Staatsanwaltschaft, ihn zunächst nicht festnehmen zu lassen. "Wir hatten seinerzeit Bedenken hinsichtlich eines dringenden Tatverdachts", sagte Oberstaatsanwalt Oskar Gattner.

Kachelmann wurde erst am 20. März bei seiner Rückkehr aus Kanada am Flughafen Frankfurt verhaftet. Er wurde, erzählt der Kriminalbeamte, von einer jungen Frau abgeholt. Auf dem Weg zum Parkhaus "wurden Zärtlichkeiten ausgetauscht", berichtet der Beamte. "In Schwetzingen würde man sagen: Rumgeknutsche." Der Beamte sprach Kachelmann dann unmittelbar vor seinem Auto an. "Ich habe ihn zur Seite genommen und erklärt, dass ich einen Haftbefehl gegen ihn habe." Kachelmann habe "ruhig und abgeklärt" reagiert. "Er hat keine besonders emotionale Reaktion gezeigt." Zum Tatvorwurf habe er nichts gesagt.

Aussage einer Ex-Freundin hinter veschlossenen Türen

Bei der Zeugenvernehmung der 24-jährigen Studentin, die Kachelmann am Flughafen abgeholt hatte, wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Dies geschehe zum Schutz ihrer Persönlichkeitsrechte, begründete das Gericht seine Entscheidung.

Kachelmann selbst verfolgte die Verhandlung weiter weitgehend regungslos. Er will sich vorerst nicht vor Gericht äußern. Am Montag war seine Aussage vor dem Haftrichter verlesen worden, in der er die Vorwürfe bestritt.

Verteidigung will weitere Gutachter benennen

Zu Beginn des dritten Prozesstages hatte die Verteidigung beantragt, dass von ihnen benannte Sachverständige Gutachten über die Glaubwürdigkeit und die Verletzungen des mutmaßlichen Opfers erstellen dürfen.

Kachelmanns Verteidiger Reinhard Birkenstock forderte, die Rechtsmediziner Bernd Brinkmann und Markus Rothschild mit Gutachten über die Verletzungen des mutmaßlichen Opfers zu beauftragen. Damit solle bewiesen werden, "dass sämtliche Verletzungen auf Selbstverletzungen zurückzuführen sind", sagte Birkenstock. Die Anklage beruhe "auf einer intentionalen Falschbelastung".

Die 37-jährige Ex-Geliebte hatte unter anderem Blutergüsse an den Schenkeln und eine Verletzung am Hals. Diese Verletzung soll laut Anklage entstanden sein, als Kachelmann ihr ein Küchenmesser an die Kehle drückte. Außerdem beantragte die Verteidigung, ein psychiatrisch-psychologisches Gutachten zu erstellen. Dies soll die Glaubwürdigkeit der Frau in Frage stellen.

Das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer soll erst Mitte Oktober aussagen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft beruht die ungewöhnliche Reihenfolge auf Zeitproblemen eines Gutachters, der die Aussage der Frau vor Gericht beurteilen soll und erst am 13. Oktober anwesend sein kann. Die Verteidigung will die Hauptbelastungszeugin jedoch als erste hören. Über die Anträge hat die Mannheimer Strafkammer bisher nicht entschieden.

DAPD/ben dapd

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