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Prozess gegen Todesschützen von Diren Dede: "Der Tod rief ihn nach Montana"

Diren war glücklich in den USA. Bis er eines Nachts in eine fremde Garage trat. Nun beginnt der Prozess gegen den Mann, der ihn erschoss. Der stern erzählt die ganze Geschichte.

Der Tod des Hamburger Austauschschülers Diren Dede hat große Anteilnahme ausgelöst

Der Tod des Hamburger Austauschschülers Diren Dede hat große Anteilnahme ausgelöst

Die Freunde hatten in der Nacht lange ums Lagerfeuer gesessen, der dunkelhaarige Zach, der blonde Chance, Robby aus Ecuador und Diren, der von Deutschland erzählte und der Türkei.

Es war Freitag und eine der ersten warmen Frühlingsnächte nach diesem sehr langen Winter in den Bergen Montanas nahe der kanadischen Grenze. Die vier hatten geredet und geredet, von ihren Plänen, ihren Träumen. Vom Leben nach der Schule. Sie alle sind 17.

Diren wollte reisen. Länder kennenlernen, Orte wie Hawaii. "Dort hatte ich meine glücklichste Zeit", sagte er. Austauschschüler wie er waren im März auf der Pazifikinsel von überall zusammengekommen. Nur eine Woche, aber so eine intensive. Er hatte unverbrüchliche Freundschaften geschlossen. Es wurde fast schon hell, als sie das Feuer austraten. Sie hörten noch die Kojoten heulen, die in den Rocky Mountains umherstreifen.

Die Mutter war so glücklich, ihn zu sehen

Erst gegen Mittag wachte Diren an diesem Samstag in seinem Zimmer auf. Die drei Hunde seiner Gastfamilie, die fast jede Nacht bei ihm im Bett schliefen, wuselten um ihn herum. Seine Freundin Sophia aus Hamburg weckte ihn, sie schrieben hin und her. 46 Tage waren es noch bis zu seiner Rückkehr, Sophia hatte einen Countdown auf ihrem Handy laufen.

Diren skypte danach auch mit seiner Mutter. Sie war so glücklich, ihn auf dem Bildschirm zu sehen, so gut, wie er aussah. Im Hintergrund war wieder dieser nette Robby, auch ein Austauschschüler, von dem Diren ihnen allen schon erzählt hatte. Er hatte bei ihm übernachtet. Diren wohnte in einem eigenen kleinen Apartment in der unteren Etage des Hauses seiner Gasteltern in der 70.000-Einwohner-Stadt Missoula.

Sie waren sofort wie Brüder

Er hatte hier viel mehr Platz als in der Wohnung seiner Eltern in Hamburg. Schlafzimmer, Bad, Küche, ein Fernseher, eine Couch- Landschaft. Hier hatten mal die beiden Kinder seiner Gasteltern gewohnt, des Tierfotografen Randy Smith und seiner Frau Kate Walker. "Robby und Diren lernten sich am ersten Schultag kennen und waren sofort wie Brüder", sagt die Gastmutter.

Die 52-Jährige sitzt eine Woche später auf der Terrasse ihres Hauses. Sie streckt ihrem Mann ihre zitternde Hand hin und flüstert: "Bitte halte mich fest." Zu ihren Füßen liegt Pasha, einer der Mischlingshunde. "Diren", sagt Randy Smith, 61, "gab ihm diesen Namen." Es war so vieles türkisch geworden in ihrem Haus. Der Kaffee, die Musik. Er kochte viel. Und Nutella.

"Aber das war, glaube ich, deutsch", sagt Randy. "Wir lernten viel über Europa. Auch über Politik. Die Proteste in der Türkei wühlten ihn auf." Kate sagt: "Er hatte die Seele eines sehr erfahrenen Mannes." Robby und Diren spielten an dem Nachmittag an der Xbox, Fifa World Cup. Dazwischen gingen sie immer wieder an die Fitnessgeräte. Diren trainierte täglich, spielte Fußball in der Schul- und in der Stadtauswahl.

