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Prozess gegen Rentner-Gang: "Wir haben ihn doch gut behandelt"

Weil sie sich von ihm über's Ohr gehauen fühlten, hatten fünf Rentner ihren Anlageberater gekidnappt. Doch statt die erhofften Millionen zu erpressen, landeten die Senioren vor Gericht. Im Prozess wird schnell klar: Jeder Angeklagte ist sich nun selbst der Nächste.

Von Malte Arnsperger, Traunstein

Zwei betagte Herren schieben einen mannshohen Pappkarton mit einer Sackkarre durch das abendliche Speyer. In der Fußgängerzone laufen Roland K. und Willi D. mit ihrer Ladung an einigen Tischen vorbei, an denen die Menschen ihren Feierband an diesem Sommertag im Juni 2009 genießen. Niemandem fällt auf, dass in der Kiste ein Mann steckt. Fest verschnürt, mit zugeklebtem Mund, wird James A. gerade entführt. Hätte doch einer der Passanten nach dem Inhalt gefragt, hätten ihm Roland K. und Willi D. geantwortet: "Da ist eine Marmorstatue drin." Wenig später landet die Kiste im Kofferraum des Audis von Roland K. Nach fünf Stunden Fahrt darf James A. dann aussteigen. Er ist im oberbayerischen Chiemgau, auf dem Anwesen seines Entführers Roland K.

Rund acht Monate nach diesem Abend begegnen sich die drei Herren wieder. Doch diesmal sind Roland K. und Willi D. die Gefangenen. Die 74- und 61-Jährigen sind vor dem Landgericht Traunstein wegen der Geiselnahme von James A. angeklagt. Zusammen mit der siebten Ehefrau von Roland K., Sieglinde K. (80), sowie dem befreundeten Ehepaar Gerhard (67) und Iris F. (64) wollten sie durch die Verschleppung von James A. mehrere Millionen Dollar eintreiben. Geld, das ihnen der Geschäftsmann, Steuerberater und Anlageberater angeblich schon seit Jahren schuldet. Die Staatsanwaltschaft stuft die viertägige Entführung sogar als Geiselnahme ein. Damit drohen jedem einzelnen Mitglied der skurrilen "Rentnergang", wie mehrere Zeitung titelten, mindestens fünf Jahre Gefängnis. Nur Gerhard F. bleibt vorerst verschont, das Verfahren gegen den schwer kranken Mann wurde eingestellt.

Bereits am zweiten Prozesstag zeigt sich, dass der Bund zwischen den verbliebenen Angeklagten äußerst brüchig geworden ist und sie keineswegs gewillt sind, weiter zusammen zu halten. Jeder ist sich nun der Nächste, schließlich sitzen sie seit der Tat in Untersuchungshaft. Geständig sind die alternden Ganoven grundsätzlich alle. Aber wer letztlich wann von welchem Plan wusste, wer daran wie beteiligt war und vor allem wie lange der ehemals so geschätzte Anlageberater festgehalten werden soll, darüber gehen die Ansichten weit auseinander.

Augenrollen bei den Richtern

Willi D. stellt sich in seiner Aussage als im Grunde gutmütigen Menschen dar, der sich dem Rädelsführer Roland K. untergeordnet habe und dem Opfer nie etwas wirklich Böses wollte. "Ich räume meine Beteiligung an der Entführung ein", sagt er. Aber: "Wir haben ihn doch gut behandelt", erklärt der hagere Mann treuherzig vor Gericht. "Meine Mission war es, friedlich mit Herrn A. zu reden." Ungläubige Gesichter bei Richtern und Staatsanwälten - nicht das einzige Mal an diesem Tag.

Der gebürtige Hamburger Willi D. lebt mit seiner Familie schon seit Jahren in den USA. Er arbeitete früher für James A.'s Firma, hat aber für seine Investorensuche angeblich nie die versprochenen Honorare bekommen. Vergeblich habe er versucht rund 750.000 Dollar einzuklagen, sagt D. vor Gericht. Bei diesen Bemühungen habe er auch das Ehepaar K. kennengelernt, die ihrem Anlageberater James A. rund zwei Millionen Euro anvertraut hatten. Zusammen wollte die Geprellten James A. zur Rechenschaft ziehen. In den Entführungsplan sei er allerdings erst am Tattag, dem 16. Juni 2009, von Roland K. eingeweiht worden, versichert Willi D. "Ich war erst verwirrt, habe aber eingewilligt. Ich dachte, das ist die letzte Chance, mein Geld zu bekommen." Ausgerüstet mit Sackkarre, Klebeband und der von Roland K. selbstgebastelten Kiste fahren die beiden Komplizen an diesem 16. Juni zu James A. nach Speyer. In die Wohnung "reingedrückt", habe er A., sagt Willi D. "Wir sind nicht freundlich empfangen worden, aber A. hat uns dann zum Bier eingeladen."

