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Prozess über eingesperrtes Mädchen: Eltern kommen mit Bewährungsstrafe davon

Über Jahre hielten die Eltern ihre geistig behinderte Tochter in einem Haus in der Uckermark versteckt. Das Mädchen ging nie zur Schule. Am Dienstag wurden die Eltern von einem Gericht verurteilt.

Weil sie ihre geistig behinderte Tochter Jennifer neun Jahre in einem Haus in Lübbenow in Brandenburg versteckt hatten, sind die Eltern am Dienstag zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das Amtsgericht Prenzlau sprach sie in dem nicht öffentlichen Prozess wegen Verletzung der Fürsorge- und der Erziehungspflicht schuldig. Der 42-jährige Mann und seine 39 Jahre alte Lebensgefährtin erhielten je eine Haftstrafe von neun Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Das Urteil ist rechtskräftig.

Nach Auffassung des Gerichts hatten die Eltern ihre heute 14 Jahre alte Tochter von der Außenwelt abgeschottet und weder zur Schule noch zu einem Arzt geschickt. Erst nach einem anonymen Hinweis konnte die seinerzeit 13-jährige Jennifer Mitte Juli 2009 aus der Familie geholt werden. Sie trug Windeln und zeigte autistisches Verhalten. Das Mädchen befand sich dann über Monate in stationärer Behandlung. Derzeit besucht Jennifer eine Schule für geistig behinderte Kinder. Die Eltern haben ein eingeschränktes Sorgerecht. Das Jugendamt ist sogenannter Ergänzungspfleger für das Aufenthalts- und Bestimmungsrecht sowie die Gesundheitssorge.

Am Dienstag ordnete das Gericht an, dass der verurteilte Mann als Bewährungsauflage 200 Euro Geldbuße zahlen muss, die Mutter 80 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten hat. Jennifers Mutter wurde außerdem wegen Urkundenfälschung verurteilt. Sie hatte eine falsche Bescheinigung ausgefüllt, um eine Einschulung ihrer Tochter zu verhindern.

DPA / DPA