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Prozess in Antalya: Marco W. bleibt in Haft

Im türkischen Antalya ist der Prozess gegen den 17-jährigen deutschen Schüler Marco W. abermals vertagt worden. Nach Angaben des Fernsehsenders NTV entschied das Gericht, dass Marco W. vorerst in Haft bleiben muss.

Den Kopf kahl rasiert, unter den Augen tiefe Schatten, den Mund verbittert zusammengekniffen - die Bilder, die zuletzt von Marco W. veröffentlicht wurden, zeigten, wie die Haft in der Türkei den 17-Jährigen verändert haben muss. Seit fünf Monaten sitzt er schon im Gefängnis. Am Donnerstagmorgen wurde der Prozess gegen ihn fortgesetzt - und sofort vertagt. Für Marco und seine Familie sind das schlechte Nachrichten.

Die Richter haben entschieden, dass Marco W. auf jeden Fall vorerst in Haft bleiben muss. Die Anträge der Verteidigung auf eine Freilassung seien abgelehnt worden. Die Staatsanwaltschaft habe dem nicht zugestimmt, sagte Marcos Anwalt Michael Nagel. Die Richter seien offenbar noch nicht so weit in der Sache, dass sie über eine Verlängerung der Untersuchungshaft hätten entscheiden wollen, sagte Nagel gestützt auf seinen türkischen Kollegen, der Marco in der Verhandlung vertritt. "Ich halte das für grob rechtswidrig."

Marcos Familie hatte gehofft, dass der dritte Verhandlungstag endlich die langersehnte Freiheit für Marco bringen würde. In welchem Ausmaß sie unter der Situation, unter dem Anblick ihres so veränderten Sohnes leidet, hat seine Mutter, Martina W., kurz vor der Fortsetzung des Prozesses in einem TV-Interview beschrieben. "Der Albtraum muss ein Ende haben! Wir gehen auf dem Zahnfleisch", sagte die 49-Jährige. "Die Dinge, die wir aus dem Gefängnis wissen, belasten uns so sehr, dass wir keine Nacht durchschlafen, wir haben Albträume." Marco sei erwachsener geworden, sagte sie weiter. Er denke sehr viel darüber nach, wie sein künftiges Leben aussehen könne.

Marco wurde nach einem Urlaubsflirt mit der 13-jährigen Britin Charlotte M. von deren Eltern bei der türkischen Polizei angezeigt. Ihr Vorwurf: Marco habe Charlotte sexuell misshandelt. Marco bestreitet die Vorwürfe. Das Mädchen habe sich ihm gegenüber als 15 Jahre alt ausgegeben. Beide hätten sich einvernehmlich genähert. Zum Geschlechtsverkehr sei es aber nicht gekommen, hatte Marco immer wieder beteuert. Aus dem Gefängnis hatte er sogar einen Brief an Charlotte geschrieben, in dem er sie und ihre Mutter anfleht, ihre Beschuldigungen zurück zu nehmen. Eine vergebliche Bitte.

Anwalt ist zuversichtlich

Trotz der Sorge um ihren Sohn, zeigte Martina W. auch Verständnis für Charlotte. "Ich weiß nicht, wie viel Charlotte von der Sache mitbekommt. Wenn sie wirklich wüsste, was mit Marco los ist, vielleicht würde sie doch die wahre Geschichte erzählen." Sie bete und weine, dass ihr Sohn möglichst bald wieder bei ihr sei, sagte Martina W..

Vor dem dritten Verhandlungstag hatte der Anwalt der Familie sich noch zuversichtlich gezeigt, dass der Wunsch der Mutter in Erfüllung gehen könnte. "Wir sind nicht ohne Hoffnung, dass die Freilassung von Marco am Donnerstag erreicht werden kann", hatte Verteidiger Matthias Waldraff der Nachrichtenagentur AP gesagt.

Zusätzliche Anwälte engagiert

Der hannoversche Rechtsanwalt und sein Kollege Michael Nagel haben nach eigenen Angaben vor drei Wochen ein Mandat der Eltern übernommen. Sie hätten den Kontakt mit den Eltern aufgenommen und seien von diesen zusätzlich zu dem Uelzener Anwalt Jürgen Schmidt beauftragt worden. Seither geben die Eltern und ihre nunmehr drei deutschen Anwälte keine Erklärungen zur Haftsituation von Marco W. mehr ab. Rechtsanwalt Waldraff bat auch die Politik, von weiteren Appellen an die türkische Justiz Abstand zu nehmen. Dies könne den Bemühungen um die Freilassung des Schülers eher schaden als nützen, sagte er. Nach Angaben Waldraffs haben die deutschen Rechtsanwälte des Schülers zudem zusätzlich einen renommierten türkischen Strafrechtler für die Verteidigung gewinnen können.

AP/hes / AP