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Prozess in Dresden: Ägyptischer Botschafter drängt zu zügigem Verfahren

Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen hat in Dresden der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der Ägypterin Marwa El-Sherbini begonnen. Vor dem Landgericht warf Oberstaatsanwalt Frank Heinrich dem Angeklagten am Montag vor, die 31-Jährige aus schierem Ausländerhass getötet zu haben.

Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen hat in Dresden der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der Ägypterin Marwa El-Sherbini begonnen. Vor dem Landgericht warf Oberstaatsanwalt Frank Heinrich dem Angeklagten am Montag vor, die 31-Jährige aus schierem Ausländerhass getötet zu haben. Alex W. habe auf sein Opfer und deren Mann eingestochen, weil er sie "aus bloßem Hass auf Nichteuropäer und Moslems vernichten wollte."

Die Staatsanwaltschaft legt Alex W. Mord an Marwa El-Sherbini sowie Mordversuch und gefährliche Körperverletzung an ihrem Ehemann zur Last. Der 28-Jährige hatte sein Opfer am 1. Juli während einer Verhandlung im Dresdner Landgericht, wo er sich wegen früherer Beschimpfungen der Ägypterin verantworten musste, mit einem Messer angegriffen. Die schwangere Mutter eines dreijährigen Jungen starb wenig später. Ihr Mann überlebte schwer verletzt. Der Fall hatte in Deutschland, aber auch in vielen islamischen Ländern für Entsetzen gesorgt.

Marwa El-Sherbini und ihr Mann Elwy Okaz hätten den Angriff nicht erwartet und seien diesem "hilflos" ausgesetzt gewesen, sagte Heinrich bei der Anklageverlesung. Alex W. habe mit dem Messer kurz hintereinander und "teilweise mit großer Wucht" abwechselnd auf beide eingestochen. Die Anklage sieht die Mordmerkmale der Heimtücke und der niedrigen Beweggründe erfüllt. Alex W., der zunächst vermummt und mit einer Sonnenbrille im Gerichtssaal erschienen war, folgte der Verhandlung weitgehend teilnahmslos.

Der Ehemann des Opfers, der als Nebenkläger am Prozess teilnimmt, schilderte in seiner Zeugenaussage, wie Alex W. auf seine Frau und ihn losgegangen war. Zu dem Verfahren war es damals gekommen, nachdem Alex W. das spätere Opfer auf einem Kinderspielplatz in Dresden unter anderem als "Terroristin" und "Islamistin" beschimpft hatte. Nachdem seine Frau ihre Aussage gemacht habe, sei sie von Alex W. plötzlich angegriffen worden, sagte Okaz. Als er eingreifen wollte, sei er ebenfalls attackiert worden. Da habe seine Frau bereits am Boden gelegen. All dies habe sich binnen "weniger Minuten" abgespielt, sagte Okaz.

Zum Auftakt des Prozesses wies die Vorsitzende Richterin Birgit Wiegand angesichts der großen Medienpräsenz darauf hin, dass es sich trotz der politischen Auswirkungen um "kein politisches Verfahren" handele. Es gehe darum, den Tod von Marwa El-Sherbini aufzuklären, sagte sie. Befangenheitsanträge der Verteidiger von Alex W. gegen das Gericht wies Wiegand als unbegründet zurück. Die Anwälte hatten ihre Anträge damit begründet, dass wegen der "persönlichen Betroffenheit" Zweifel an der Unparteilichkeit des Gerichts bestünden, weil die Tat im Landgericht geschehen sei.

Unter den Prozessbeobachtern waren auch etliche ägyptische Journalisten sowie der ägyptische Botschafter in Deutschland, Ramzy Ezzeldin Ramzy. Ramzy sagte am Rande der Verhandlung, es handle sich um ein "abscheuliches Verbrechen". In Ägypten werde erwartet, dass es zu einem zügigen Urteil komme.

Der Angeklagte machte am ersten Prozesstag keine Angaben zur Tat oder zu seiner Person. Da Alex W. trotz mehrfacher Aufforderung der Vorsitzenden Richterin in der Verhandlung seine Sonnenbrille nicht absetzte, wurde gegen den 28-Jährigen ein Ordnungsgeld von 50 Euro verhängt. Das Landgericht wurde während der Verhandlung von etwa 200 Polizeibeamten abgesichert. Für den Prozess sind weitere zehn Verhandlungstage bis zum 11. November geplant.

AFP / AFP