Im Kühlschrank stand nur Sprite

Er war auch im Leichtathletik-Team, probierte sich als Ringer, stürzte sich kopfüber von Felsen in Bergseen. In den neun Monaten in den USA hatte er sich einen mächtigen Oberkörper antrainiert, er wirkte viel reifer als seine Freunde. Die Fotos, die er nach Deutschland schickte, ließen alle staunen. Sophia erzählte er, dass er sein Körperfett auf null Prozent reduzieren wolle. Dabei tranken sie an diesem Nachmittag Sprite, Direns Lieblingsgetränk. Es war meist das Einzige, was in seinem Kühlschrank stand. 50, 60 Dosen. Oft auch mehr.

Markus Kaarma (M.) auf dem Weg zurück aus dem Gericht

Markus Kaarma (M.) auf dem Weg zurück aus dem Gericht

Sie nennen es Garage Hopping

Während er wie immer die Spieler von Galatasaray Istanbul über seinen Bildschirm steuerte, sprachen sie über den Abend, der vor ihnen lag. Sie waren zu einer Party am anderen Ende der Stadt eingeladen, ihr Freund Zach sollte sie mit dem Auto abholen. Die Stunden vergingen, doch Zach tauchte nicht auf. Diren schickte ihm eine Nachricht: "Robby und ich gehen spazieren."

Die offenen Garagen. Sie nennen es Garage Hopping. Es ist eine Tradition unter den Schülern in Missoula. Der Lehrer Cameron Johnson von ihrer Big Sky High School hatte schon oft mit ihnen darüber gesprochen. "Für manche war es eine Mutprobe, in die Garagen der Nachbarn zu schleichen und mit einem Sixpack Bier wieder rauszukommen", sagt der Lehrer. Auch er lässt seine Garage meist offen. "Wenn eine Dose fehlt, fülle ich eben nach." In Montana darf man erst mit 21 Jahren Alkohol trinken und mit 18 Jahren Zigaretten kaufen. Viele halten das für zu streng. Sie dulden deshalb diese kleinen Besuche in ihren Garagen, lassen die Tore offen. Manche Erwachsene packen die Getränke sogar absichtlich in die Kühlschränke. Würden sie das Bier direkt an die Jugendlichen geben, wäre das strafbar.

Die Fremden blieben fremd

Am Samstagabend war es stockdunkel. Straßenlaternen gibt es in dieser dünn besiedelten Gegend nicht, nur wenige Häuser haben Außenlampen. Es ist eine sichere Nachbarschaft, in der Haustüren und Autos nicht abgeschlossen sind. Vor Mitternacht müssen Diren und Robby an der Hausnummer 2607 am Deer Canyon Court vorbeigekommen sein, einer dieser aufgeräumten Straßen mit Vorgärten und Barbecue-Grills. 2607 liegt eine Straße oberhalb des Hauses von Direns Gasteltern. Die Garagentür stand offen.

Markus Kaarma war erst im November mit seiner Lebensgefährtin Janelle Pflager und ihrem zehn Monate alten Sohn in das zweistöckige Haus gezogen. Er ist 29 Jahre alt, Feuerwehrmann, einer, der Waldbrände löscht. Es ist ein gut bezahlter Job, der einem in den USA viel Respekt einbringt. Es gibt Heldenmythen um Leute wie ihn. Sein Anwalt Paul Ryan sagt: "Das Paar kam aus North Dakota hierher, weil sie ihr Kind in einer sicheren Umgebung aufwachsen lassen wollten." Ein Fremder in der Stadt. Auch in der Siedlung blieb die Familie fremd. Sie sprachen mit keinem. Wenn man sie mal sah, dann standen sie vor der Garagentür an ihrem Pick-up und rauchten.

Diren hielt sich an Gesetze

Eine Woche zuvor hatte Kaarma bei der Polizei einen Diebstahl aus seiner Garage angezeigt. Noch am Dienstag saß er beim Friseur "Great Clips" und brüllte herum. "Ich warte darauf, eines dieser fucking Kids abzuknallen!" Er wurde so ausfallend, dass die Friseurin ihn rauswarf. Sein Haus am Deer Canyon Court war inzwischen mit zwei Bewegungsmeldern vor und in der Garage ausgestattet. Es gab ein Babyfon mit Kamera, auf dem Kühlschrank lag eine Handtasche als Köder. Markus Kaarma hatte fünf Waffen und genügend Munition. Er wartete.

"Für mich war Diren unverletzbar", sagt Tage später Furkan, sein bester Freund in Hamburg. "Mit ihm durfte ich immer weggehen, da hatten meine Eltern keine Sorgen." "Diren war jemand, der sich an Gesetze hält. So war er. Und in Deutschland mochte er kein Bier", sagt sein Cousin Yigit. Seine Schwester Esra sagt: "Er hatte alles, was er brauchte, auch Geld. Er hatte es nicht nötig zu stehlen." Und seine Freundin Sophia erzählt, dass sie einmal mit ihm über den Zaun des Freibads klettern wollte. "Aber so etwas machte Diren nicht." Am Sonntagvormittag klingelte bei den Dedes in Hamburg das Telefon.

Der Vater wollte nicht, dass sein Sohn nach Amerika ging

Fünfmal, dann hob Direns Schwester Esra ab. Sie hörte eine Frau, die Englisch sprach, aber nicht wie in der Schule. Esra ist 18, sie hat gerade Abitur gemacht, aber sie verstand nichts. Sie legte auf und schrieb ihrem Bruder Diren per Whatsapp: "Hör auf damit!" Auch ihre Mutter sagte: "Geh nicht wieder ran, er macht einen Streich." Aber es klingelte wieder und wieder, Esra hob ab. Dieses Mal sprach eine Stimme Deutsch. Esra kann sich an die Worte nicht erinnern, aber die Frau sagte, ihr Bruder sei tot.

"Kann nicht sein", sagte Esra, "wir hatten gerade noch Kontakt mit ihm." Sie fragte nach: "Sagen Sie mir erst, wann Diren geboren ist." Sie hörte die Frau am Telefon in Papieren blättern. Dann sagte die Stimme: 21. September 1996. Ihre Mutter schrie. Der Vater, ein Taxifahrer, rief in dem Moment zu Hause an. Sie hatten ein gemeinsames Sonntagsfrühstück geplant. Er fragte: "Hast du das wirklich richtig verstanden, Esra? So etwas sagt doch niemand am Telefon." Celal Dede wollte lange nicht, dass sein Sohn nach Amerika ging.

"Der Tod rief ihn nach Montana"

Aber Diren hatte gedrängt, er war entschlossen, wollte unbedingt Englisch lernen. Wollte BWL in Frankfurt studieren, ein internationaler Geschäftsmann werden. Jeden Tag fing er wieder mit diesem Thema an. Der Vater dachte an Gefahr und Kriminalität. Aber er wollte seinem Sohn nicht den Weg verbauen. Dann ging im selben Jahr Selin in die USA, auch ein Einwandererkind und Direns Schulfreundin. Seit der ersten Klasse gingen sie gemeinsame Wege, zur Schule, nach Hause und dann ins Leben.

Celal Dede, 48, ist ein liberaler Vater. Und Diren sein einziger Sohn. Der war respektvoll gegenüber allen, hilfsbereit. In der Schule ohne Probleme. Der Schnellste in der Fußballmannschaft, Libero des SC Teutonia 1910 in Hamburg-Altona. Sportlich wie der Vater. Mutig und auch klug. In der Nachbarschaft riefen sie ihn "großer Bruder". Als der Vater von der Katastrophe hört, weiß er, wenigstens er muss jetzt stabil bleiben. Freunden und auch sich selbst sagt er: "Es ist einfach Schicksal. Der Tod rief ihn nach Montana."

Die Tür ist für alle offen

Er braucht 25 Stunden von Hamburg zum Flugplatz von Missoula. Dienstagabend kommt er an, fährt sofort zu seinem Sohn. Als er danach seine Frau anruft, weint er. Er sagt: "Diren sieht so wunderschön aus. Er hat ein Lächeln im Gesicht." In Hamburg kommen jeden Tag Frauen in die Wohnung von Direns Mutter. Sie weinen laut, sagen tröstende Worte, die nicht trösten. Direns Schwestern sind da, um sie herum Cousinen, Cousins, Schwager, Freunde, die Tür ist für alle offen.

