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Prozess in Hamburg: Diebe geben sich als Polizisten aus - so funktioniert ihre Masche

Wer als Polizist zu älteren Menschen geht, genießt oft einen Vertrauensvorschuss. Das nutzen Betrüger aus, um Senioren zu bestehlen. In Hamburg stehen nun zwei Männer vor Gericht, die sich mehrfach als falsche Polizeibeamte ausgegeben haben sollen.

Ein Hamburger Polizeiwappen: Betrüger haben sich in der Hansestadt als Beamte ausgegeben und Senioren bestohlen

Ein Hamburger Polizeiwappen: Betrüger haben sich in der Hansestadt als Beamte ausgegeben und Senioren bestohlen

Nach ihrem gewohnten Spaziergang am frühen Nachmittag setzt sich eine Seniorin in ihrem Hausflur in Hamburg auf ihren Rollator, um einen Moment zu verschnaufen. Schon klopft es an der Glastür. Zwei junge, dunkel gekleidete Männer zeigen Polizeiausweise und sagen der 79-Jährigen: "Bei Ihnen ist eingebrochen worden." Dann erklärten sie der verängstigten Frau, die Einbrecher könnten noch in ihrer Wohnung sein, möglicherweise seien sie über den Balkon gekommen. Die alte Dame lässt die Männer in die Wohnung, um nachzuschauen. Als die vermeintlichen Beamten kurze Zeit später wieder gehen, fehlen mehrere hundert Euro, die die Rentnerin im Kleiderschrank aufbewahrt hat.

Zwei Männer, die sich seit Mittwoch beim Hamburger Amtsgericht verantworten müssen, sollen zu einer Bande gehören, die auf diese Weise elf Mal Senioren heimsuchte. Drei Mal hatten sie dabei nach Angaben der Staatsanwaltschaft Erfolg und erbeuteten Bargeld, EC-Karten mit PIN-Nummer und Schmuck. Die Anklage lautet auf schweren Bandendiebstahl, Urkundenfälschung und Amtsanmaßung. Die beiden Männer schweigen zu den Vorwürfen. Der Jüngere ist 19, könnte vom Aussehen her aber auch zehn Jahre älter sein. Die schwarzen Haare sind sorgfältig frisiert und nach hinten zurückgegelt.

Sein Mitangeklagter ist 58 Jahre alt, hat volles dunkelblondes Haar und einen Oberlippenbart. Er trägt ein helles Sweatshirt und Jeans, man könnte ihn durchaus für einen Beamten halten. Doch die Hauptrolle sollen jeweils der Jüngere und ein Jugendlicher gespielt haben, der mit den beiden Angeklagten zusammen am 3. März dieses Jahres festgenommen wurde. Gegen ihn läuft ein gesondertes Strafverfahren.

Opfer soll ihr gesamtes Geld von Konto abheben

Der 79-Jährigen ist es peinlich, dass sie auf den Trick hereingefallen ist. Sie zittert auf dem Zeugenstuhl und muss immer wieder einen Schluck Wasser trinken. "Die haben mich so überrumpelt, in Sekunden", sagt sie dem Richter. Die jungen Männer hätten schwarze Kleidung getragen, die habe sie wohl für Uniformen gehalten. "Die waren so gepflegt, Hände, Kleidung, alles!" Zudem hätten sie einen sehr hilfsbereiten Eindruck gemacht. In der Wohnung hätten sich die vermeintlichen Beamten Einweghandschuhe angezogen. Als sie nervös wurde, habe einer von ihnen sich den Handschuh wieder ausgezogen und gesagt: "Geben Sie mir die Hand! Sie müssen Vertrauen haben!"

Dann sollte die Frau nachsehen, ob ihre Wertsachen noch da seien. Sie zeigte den Männern zwei Umschläge, in denen sie ihr Geld aufbewahrte, und Sparbücher in einem Schuhkarton. Nun rieten ihr die falschen Polizisten, gleich zur Sparkasse zu gehen und ihr gesamtes Guthaben von 10.500 Euro abzuheben. Zur Begründung erklärten sie, die Kassiererin der Sparkasse gebe Falschgeld aus, der Sparkassenleiter stecke mit der Kassiererin unter einer Decke. Die Rentnerin müsse ihr Guthaben schnell sichern. Wenn die Kassiererin fragen sollte, warum sie ihr gesamtes Geld abhebe, solle sie vom geplanten Kauf eines Fernsehers und Möbeln erzählen.

Nachbarin alarmiert die echte Polizei

Die Sparkassenmitarbeiterin wird tatsächlich misstrauisch und gibt der alten Dame nur einen Teil des Geldes. Auf dem Heimweg kommen der 79-Jährigen selbst Zweifel. Sie wendet sich an ihre Nachbarin, die die Polizei alarmiert. Vor den echten Beamten klingelt aber noch ein Mann an der Tür, Anfang bis Mitte 50, der angeblich ebenfalls Polizist ist. Die Nachbarin sagt ihm, dass die Polizei schon unterwegs sei. "Da war der weg", berichtet die Zeugin weiter.

Zu dem Zeitpunkt observiert die Polizei schon ihre falschen Kollegen. Wenig später werden drei Verdächtige in einem Wagen an der A1 bei Sittensen (Niedersachsen) gestoppt und festgenommen. Bei der Durchsuchung des Autos finden die Beamten eine Sporttasche mit Bekleidung, Einweghandschuhe und einen Polizei-Dienstausweis mit Fantasieangaben, wie die Fahnder in einem Protokoll festhalten, das der Richter verliest. 

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ivi/Bernhard Sprengel / DPA