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Prozess um Amoklauf von Winnenden: "Wenn er überlebt hätte, hätte ich ihn umgebracht"

Seit 27 Prozesstagen steht der Vater des Amokläufers von Winnenden vor Gericht, weil er die Tatwaffe nicht richtig weggeschlossen hatte. Heute beginnen die Plädoyers der Nebenkläger. Im stern.de-Interview schildern die Eltern eines der Opfer den Prozessverlauf und was sie über Tim K. und seine Familie denken.

Von Ingrid Eißele

Heute beginnen in Stuttgart die Plädoyers der Nebenkläger im Prozess um den Amoklauf von Winnenden und Wendlingen. Der Vater des Amokläufers muss sich wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz und fahrlässiger Tötung verantworten, weil er seine Waffe nicht weggeschlossen hatte. Mit dieser Waffe ermordete Tim K. am 11. März 2009 15 Menschen, darunter auch die 16-jährige Stefanie Kleisch, die in der Nachbarschaft des Täters lebte. 37 Nebenkläger, die Angehörigen von Toten und Verletzten, erhofften sich Antworten auf die zentralen Fragen: Warum wurde Tim K. zum Massenmörder? Was war in dieser Familie los? Und welche Verantwortung trägt der Vater, der nur an den ersten Prozesstagen erschien? Ein Gespräch mit den Eltern der ermordeten Stefanie, Doris und Dieter Kleisch.

Sie haben keinen Tag im Gerichtssaal versäumt ...

DIETER KLEISCH: Wir gehen nicht gern da rein, aber wir waren an allen 27 Verhandlungstagen dabei. Das sind wir unserer Tochter schuldig und auch den Klassenkameraden, die überlebt haben und heute noch leiden.

Bekamen Sie Antworten auf Ihre Fragen?

DIETER KLEISCH: Ich habe den Gerichtsmediziner gefragt, wie genau unsere Tochter gestorben ist, ob sie gelitten hat. Wir mussten das wissen. Sie wurde fünfzehn Mal getroffen, ein Leberdurchschuss war tödlich. Sie hat nur noch sehr kurz gelebt und war nicht mehr bei Bewusstsein. Wir erfuhren auch, dass sie die erste Attacke von Tim K. überlebte. Aber er kehrte noch einmal in das Klassenzimmer zurück und schoss auf Steffi.

Nur auf sie?

DORIS KLEISCH: Ja. Sie saß nicht hinten wie die anderen Opfer, sondern ganz vorne links. Ihre Freundin saß direkt neben ihr, sie hatte keine Verletzungen. Es sieht so aus, als ob er Steffi gezielt erschossen hätte.

Das widerspricht den Aussagen der Polizei, wonach er seine Opfer nicht gezielt ausgewählt haben soll. (Anm. d. Redaktion)

DIETER KLEISCH: Bei meiner Tochter hab ich Zweifel an dieser These, zumal er sie persönlich gekannt hat. