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Prozess in Ulm: Eine Million Euro für geliebte Hure

Die Liebe zu einer Prostituierten hat für einen Beamten schlimme Konsequenzen. Der Wohngeldsachbearbeiter aus Ulm hatte der Frau knapp 600.000 Euro aus der Staatskasse und Hunderttausende aus der eigenen Tasche überwiesen. Der Betrug flog auf. Nun wurde der 47-Jährige verurteilt.

Von Malte Arnsperger, Ulm

Das bittere Ende einer tragischen Liebesgeschichte: Weil er einer Prostituierten illegal knapp 600.000 Euro aus der Staatskasse zukommen ließ, ist ein Beamter der Stadt Ulm am Montag zu einer vierjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Der Wohngeldsachbearbeiter Klaus Müller (Namen geändert) hatte zwischen März 2003 und Dezember 2004 Wohngeldbescheide gefälscht und der Hure Lisa (Namen geändert) das Geld in insgesamt knapp 300 Einzelbeträgen überweisen lassen. Der 47-Jährige hatte vor Gericht ein umfassendes Geständnis abgelegt. "Ich hatte mich in sie verliebt und wollte sie aus dem Milieu herausholen", sagte Müller.

Treffen wurden immer seltener

Müller hatte die Prostituierte 1998 kennen gelernt. Um seine Besuche und seine Beziehung mit ihr zu bezahlen, hatte er sein Haus verkauft und einen Kredit aufgenommen. Auch gab er der heute 31-Jährigen Geld, damit sie Schulden abbezahlen konnte. Da sein Privatvermögen im Jahr 2003 aufgebraucht war, begann Müller damit, Wohngeldempfänger zu erfinden. Seine große Liebe Lisa trug er als Empfängerin des Geldes ein. Klaus Müller sagte aus, dass er sehr schüchtern und gehemmt sei und nie eine Freundin gehabt habe. Sein Ziel sei gewesen, mit der Hure eine richtige Beziehung einzugehen. "Ich habe mich bei ihr wohl gefühlt."

Obwohl die Treffen mit Lisa immer seltener wurden und sie in der Zwischenzeit ein Bordell im rund 100 Kilometer entfernten Kempten eröffnet hatte, steigerte sich Müller immer mehr in die einseitige Beziehung zu der Prostituierten. "Ich war gefangen. Ich konnte emotional nicht mehr aus der Geschichte aussteigen," sagte Müller. Im Dezember 2004 stoppte Müller den Betrug mit dem Wohngeld, da nach der Hartz-IV-Reform größere Überweisungen aufgefallen wären.

In der Folgezeit überwies der Beamte der Prostituierten einen Großteil seines Gehaltes, arbeitete nebenher als Zeitungsausträger und gar als Putzhilfe, um Geld für sie aufzubringen. Lisa wohnte in dieser Zeit in Deutschland, Kontakt zu Klaus Müller fand nur noch sporadisch statt.

Im April 2008 flog der Wohngeldbetrug auf, da ein ehemaliger Liebhaber der Prostituierten eine Anzeige erstattete. Insgesamt hatte die Frau in den zehn Jahren fast eine Million Euro aus dem Privatvermögen Müllers und dem Wohngeld bekommen.

Verminderte Schuldfähigkeit

Ein psychiatrischer Gutachter attestierte Klaus Müller vor Gericht verminderte Schuldfähigkeit. "Er ist massiv beziehungs- und kontaktgestört. Er hat nur noch für diese Beziehung gelebt", sagte der Psychiater.

Das Gericht folgte in seinem Urteil fast vollständig dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Vorsitzende Richter Reiner Gros wertete das Geständnis und die Persönlichkeitsstörung des Angeklagten als strafmildernd. "Sie haben aber ihre dienstliche Stellung missbraucht. Das hätten sie nicht tun dürfen", sagte Gros.

Müllers Anwalt Jürgen Filius bezeichnete das Urteil als hart, aber akzeptabel. Über einen Revisionsantrag werde er in den kommenden Tagen mit seinem Mandanten sprechen. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, verliert Müller seine Beamtenstellung sowie seine Pensionsansprüche. Der 47-Jährige hat ein Schuldeingeständnis unterschrieben, ist also verpflichtet, die knapp 600.000 Euro Schaden zu begleichen.

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