Und alle wollen der Mutter helfen, mit Worten, mit Tränen. Sie sitzen bei ihr auf dem Sofa, auf dem kleinen Balkon, die Männer hocken vor dem gelben Klinkerhaus, wo Direns Cousins ein Schild aufgehängt haben mit dem Satz: "We are Diren." Die Dedes sind eine sehr respektierte Familie. "Fleißig", sagen alle. Direns Vater Celal Dede fährt mit seinem Taxi oft nachts, manchmal rund um die Uhr. Wie sonst könnte er seiner Familie so ein Leben bieten? Mittags kommt er zum Essen vorbei. Vor dem Haus stehen nun die Taxis vieler Kollegen.

Diren Onkel starb zuvor an Knochenkrebs

Seine Frau Gülçin arbeitet in einer Bäckerei. Basak, die ältere Tochter, ist Erzieherin, ihre jüngere Schwester Esra bewirbt sich gerade um einen Studienplatz. Die Mutter kam vom Schwarzen Meer hierher, der Vater aus Ankara. Die Kinder kamen in Hamburg zur Welt. Sie nennen sich scherzhaft "die Elbtürken". Jedes Jahr machen sie Urlaub in Bodrum an der türkischen Ägäis, wo die Eltern hinziehen wollen, wenn sie alt sind. Und wo ihr Sohn begraben wurde.

Die Freunde organisieren ein Benefizspiel zu Ehren Direns. Als seine Mutter den Fußballplatz betritt, umringt und beschützt von ihren Neffen, schreit sie auf, sie muss gehalten werden. "Gülçins Kraft war verbraucht, schon bevor ihr Sohn starb", sagt ihr Schwager. Über Monate hatte sie ihrem Bruder beigestanden, der mit 46 Jahren dem Knochenkrebs erlag, sie hatte viele Nächte auf der Bank im Krankenhaus geschlafen.

Hamburg und Missoula trauern: Fast 2000 Menschen stehen am Spielfeldrand, die meisten jung, viele sind Mitschüler ihres toten Sohnes. Freunde haben Fotos auf Pappen geklebt: Diren als kleines Kind, Diren mit einem Freund tobend im Wasser, Diren im Fußballtrikot, Diren in Amerika. Frauen haben auf weiß gedeckten Tapeziertischen ein Büfett aufgebaut, darauf stehen auch Spendendosen. Nach dem Spiel werden 25.000 Euro darin sein.

Gedenken an Diren vor dem Gelände des SC Teutonia

Gedenken an Diren vor dem Gelände des SC Teutonia

Sein Gymnasium hat einen guten Ruf

Die Mutter nimmt das alles kaum wahr. Sie sitzt auf der Bank, sieht nur die Jungen aus der Fußballmannschaft, alle sind Kinder türkischer Eltern, alle so alt wie ihr Diren. Menschen kondolieren ihr. Der Direktor von Direns Gymnasium tritt vor sie, spricht zu ihr. Das Gymnasium hat einen guten Ruf und Schüler aus 40 Nationen. Doch Direns Amerika-Aufenthalt war etwas Besonderes. Für ihn war es nur der Anfang, später wollte er Spanisch lernen und sein Türkisch aufbessern, weil seine Sprache längst Deutsch war. "So ein hoffnungsvoller junger Mensch", sagt der Direktor.

Die Bilder gleichen sich: Auch in Montana umarmen sich die Menschen, als sie zu einer Trauerfeier an der High School zusammenkommen. Robby, Zach, Chance, all die Freunde sind gekommen. Seit Tagen verteilen die Schüler farbige Bänder in Schwarz-Rot-Gold, die an ihn erinnern sollen. "Ich habe mir 'Diren' auf die Haut tätowieren lassen", sagt Zach. Vor dem Haus der Gasteltern haben sie eine Gedenkstelle aus Sprite-Dosen gebaut, sie stellt seine Initialen dar, D. D.

