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Prozess in Kaiserslautern: Mit Rotkohl zu Tode gefüttert

Der 17 Monate alte Justin hatte Blutungen im Auge und einen Hirnschaden - Verletzungen, die auf "Folter" hindeuten. Im Januar starb er, weil er von seiner Mutter mit Rotkohl zu Tode gefüttert worden sein soll. Nun muss sie sich vor Gericht verantworten.

Hat eine junge Mutter aus Kaiserlautern ihren 17 Monate alten Sohn mit Rotkohl zu Tode gefüttert? Die 24-jährige und ihr 23-jähriger Lebensgefährte stehen jetzt wegen schwerster Kindesmisshandlung sowie Körperverletzung mit Todesfolge vor Gericht. Laut Staatsanwaltschaft stopfte die Frau dem Kind an Weihnachten 2005 derart viel Rotkohl in den Mund, dass es keine Luft mehr bekam und zehn Tage später an den Folgen starb. Der Lebensgefährte soll der letzten Misshandlung tatenlos zugesehen, das Kind früher auch gequält haben.

Der Junge durchlitt nach den Ärzten zufolge schon vor der letzten Misshandlung ein langes Martyrium. Als er in das Kaiserslauterer Westpfalz-Klinikum eingeliefert wurde, sei er bereits leblos gewesen, sagte die Staatsanwältin Anne Herrmann.

Auch die Intensivärzte konnte Justin nicht mehr helfen

Obwohl Justin sofort auf die Intensivstation gebracht wurde, hätten die Ärzte das Leben des Kindes nicht retten können. Justin starb schließlich am 4. Januar 2006 an einer durch Sauerstoffmangel ausgelösten schweren Hirnverletzung. Die Staatsanwaltschaft legt Wert auf die Feststellung, dass es sich nicht um einen Unfall gehandelt habe. Den Angeklagten sei klar gewesen, dass das Kind durch das Vollstopfen mit Rotkohl sterben könnte.

Schon in einem Zeitraum zwischen einer Woche und zehn Tagen vor Weihnachten sei es in der Wohnung des Paares in Kaiserslautern zu schweren Übergriffen der beiden Erwachsenen auf Justin gekommen, sagte Herrmann. So sei das Kind zunächst schwer verprügelt und einige Tage darauf in eine heiße Flüssigkeit oder auf einen heißen Gegenstand gesetzt worden: "Die Angeklagten verfolgten das Ziel, das Kind zu quälen."

Schwere Verbrennungen an den Pobacken

Bei der Einlieferung in die Klinik seien zahlreiche Blutergüsse am Kopf und an den Beinen des kleinen Jungen festgestellt worden, berichtet die Staatsanwältin weiter. Zudem fanden die Ärzte schwere Verbrennungen an beiden Pobacken vor. Nach Angaben der Ermittler ist der Lebensgefährte der Mutter wegen Körperverletzung zwei Mal vorbestraft.

Wie Rechtsmediziner der Uni Mainz feststellten, befanden sich am Kopf des Jungen Spuren schwerer Gewalteinwirkungen sowie Einblutungen in den Netzhäuten. Das Kind litt an einem Hirnschaden. Am Körper habe der kleine Junge Schwellungen, Schürfwunden, Kratzer, Blutergüsse, Hautablösungen, Griff- und Bissspuren, Brand- und Brühverletzungen aufgewiesen. Der Chef der Kaiserslauterer Kinderklinik, Gerhard Rupprath, hatte nach Justins Tod berichtet, das Kleinkind habe eine "fortgesetzte Folterung" durchlitten.

Die beiden Angeklagten ließen über ihre Anwälte erklären, sie wollten sich zu den Tatvorwürfen vorerst nicht äußern. Der Verteidiger der Mutter, Matthias Brombach, begründete dies mit einer "starken Vorverurteilung in der Presse". Außerdem wolle man die ersten Zeugenaussagen abwarten. Ein Eingeständnis ihrer Schuld sei das Schweigen aber nicht: "Meine Mandantin hat die Vorwürfe stets bestritten; geglaubt worden ist ihr nicht", so Brombach. Es sei nun Aufgabe der Hauptverhandlung herauszufinden, was wirklich geschehen sei.

Bis zu 15 Jahre Haft

Im Fall einer Verurteilung müssten die beiden Beschuldigten mit Freiheitsstrafen von bis zu 15 Jahren rechnen, insgesamt hat das Gericht bis Ende August acht Verhandlungstage angesetzt.

Während der Ermittlungen hatten die Mutter und ihr Lebensgefährte die Verletzungen des Kindes mit ständigem Hinfallen wegen einer Schiefstellung seiner Füße sowie mit Raufereien zwischen Justin und seinem drei Jahre alten Bruder zu erklären versucht. Die ausgedehnte Verbrennung oder Verbrühung am Gesäß des Kindes soll dadurch entstanden sein, dass der ältere Bruder beim gemeinsamen Bad zu heißes Wasser in die Wanne eingelassen habe.

AP / AP