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Prozess gegen Pistorius Ex-Polizist berichtet von Pannen am Tatort


Am zehnten Prozesstag gegen Paralympics-Star Oscar Pistorius erzählt ein Ex-Beamter, wie Kollegen am Tatort pfuschten. Seine Aussage lässt Zweifel am Vorgehen der Polizei aufkommen.

Im Mord-Prozess gegen Oscar Pistorius in Südafrika sind schwere Ermittlungspannen zur Sprache gekommen. Im Zeugenstand räumte ein ehemaliger Polizeibeamter, Giliam van Rensburg, am Freitag ein, dass ein Kollege die Tatwaffe ohne Schutzhandschuhe angefasst habe.

"Der Ballistiker hantierte ohne Handschuhe an der Waffe rum. Er hatte schon das Magazin herausgenommen", sagte der im vergangenen Jahr aus dem Polizeidienst ausgeschiedene van Rensburg. "Ich habe in gefragt: Was machen Sie da? Er hat 'Entschuldigung' gesagt, sie an ihren Platz zurückgelegt und dann nur seine Handschuhe aus seiner Tasche gezogen", sagte der frühere Kommissariatsleiter.

Badezimmertür mit ins Büro genommen

Außerdem musste sich Van Rensburg dafür rechtfertigen, die Badezimmertür - ein wichtiges Beweismittel in dem Prozess - in einen Leichensack gesteckt und in sein Büro gebracht zu haben, wo sie mehrere Tage lagerte. Nach Aussagen des Zeugen soll das sicher gewesen sein. "Ich war der einzige mit einem Schlüssel", zitiert ihn ein BBC-Reporter aus dem Gerichtssaal auf Twitter. Van Rensburg hatte im vergangenen Jahr sein Amt bei der Polizei niederlegen müssen, nachdem ihm vorgeworfen worden war, mit dem Beweismittel falsch umgegangen zu sein.

Tatsächlich könnte die Badezimmertür entscheidene Hinweise zur Klärung des zeitlichen Ablaufs in der Tatnacht geben - und Pistorius damit schwer belasten. Die Verteidigung des Sportstars argumentiert jedoch, die Tür sei durch die unsachgemäße Lagerung als Beweismittel nicht mehr zulässig.

Uhr verschwindet spurlos vom Tatort

Er sei zudem Zeuge des mutmaßlichen Uhr-Diebstahls geworden, sagte van Rensburg weiter. Während der Ermittlungen am Tatort soll eine teure Armbanduhr aus Pistorius' Schlafzimmer verschwunden sein. Rensburg habe es "nicht fassen" können. "Wir waren da. Wie konnte diese Uhr verschwinden?", sagte er aus. "Ich war wütend."

Weder eine Durchsuchung der Ermittler noch der Fahrzeuge hätte etwas ergeben. Eine Untersuchung sei eingeleitet worden, aber auch diese habe keine Ergebnisse erbracht. Ob es ein Polizeibeamter war, der die Uhr entwendet hatte, konnte aber nicht geklärt werden. Ein BBC-Reporter twitterte aus dem Gericht, dass auch eine Schwester von Pistorius die Uhr an sich genommen haben könnte.

Pistorius muss sich wegen der Tötung seiner Freundin Reeva Steenkamp seit Anfang März vor Gericht verantworten. Der an den Unterschenkeln amputierte Sprintstar hatte sie in der Nacht zum Valentinstag vergangenen Jahres durch die geschlossene Badezimmertür seines Hauses erschossen. Er beteuert, das 29-jährige Model für einen Einbrecher gehalten zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 27-Jährigen dagegen vor, Steenkamp nach einem Streit vorsätzlich getötet zu haben.

kis/AFP AFP

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