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Prozess: Sex für gute Noten, Geld für Doktortitel

In Hildesheim steht ein Professor wegen Bestechlichkeit in 78 Fällen vor Gericht. Ihm wird vorgeworfen, gegen sexuelle Dienste bessere Noten vergeben zu haben und gegen Honorar promotionswilligen Juristen Doktortitel zugeschanzt zu haben - ein lukratives Geschäft.

Wegen eines schwunghaften Handels mit Doktortiteln müssen sich ein Jura-Professor sowie ein kommerzieller Vermittler vor dem Landgericht Hildesheim verantworten. Die Anklage legt dem Professor Bestechlichkeit in 78 Fällen zur Last. Der 53-Jährige soll Juristen serienweise zur Promotion verholfen haben, obwohl sie nicht die nötigen Voraussetzungen erfüllten. Dafür habe er mehr als 184.000 Euro kassiert.

Mitangeklagt ist eine Studentin, die gegen Sex bessere Noten und einen Job am Lehrstuhl erhalten haben soll. Die Verhandlung wurde nach Verlesen der Anklage vertagt, da die Verteidigung die Besetzung des Gerichts gerügt und die Zuständigkeit der Wirtschaftsstrafkammer angezweifelt hatte.

Ein ausgeklügeltes System

Der mitangeklagte 52-jährige Chef einer Wissenschafts-Beratungsgesellschaft soll promotionswillige Juristen aus ganz Deutschland - darunter auch einen Sozialrichter - an den Professor der Universität Hannover vermittelt haben. Dieser erhielt für die Annahme eines Doktoranden ein Honorar von 2050 Euro. Nach erfolgreichem Abschluss folgte eine zweite Rate in gleicher Höhe. Die Rechnungen wurden unter dem Namen der Ehefrau des Professors an das Wissenschaftsunternehmen gestellt. Sie nahmen Bezug auf eine angebliche Beratertätigkeit oder freie Mitarbeit. Die Beträge wurden laut Anklage zumeist auf das Konto des Vaters des Angeklagten überwiesen, teilweise auch auf das Konto der Studentin.

Der Chef der Beratungsgesellschaft soll von den Kandidaten für die Vermittlung bis zu 22.000 Euro erhalten haben. Diese Zahlungen sind allerdings nicht Gegenstand der Anklage. Der Handel mit den Doktortiteln soll laut Staatsanwaltschaft von Oktober 1996 bis Mai 2005 gelaufen sein.

Zwei weitere Beteiligte

Das Verfahren gegen einen weiteren Beteiligten der Beratungsgesellschaft wurde abgetrennt, da der Mann aufgrund einer Krankheit derzeit nicht verhandlungsfähig ist. Ursprünglich war noch eine weitere Studentin mitangeklagt, die sich ebenfalls auf den Professor eingelassen haben soll. Gegen Zahlung von 1.800 Euro sei das Verfahren gegen die 31-Jährige aber vorläufig eingestellt worden.

Der Jura-Professor sitzt seit September vorigen Jahres in Untersuchungshaft. Das Gericht hat insgesamt 17 Verhandlungstage anberaumt, der Prozess wird am Aschermittwoch fortgesetzt.

DPA / DPA
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