Prozess Lidl-Erpresser gesteht Vergiftung


Der Lidl-Erpresser hat gestanden, den Discounter bedroht zu haben. Als Druckmittel soll er verseuchte Mundwasser-Flaschen in die Regale gestellt haben. Ein Mithäftling habe ihn auf die Idee gebracht, Lidl zu erpressen, sagte der Drogenabhängige.

Der wegen Erpressung der Supermarktkette Lidl angeklagte 40-jährige Hamburger hat ein Geständnis abgelegt. Am zweiten Verhandlungstag vor dem Landgericht Heilbronn sagte der Angeklagte, der nach eigenen Angaben drogensüchtig ist: "Lidl war die einzige Aussicht auf Geld."

Die Idee für das Verbrechen habe er von einem Mitgefangenen bekommen, der wegen einer Lidl-Erpressung im Jahr 2003 zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden war. Der Erpresser hatte Anfang 2006 von der Supermarktkette 1,2 Millionen Euro gefordert. Der Prozess wurde nach etwa einer Stunde Verhandlung vertagt, weil ein Richter ein Schwächeanfall erlitten hatte. Das am 1. Februar eröffnete Verfahren wird am 5. März fortgesetzt. Dann soll auch das Urteil verkündet werden.

Als Motiv für seine Tat nannte der 40-Jährige aus Hamburg Geldsorgen. Ende 2005 habe er kein Geld für Weihnachtsgeschenke gehabt und sich dann an die Gespräche mit dem Mitgefangenen erinnert. Dann habe er den ersten Erpresserbrief geschrieben. Laut Anklage hatte der gelernte Kaufmann in einem ersten Schreiben im Januar 2006 angekündigt, in Filialen der Firma in Hamburg vergiftete Produkte einer bestimmten Marke einzustellen. Daraufhin seien tatsächlich zwei Mundwasserflaschen gefunden worden, die mit 23-prozentiger Salzsäure vergiftet gewesen seien. Der Konzern hatte die Verbraucher gewarnt und die Produkte der Marke Odol aus den Regalen geräumt.

Keine manipulierten Lebensmittel gefunden

Im zweiten Schreiben soll er laut Anklage mitgeteilt haben, in fünf Filialen in Berlin Marmelade und in vier Filialen Babynahrung vergiftet zu haben. Tatsächlich wurden jedoch keine manipulierten Lebensmittel aufgefunden. In einem dritten Schreiben forderte der Erpresser, dass die Abhebemöglichkeiten für das inzwischen von Lidl eingerichtete Konto erweitert würden, weil er sonst 24 Weinflaschen mit einem hochwirksamen Nervengift versetzen und europaweit platzieren würde.

Insgesamt habe der Angeklagte 20.375,61 Euro erpresst. Der 40-Jährige wurde Ende Juni 2006 in Dänemark festgenommen. Lidl hatte ein Bankkonto eingerichtet, von dem der Erpresser in Frankreich, in den Niederlanden und in Dänemark mittels Kreditkarte Geld abgehoben hatte, wie ein Gerichtssprecher berichtete. Die Polizei in Heilbronn war für den Fall zuständig, weil das Unternehmen in Neckarsulm seinen Hauptsitz hat. Bereits im November 2005 war ein Mann wegen Erpressung der Supermarktkette vom Landgericht Heilbronn zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Er hatte versucht, mittels manipulierter Lebensmittel 1,2 Millionen Euro zu erpressen.

AP AP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker