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Prozess gegen mutmaßlichen "Parkplatzmörder": Staatsanwalt beantragt Sicherheitsverwahrung

Weil Detlef S. im vergangenen Dezember zwei Männer hinterrücks auf Parkplätzen, die als Homosexuellen-Treffpunkte bekannt sind, erschossen haben soll, wird ihm nun in Stuttgart der Prozess gemacht. Das Gericht vermutet Rache als Motiv.

Gut ein Jahr nach den "Parkplatzmorden" in Baden-Württemberg und Hessen steht ein Frührentner in Stuttgart vor Gericht. Zum Prozessauftakt am Montag hüllte sich der 56-Jährige in Schweigen. Weder zu seiner Person noch zu den ihm vorgeworfenen Taten wollte er sich äußern.

Laut Anklage erschoss er hinterrücks einen 30 Jahre alten Mann bei Magstadt nahe Böblingen und einen 70-Jährigen bei Mörfelden-Walldorf in Südhessen. Ihm wird auch vorgeworfen, einen Touristen in Freudenstadt mit einem Messer angegriffen zu haben. Die Anklage lautet auf zweifachen Mord und versuchten Mord. Die Parkplätze waren als Treffpunkte der Homosexuellen-Szene bekannt.

Nach dem Willen der Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte auch nach Verbüßung einer Haftstrafe hinter Gittern bleiben. Sie kündigte am Montag zum Prozessauftakt in Stuttgart an, eine Sicherungsverwahrung zu beantragen. Der 56-Jährige habe einen "Hang zu erheblichen Straftaten" und sei eine "Gefahr für die Allgemeinheit".

Rache für Ansteckung mit HI-Virus?

Das Landgericht will prüfen, ob der Angeklagte aus Hass auf Schwule die Taten begangen hat. Die Staatsanwaltschaft geht von einer eher willkürlichen Auswahl der Opfer aus. Zugleich habe sich der Mann aber auch dafür rächen wollen, dass er sich vor Jahren im Sexurlaub in Kenia bei einem Transvestiten mit dem HI-Virus angesteckt hätte.

Der Verdächtige sitzt seit Dezember 2010 in Haft. Zeugen hatten seinen dunklen Wagen gesehen und die Polizei so auf die Spur des 56-Jährigen gebracht.

swd/DPA/AFP / DPA