Prozess Mord für einen MP3-Player


Aus dem Gerangel um einen MP3-Player wurde schnell Ernst: Ein 15-jähriger Schüler schlug die 13-jährige Jennifer zunächst blutig und erwürgte sie dann aus Angst, entdeckt zu werden. Beim Prozessauftakt berichtete der Angeklagte von seiner Tat.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit hat am Chemnitzer Landgericht der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der 13-jährigen Jennifer begonnen. Wie ein Gerichtssprecher sagte, gab der selbst erst 15 Jahre alte Angeklagte zum Prozessauftakt zu, das Mädchen im Mai im erzgebirgischen Annaberg-Buchholz in einem Abrisshaus blutig geschlagen und anschließend erwürgt zu haben. Damit habe er die zuvor begangene Körperverletzung verdecken wollen. Weitere Einzelheiten zur Aussage des Jungen nannte der Sprecher nicht.

Auslöser der Tat soll die Auseinandersetzung um ein MP-3-Abspielgerät gewesen sein. Wegen der Banalität des Streitgegenstandes und dem daraus resultierenden Tod des Mädchens hatte das Verbrechen ganz Deutschland schockiert.

Leiche wurde auf Industriebrache entdeckt

Die aus dem sächsischen Wiesenbad stammende 13-Jährige hatte im Mai ihre Großeltern in Annaberg-Buchholz besucht. Am Samstag, den 20. Mai, verließ sie die Wohnung der Großeltern und kehrte nicht zurück. Nachfragen bei Bekannten erbrachten keine Hinweise auf ihren Aufenthaltsort, auch ein Fährtenhund kam erfolglos zum Einsatz. Drei Tage später wurde dann die Leiche des Kindes auf einer Industriebrache entdeckt. Am gleichen Dienstag nahm die Polizei den mutmaßlichen Täter fest.

Nach dem tödlichen Streit hatte er das Kind auf dem Dachboden des Hauses unter Bauschutt und Abbruchmüll versteckt und war dann zu Bekannten gegangen, die auch Jennifer kannten. Seine blutverschmierte Kleidung erklärte der 14-Jährige nach bislang bekannt gewordenen Details seiner Vernehmung bei der Polizei den Freunden damit, dass er in eine Schlägerei verwickelt worden sei. Die Polizei bekam aus dieser Freundesgruppe auch den Hinweis auf den Tatverdächtigen. Die blutverschmierte Hose und ein T-Shirt wurden sichergestellt.

Realschüler droht Höchststrafe

Für den Prozess sind dem Gerichtssprecher zufolge zunächst insgesamt fünf Verhandlungstage angesetzt. Während der Beweisaufnahme vor Gericht wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft unter anderem auch zu klären sein, ob der mutmaßliche Mörder zum Zeitpunkt der Tat uneingeschränkt schuldfähig war. Dem Realschüler droht im Falle einer Verurteilung wegen Mordes nach dem Jugendstrafrecht eine Höchststrafe von zehn Jahren.

AP AP

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