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Prozess gegen No-Angels-Sängerin Nebenkläger erwartet milde Strafe für Nadja Benaissa


Sie hat ungeschützten Geschlechtsverkehr trotz ihrer HIV-Infektion gestanden. Dass Nadja Benaissa deshalb ins Gefängnis gehen muss, glaubt selbst der Anwalt des Nebenklägers nicht. Stattdessen werde die No-Angels-Sängerin wohl mit einer Bewährungsstrafe davonkommen.

Die wegen Ansteckung eines Mannes mit dem Aids-Virus angeklagte No-Angels-Sängerin Nadja Benaissa wird nach Einschätzung des Nebenklägers mit einer Bewährungsstrafe davonkommen. "Das wäre realistisch", sagte Anwalt Hans-Dieter Henkel am Donnerstag nach Ende des zweiten Verhandlungstages vor dem Amtsgericht Darmstadt. Der Strafrahmen von bis zu zehn Jahren werde sicher nicht ausgeschöpft, so Henkel, der den 34 Jahren alten früheren Liebhaber der Sängerin vertritt, der sich bei Benaissa angesteckt hat.

Zuvor hatte das Amtsgericht Darmstadt die Öffentlichkeit für eine Zeugenaussage ausgeschlossen. Gehört wurde ein früherer Liebhaber der 28-Jährigen, der sich beim Geschlechtsverkehr nicht mit dem HI-Virus angesteckt hatte. Es gehe um die Schilderung intimer Details, begründete Richter Dennis Wacker den Beschluss. Das Gericht hatte sich fast eine halbe Stunde Zeit genommen, bis es seine Entscheidung bekanntgab.

Die Aussage eines anderen Ex-Partners wurde verlesen. Der Musikproduzent - er will nur Sex mit Kondom gehabt haben - gab zu Protokoll, Benaissa habe ihre HIV-Infizierung anfangs abgestritten. Später habe sie ihm dann gebeichtet, wegen ungeschützten Sex' mit anderen Männern "Angst vor dem Knast" zu haben.

Ein Fall von versuchter Ansteckung wurde eingestellt. "Der Prozess verschlankt sich ein wenig", sagte Verteidiger Oliver Wallasch. "Nadja Benaissa ist etwas gelöster geworden. Nach dem ersten Prozesstag fällt die Anspannung etwas ab", beschrieb er die Stimmung des Popstars.

No Angels werden verschont

Benaissa war auch am Donnerstag überpünktlich im Gerichtssaal erschienen. Sie trug eine weiße Tunika-Bluse und Jeans. Ihre langen Locken hatte sie wieder zu einem Zopf zusammengebunden.

Staatsanwalt Peter Liesenfeld ging ebenso wie Verteidiger Wallasch und Nebenkläger Henkel davon aus, dass die drei No-Angels-Sängerinnen Sandy Mölling, Jessica Wahls und Lucy Diakovska nicht vor Gericht zu erscheinen brauchen. "Ich gehe davon aus, dass wir sie nicht benötigen müssen", sagte Liesenfeld. "Ich glaube Benaissa in vielen Punkten." Die Anklage setze auf ein Gutachten, das eine Ansteckung des 34 Jahre alten Mannes durch Benaissa untermauern soll.

Die Anklage wirft der Sängerin der Casting-Gruppe vor, zwischen 2000 und 2004 in fünf Fällen ungeschützten Sex mit drei Männern gehabt zu haben, obwohl sie wusste, dass sie HIV-positiv diagnostiziert ist. Ein Liebhaber steckte sich laut Anklage bei Benaissa an. Sie muss sich wegen gefährlicher und versuchter gefährlicher Körperverletzung verantworten. Im schlimmsten Fall drohen ihr zehn Jahre Haft.

Was bisher geschah

Zu Beginn des Prozesses am Montag hatte die 28-Jährige ein umfassendes Geständnis abgelegt. Sie gab zu, Sex ohne Kondom gehabt zu haben, obwohl sie seit 1999 von ihrer HIV-Infektion gewusst habe. Für den Prozess sind noch drei Verhandlungstage geplant.

Der Mann, der sich angesteckt haben soll, kam bereits am ersten Verhandlungstag zu Wort. Er ist in dem Verfahren Nebenkläger. Der 34-Jährige machte dem Popstar schwere Vorwürfe. Er wird von einem Anwalt vertreten. Aus diesem Grund hatte das Gericht bei seiner Aussage die Öffentlichkeit zugelassen.

dho/DPA DPA

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