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Prozess in Pretoria: Steenkamp hatte Angst vor Pistorius

Schüsse, Schreie, Schüsse: Die Aussage einer Nachbarin untermauert den Mordvorwurf gegenüber Oscar Pistorius. Zudem deckt ein Handyexperte auf: Reeva Steenkamp hatte Angst vor ihrem Freund.

Oscar Pistorius rollen die Tränen über die Wange. Er wird angeklagt seine Freundin Reeva Steenkamp vorsätzlich erschossen zu haben

Oscar Pistorius rollen die Tränen über die Wange. Er wird angeklagt seine Freundin Reeva Steenkamp vorsätzlich erschossen zu haben

Im Mordprozess gegen den südafrikanischen Sprintstar Oscar Pistorius hat die Anklage den Vorwurf der vorsätzlichen Tötung kurz vor Abschluss ihrer Beweisaufnahme noch einmal erhärtet. Eine Nachbarin, Anette Stipp, sagte am Montag aus, sie habe in der Tatnacht erst Schüsse und dann Schreie einer Frau gehört, anschließend seien weitere Schüsse gefallen.

"Ich hörte drei, die sich für mich wie Gewehrschüsse anhörten", sagte Stipp. "Nur Augenblicke nach den Schüssen hörte ich eine Frau schreien. Panisches, panisches Schreien." Mit ihrer Aussage stützte Stipp die Version früherer Zeugen, die erst Schreie, dann einen Schuss gefolgt von Angstschreien einer Frau und drei weiteren Schüssen gehört hatten; zugleich erschütterte sie die Darstellung von Pistorius, wonach er seine Freundin Reeva Steenkamp in der Nacht zum Valentinstag vergangenen Jahres für einen Einbrecher gehalten und daraufhin geschossen habe.

Wer schrie wann?

Die Verteidigung hatte argumentiert, die Schüsse seien so schnell abgefeuert worden, dass die 29-jährige Steenkamp keine Zeit mehr gehabt habe, zu schreien und ihren Freund darauf aufmerksam zu machen, dass sie im Badezimmer war. Außerdem machten Pistorius' Anwälte geltend, dass der Angeklagte selbst "wie eine Frau" schreie, wenn er in Panik gerate.

Stipp beharrte bei ihrer Aussage vor Gericht jedoch darauf, dass nach der ersten Salve "ganz klar eine Frau" und "erst vor der zweiten Salve ein Mann" geschrien habe. Im Haus von Pistorius seien danach die Lichter angegangen, das Badezimmerfenster sei offen gewesen.

Ein Handyexperte deckte zudem auf, dass Steenkamp Angst vor ihrem Freund hatte. "Ich habe manchmal Angst vor Dir und davor, wie Du mir gegenüber reagierst", schrieb das Model demnach wenige Monate vor ihrem Tod in einer SMS. Pistorius hatte stets betont, die Beziehung zu der 29-Jährigen sei glücklich gewesen.

Hausverkauf soll Anwaltskosten decken

Die Staatsanwaltschaft will in den kommenden Tagen nach Angaben des Senders eNCA weitere vier Zeugen befragen. Dann ist die Verteidigung an der Reihe, Zeugen aufzurufen. Einer der ersten könnte der beinamputierte Sportler selbst sein, falls er nicht von seinem Recht Gebrauch macht, nicht auszusagen.

Der Prozess dauert bereits länger als geplant und wird nun noch einmal um sieben Wochen bis zum 16. Mai verlängert. Wie das Gericht in Pretoria bekanntgab, wird das Verfahren vom 24. März bis zum 4. April fortgesetzt und dann wegen Schließung des Gerichts für zehn Tage unterbrochen. Vom 14. April bis zum 16. Mai würden die Verhandlungen dann wieder aufgenommen. Ursprünglich sollte der Prozess nach drei Wochen am 20. März zu Ende sein. Aufgrund des langen Prozesses steigen für Pistorius die Anwaltskosten. Um diese zu decken, will er sein Haus verkaufen. Der 27-jährige Pistorius muss sich seit Anfang März vor Gericht verantworten. Der unterhalb der Knie amputierte Sprintstar hatte seine Freundin Reeva Steenkamp in der Nacht zum Valentinstag vergangenen Jahres durch die geschlossene Toilettentür seines Hauses erschossen.

stb/DPA / DPA