VG-Wort Pixel

Prozess in Göttingen "Big Brother"-Kandidat soll Lottomillionär erpresst haben


Ein früherer "Big Brother"-Teilnehmer steht wieder im Rampenlicht, dieses Mal aber unter negativen Vorzeichen: Der Kickboxer muss sich wegen Erpressung eines Lottogewinners vor Gericht verantworten.

Blaues Hemd, graues Sakko, Kurzhaarschnitt - der Angeklagte Wissam N. betritt den Verhandlungssaal, wünscht "Guten Morgen" und schaut in die Objektive. Blitzlichtgewitter der 29-Jährige gewöhnt - er nahm an der der RTL-2-Show "Big Brother" teil. Nun droht dem Kickboxer eine langjährige Haftstrafe wegen schwerer räuberischer Erpressung. Er soll einen Lottomillionär aus Niedersachsen im vergangenen Jahr um mehrere Hunderttausend Euro erpresst haben. Im Dezember 2011 war er von einem Sondereinsatzkommando der Polizei festgenommen worden. Er weist die Vorwürfe zurück.

"Aus Angst um sein Leben" habe der Lottomillionär gezahlt, sagte der Staatsanwalt vor dem Landgericht Göttingen. Der Kickboxer und ein ebenfalls 29 Jahre alter Mitangeklagter hätten dem Mann mit Gewalt gedroht. In der Anklage ist von neun erpressten Teilbeträgen in Gesamthöhe von mehr als 400.000 Euro die Rede. Das Geld habe der Lottogewinner dem Kickboxer zum Teil bar übergeben und zum Teil auf dessen Konto überwiesen.

Zudem soll der frühere "Big-Brother"-Star sein Opfer gezwungen haben, einen Beleg zu unterzeichnen, wonach 250.000 Euro zurück gezahlt worden seien. Um den Prozess zu vereinfachen, verhandelt das Landgericht seit Dienstag vorläufig nur über einen von ursprünglich neun Anklagepunkten. Dabei geht es um einen Erpressungsbetrag in Höhe von 40.000 Euro.

Zufällige Begegnung in der Spielhalle

Der Angeklagte erklärte immer wieder, der Lottogewinner habe ihm das Geld freiwillig überlassen, um ihm beim Aufbau eines Camps für straffällige Jugendliche zu unterstützen. Der Millionär, den er in einer Spielhalle zufällig kennengelernt habe, sei begeistert gewesen von dem Vorhaben.

Das angebliche Projekt des Kickboxers hatte 2011 Schlagzeilen gemacht, als das Gebäude nach einer Brandstiftung erheblich zerstört wurde. Ein Täter wurde bislang nicht gefasst. Die Versicherung weigert sich, für den Schaden zu zahlen. Deshalb sei er in finanziellen Schwierigkeiten, sagte der Angeklagte.

Der Lottogewinner habe 285.000 Euro für das auf Eis liegende Vorhaben überwiesen, sagte der Angeklagte. Weil er vor Abschluss des Streits mit der Versicherung aber nicht habe weiterbauen können, habe er dem Millionär 250.000 Euro bar zurückgezahlt, sagte der Kickboxer. Wo die restlichen 35.000 Euro geblieben sind, konnte er nicht erklären. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die erpressten 400.000 Euro ins Ausland geschafft wurden.

Auch der 29-jährige Mitangeklagte wies alle Vorwürfe zurück. Stattdessen erhob er schwere Anschuldigungen gegen die Polizei. Die Beamten hätten ihm sein falsches Geständnis im Ermittlungsverfahren wörtlich in den Mund gelegt. Der Staatsanwalt sprach von "ungeheuerlichen Vorwürfen". Der Prozess soll am Mittwoch voraussichtlich mit der Zeugenvernehmung des Lottomillionärs fortgesetzt werden.

Matthias Brunnert, DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker