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Prozess in Oldenburg: Krankenpfleger gesteht Tötung von rund 30 Patienten

Nur die Spitze des Eisbergs? Der frühere Krankenpfleger Niels H. hat gegenüber einem Gutachter rund 30 Tötungsdelikte eingeräumt. Vorgeworfen werden ihm "lediglich" drei Morde und zwei Mordversuche.

Der wegen mehrfachen Mordes und Mordversuchs an Patienten angeklagte Niels H. während des Prozesses in Oldenburg

Der wegen mehrfachen Mordes und Mordversuchs an Patienten angeklagte Niels H. während des Prozesses in Oldenburg

Der wegen einer Serie von Patientenmorden angeklagte ehemalige Krankenpfleger Niels H. aus Niedersachsen hat nach Angaben eines psychiatrischen Gutachters rund 30 Tötungsdelikte eingeräumt. Diese Zahl habe ihm der Mann bei einer Untersuchung genannt, sagte der Sachverständige am Donnerstag im Landgericht Oldenburg. Er habe schwer kranken Menschen im Klinikum Delmenhorst in den Jahren 2003 bis 2005 ein überdosiertes Herzmedikament gespritzt. In weiteren 60 Fällen hätten Patienten überlebt. Weitere Taten in anderen Kliniken oder als Rettungssanitäter hat der 38-Jährige nach eigenen Worten nicht verübt.

Der 38-Jährige muss sich seit September vor dem Landgericht Oldenburg verantworten. Ihm wird dreifacher Mord und zweifacher Mordversuch vorgeworfen. Wegen einer ähnlichen Tat war der Mann bereits 2008 zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Einen Verdacht auf weitere Fälle hatten die Ermittler schon damals, er ließ sich nach Polizeiangaben aber nicht erhärten.

Draufhin wurde ein Sachverständiger hinzugezogen, der alle Todesfälle im Klinikum Delmenhorst in der Zeit von März 2003 bis Juni 2005 untersuchen sollte, in denen der Krankenpfleger zum Zeitpunkt des Todes eines Patienten oder unmittelbar davor Dienst hatte.

Sterberate stieg auf bis zu zehn Prozent

Die Ermittlungen waren durch verschiedene Zeugenaussagen während des Prozesses gegen den 38-Jährigen erforderlich geworden. Bereits zum Auftakt hatte ein ehemaliger Oberarzt am Klinikum ausgesagt, dass sich der Verbrauch des Medikaments mit dem Wirkstoff Ajmalin während der Beschäftigungszeit des Angeklagten nahezu verdreifacht hatte. Auch stieg die Sterberate in der Zeit auf bis zu zehn Prozent. Davor und danach lag sie nach Angaben des Zeugen bei rund der Hälfte.

mod/DPA / DPA