Ein Gespräch unter alten Bekannten folgt. Trotzdem entschließen sich Willi D. und Roland K. ihren Entführungsplan auszuführen. Sie verschnüren ihr Opfer an Kopf, Beinen und Armen und stülpen ihm die Kiste über. Außer einem Schlag seines Kameraden gegen den Hals von James A. sei aber keinerlei Gewalt angewendet worden, beteuert D. Er selber habe A. lediglich festgehalten und sogar darauf geachtet, dass der gut Luft bekommt. Zwei Entführer, denen nichts wichtiger ist, als das Wohlergehen ihres Opfers. Diesen Eindruck hatte schon Roland K. bei seiner Aussage erwecken wollen. Die ganze Aktion sei eine Einladung an James A. "für ein paar Tage Urlaub in Oberbayern" gewesen. Dieser sei "als unser Gast zu uns nach Hause eingeladen" worden.

Drei-Gänge-Menüs bayerischer Hausmannskost

Wenn man Willi D. Glauben schenkt, wurde James A. auch während seiner vier Tage in ihrer Gewalt vorzüglich behandelt. Der Kettenraucher habe stets auf der Terrasse rauchen dürfen. Sieglinde K., eine "hervorragende Köchin", habe ihm Drei-Gänge-Menüs bayerischer Hausmannskost inklusive Suppe und Nachtisch vorgesetzt, sagt Willi D.

Doch letztlich ging es den Entführern ums Geld. In der Garage setzten sich die fünf am Mittwoch, 17. Juni, in einem Halbkreis um James A. herum. Die Staatsanwaltschaft spricht von einem "Femegericht". Nein, so schlimm war es nicht, meint Willi D. Es sei ein "Meeting" gewesen. "Ich habe die Stühle so hingestellt, wie man es von der Schule und aus dem Kindergarten kennt. Das machen meine Kinder auch so." Man habe James A. weder mit Gewalt oder gar dem Tode bedroht, wenn er ihre Forderungen nicht erfüllen sollte. James A. wurde aufgefordert, seine Bank anweisen, Aktien zu verkaufen. Dann sollte der Deutsch-Amerikaner vier Überweisungen mit einem Gesamtwert von rund 3,5 Millionen Dollar anordnen. Das Geld sollte auf den Konten von K. und D. sowie des mittlerweile ebenfalls anwesenden Ehepaares F. landen. Immer wieder betont Willi D. "Ich dachte, dass wir nach wenigen Tagen, am Donnerstag oder Freitag, fertig sind."

"Call. Pol. ICE"

Ein entscheidender Punkt in dieser Verhandlung. Denn bei einer bloßen Entführung liegt die Höchststrafe bei fünf Jahren. Um die Angeklagten aber für eine Geiselnahme zu verurteilen, muss das Opfer mit dem Tode bedroht worden sein. Oder aber die Täter müssen geplant haben, es mindestens eine Woche lang festzuhalten. Folglich bohren Richter und Staatsanwälte immer wieder nach, wie lange James A. wirklich in dem Verlies im Keller bleiben sollte. Obwohl er sich in Widersprüche verstrickt und sichtlich nervöser wird, bleibt Willi D. bei "wenigen Tagen". Mit Nachdruck sagt er: "Ich als ordentlicher und normaler Mensch habe nie gedacht, dass wir A. nicht nach Hause fahren."

Das war nicht mehr nötig. Denn in seiner Bankanweisung hatte James A. den versteckten Hilferuf "Call. Pol. ICE" versteckt. Am Samstag, 20. Juni, wurde er befreit und seine Peiniger festgenommen.

Demnächst wird auch James A. seine Version der Vorfälle vor Gericht darlegen dürfen und mit den vier Herren und Damen auf der Anklagebank abrechnen können. Doch möglicherweise wird sich James A. bald selber auf einer solchen Bank wiederfinden. Denn die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern ermittelt wegen Untreue gegen ihn. Ein weiteres Kapitel in der kuriosen Geschichte der fünf älteren Herrschaften und ihres Geschäftspartners.

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.