Prozess Todespillen an Selbstmordgefährdete


Auf der Internetseite "selbstmord.com" hat er tödliche Pillen an Suizidgefährdete verkauft. Sechs Menschen sollen nach der Einnahme gestorben sein. Nun hat der 23-Jährige Angeklagte sein makabres Geschäft gestanden.

Vor dem Wuppertaler Landgericht hat ein 23-Jähriger gestanden, im Internet tödliche Pillenmixturen an Selbstmordgefährdete verkauft zu haben. Laut Anklage waren sechs der Kunden nach der Einnahme der Medikamente gestorben. Er bereue seine Handlungen, betonte der Angeklagte in einer von seinem Verteidiger beim Prozessauftakt vor Gericht verlesenen Erklärung. Staatsanwältin Leane Brosch warf dem Angeklagten Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz in 19 besonders schweren Fällen vor, hinzu kommt ein leichterer Fall.

Eine Anklage wegen eines Kapitalverbrechens kam nicht in Frage. Da Selbsttötung in Deutschland nicht strafbar ist, kann auch die Beihilfe dazu nicht strafrechtlich verfolgt werden. Doch kann auch der Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz in schweren Fällen mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden.

Der als "Event-Manager" tätige Angeklagte soll sein makaberes Geschäft mit der Todessehnsucht anderer Menschen im Forum der inzwischen geschlossenen Internetseite selbstmord.com betrieben haben. Dort nahm er laut Anklage Kontakt zu Selbstmordgefährdeten auf und erschlich sich ihr Vertrauen. "Er hat sich als jemand ausgegeben, der auch Selbstmord begehen will, nachdem sich seine Freundin umgebracht hat", erklärte Oberstaatsanwalt Alfons Grevener vor Prozessbeginn.

Außerdem behauptete der Angeklagte demnach, dass er sich als Medizinstudent bestens mit Medikamenten auskenne. Die eigentlichen Verkäufe seien dann bei privaten Chats vereinbart worden. Für die gelieferten Pillen habe er mehrere tausend Euro, sowie zwei Laptops und eine Digitalkamera erhalten, sagte die Staatsanwältin.

Der Angeklagte betätigte in der von seinem Verteidiger verlesenen Erklärung den größten Teil der Anklagevorwürfe. Lediglich in einem Fall bestritt er entschieden, die Pillen geliefert zu haben. In zwei weiteren bezweifelte er dies, räumte aber ein, er sei sich nicht sicher. Auch dass er in einige Chats Lügenmärchen erzählt habe, bestätigte der Angeklagte. Laut Anklage sollen sechs Käufer nach Einnahme der Pillen gestorben sein, sieben weitere fielen zeitweise ins Koma. Ein 19-jähriger Selbstmordwilliger konnte gerade noch gerettet werden, war aber bereits von Leichenflecken gezeichnet gewesen, wie es hieß. Das Fleisch an seinen Beinen sei bereits teilweise abgestorben gewesen.

AP AP

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