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Prozess in Magdeburg: 22-Jähriger lässt Kumpel im Auto Hitzetod sterben

Ein Mann stürzt an einem heißen Sommertag vom Baum. Sein Freund legt ihn ins Auto - und kümmert sich nicht weiter. Einen Tag später ist der Verletzte tot. Nun steht der Kumpel vor Gericht.

Der Hitzetod eines Mannes in einem Auto beschäftigt seit Dienstag das Landgericht Magdeburg. Angeklagt ist ein 22 Jahre alter Freund des Opfers. Er soll seinen bewusstlosen Kumpel an einem heißen Sommertag im Juni 2011 nach einem schweren Sturz von einem Baum auf den Rücksitz eines Autos gelegt und sich nicht um ihn gekümmert haben. Bis zum nächsten Tag soll der Schwerverletzte in dem aufgeheizten Auto gelegen haben. Er starb an einem Hitzschlag.

Im März hatte sich das Amtsgericht Halberstadt mit dem Fall befasst und den 22-Jährigen wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe verurteilt. Eine Berufungskammer ordnete eine Neuverhandlung vor dem Magdeburger Landgericht an. Die Anklage lautet auf fahrlässige Tötung. Der Prozess soll klären, ob dem Angeklagten auch Aussetzung mit Todesfolge oder sogar Totschlag durch Unterlassen nachgewiesen werden kann. Dann droht ihm Gefängnis.

Angeklagter überließ den Verletzen seinem Schicksal

Laut Anklage kletterte der Gestorbene in der Nacht des 5. Juni bei Klein Quenstedt auf eine Weide, um jugendliche Camper zu erschrecken. Aus etwa 6,50 Meter Höhe sei er vom Baum gestürzt, habe sich schwer verletzt und das Bewusstsein verloren. Mit dabei: der Angeklagte. Beide hätten zuvor mit einem anderen Freund eine Poolparty gefeiert. Sie hatten auch Alkohol getrunken, hieß es.

Nach dem Sturz habe der 22-Jährige den Schwerverletzten zu dessen Auto gebracht und ihn hineingelegt. Dass sich sein Freund nicht mehr gerührt habe, soll ihn nicht weiter besorgt haben. "Ich dachte, das kommt vom Trinken. Ich habe die Situation falsch eingeschätzt", sagte er. Er fuhr das Auto nach eigenen Angaben zurück ins Dorf und stellte es ab. Danach, davon ist Staatsanwalt Michael Bierwagen überzeugt, überließ er seinen Freund auf dem Rücksitz dem Schicksal. Dessen älterer Bruder fand den Toten am Abend des 5. Juni.

Danach habe sich der Angeklagte laut Gericht in Widersprüche verstrickt. Über seine Verteidigerin ließ er mitteilen, dass er sich nicht mehr äußern wird. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

mlr/DPA / DPA
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