Mit 40 wollte er nach Mekka pilgern

"Diren hat die Menschen berührt. Wissen Sie, es sind nicht nur vier, fünf, die um ihn weinen. Es ist die ganze Schule", sagt sein Lehrer in Missoula, Cameron Johnson. Er erzählt, wie Diren sich mutig vor eine Klasse voller Amerikaner gestellt hatte, um seinen europäischen Blick auf die Welt zu vertreten. In Deutschland habe er sich als Türke gefühlt, in der Türkei als Deutscher, sagt der Lehrer. "Im Melting Pot USA fühlte er sich frei davon." Diren war gläubig, "aber er betete nicht jeden Tag". Er hatte pragmatische Pläne: "Mit 40 wollte er dann ein guter Muslim werden und eine Hadsch beginnen."

Der Feuerwehrmann Markus Kaarma war gerade mit seiner Frau aus dem Whirlpool gestiegen, als an diesem Samstagabend um 0.20 Uhr die Bewegungsmelder in seiner Einfahrt reagierten. Janelle Pflager lief zum Bildschirm, sah darauf einen jungen Mann mit hellem Pullover, fotografierte das mit dem Handy. Kaarma griff zur Waffe, ging durch die Haustür und stellte sich vor das offene Tor. Er lud durch, rief noch einmal: "Hey!" Eine Stimme aus der Dunkelheit antwortete: "Hey." Kaarmas Freundin sagte bei der Polizei, sie könnte auch gesagt haben: "Wait!" Direns Vater wollte die Garage nicht sehen, als er in Missoula war.

Schmerzhafter kann Stolz nicht sein

Er ging lieber in die Schule. Es machte ihn stolz, dass sein Sohn den Menschen hier so viel von der türkischen und der deutschen Kultur vermittelt hatte. Schmerzhafter kann Stolz nicht sein. Das Amerika, das Celal Dede in Montana sah, war nicht das, das er sich vorgestellt hatte. Jeder begrüßte ihn im Café. Die Straßen so aufgeräumt. "Nirgends war Polizei", sagt er später. Alles, vor dem Austauschschüler gewarnt werden, gab es dort nicht, keine Drogen, keine Kriminalität.

Aber vor den Waffengesetzen habe ihn niemand gewarnt. In Montana gibt es ein Gesetz, die "Castle Doctrine", nach der jeder sein Haus mit einer Waffe verteidigen darf, wenn er sich bedroht fühlt. Es ist sogar möglich, dass Markus Kaarma freigesprochen wird. Aber die Polizisten in Missoula haben dem Vater fest versprochen, dass sie sehr sorgfältig ermitteln werden.

Eine Shotgun ist eine wütende Macht

Die Schüler fürchteten den Zorn des Vaters, weil sie Diren zum Garage Hopping verführt hatten. Der Vater ließ sich geduldig erklären, was das ist. Dann sagte er: "Damit müsst ihr aufhören, das müsst ihr mir versprechen!" Eine Shotgun ist eine wütende Macht, fünf Kilo schwer, einen Meter lang. Jeder Schuss durchbebt den Schützen, der Rückschlag ist gewaltig, Durchschlag und Streuung sind zerstörerisch. Wer damit viermal in eine dunkle Garage schießt, will nicht nur erschrecken. Kaarma schoss viermal, in Kopfhöhe. Er sagte, er wollte seine Autos nicht beschädigen. Die Schrotkugeln rissen eine klaffende Wunde in Direns Hals.

Kaarmas Freundin Janelle Pflager ist Rettungssanitäterin. Sie versuchte die Blutung mit den Händen zu stoppen. Kaarma rief die Polizei und wartete in der Einfahrt. "Markus Kaarma wird sich für unschuldig erklären", sagt sein Anwalt Paul Ryan. "Er fühlte sich von diesen Teenagern bedroht. Er hatte jedes Recht zu feuern." Direns Leiche lag in einer Blutlache vor dem Kühlschrank.

Alexandra Kraft, Kuno Kruse, Esra Özer, Dominik Stawski / print