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Prozess in Antalya: Muss Marco W. 15 Jahre ins Gefängnis?

Marco W. hofft, Weihnachten zu Hause feiern zu können. Die Anwälte des deutschen Schülers wollen beim nächsten Prozesstermin am Freitag die Freilassung aus türkischer Haft beantragen. Der Anwalt des mutmaßlichen Opfers macht Marco indes keine Hoffnungen. Er rechnet mit einer sehr langen Haftstrafe für den 17-Jährigen.

Im Prozess gegen den deutschen Schüler Marco rechnet der Anwalt des mutmaßlichen Opfers Charlotte (13), Ömer Aycan, schon an diesem Freitag mit einem Urteil. Aycan sagte der "Bild"-Zeitung: "Ich dränge auf ein Urteil am Freitag, werde in der Verhandlung einen entsprechenden Antrag stellen." Der Prozess gegen den 17-jährigen Marco aus Uelzen soll am 14. Dezember im türkischen Antalya fortgesetzt werden.

Inzwischen sei neben der Aussage seiner Mandantin auch ein Gutachten über ihre psychische Verfassung eingetroffen. Bis zur Verhandlung solle beides ins Türkische übersetzt sein. Aycan ging davon aus, dass Marco eine Gefängnisstrafe bekommen wird. "Sie wird zwischen acht und 15 Jahren liegen, Marco wird Weihnachten nicht zu Hause sein", meinte der Anwalt weiter.

Marcos Anwalt will Freilassung beantragen

Dem 17-jährigen Marco aus Niedersachsen wird vorgeworfen, die 13- jährige Britin in den Osterferien in der Türkei sexuell missbraucht zu haben. Er bestreitet die Vorwürfe. Marco zufolge war es im Einvernehmen mit der 13-Jährigen zu Zärtlichkeiten in deren Hotelzimmer gekommen. Sie habe sich zudem als älteres Mädchen ausgegeben. Dagegen sieht Aycan den deutschen Jugendlichen durch die Aussage seiner Mandantin schwer belastet. Charlotte wirft Marco demnach versuchte Vergewaltigung vor. Seit mehr als sieben Monaten sitzt der 17-Jährige in der Türkei im Gefängnis.

Marcos Verteidigung will erneut die Freilassung beantragen. Das sagte der Anwalt des Schülers, Michael Nagel. Die Verteidigung rechnet noch nicht mit einem Urteil. Man gehe zwar davon aus, dass dem Gericht die Aussage der jungen Engländerin Charlotte und eine offizielle Übersetzung ins Türkische vorlägen, sagte Anwalt Nagel. Dennoch erwarte die Verteidigung nicht, dass sich das Gericht am Freitag schon inhaltlich mit den Anklagevorwürfen auseinandersetzen werde. Die Verteidigung werde "die Ladung von Charlotte verlangen, um sie vor Gericht befragen zu können", kündigte Nagel an.

Nach Angaben von Rechtsanwalt Nagel wird es vom Verlauf des Prozesstages abhängen, ab die Verteidigung ein vorbereitetes Gutachten zur Glaubwürdigkeit des Mädchens vorlegt. Wahrscheinlich werde man das Gutachten noch nicht vorlegen. Der 17-jährige Schüler wurde nach dem siebten Verhandlungstag in ein moderneres Gefängnis in verlegt. Gut geht es ihm aber nicht. "Marco ist psychisch an der Grenze dessen, was ein junger Mann aushalten kann", sagte Rechtsanwalt Nagel.

AP/DPA / AP / DPA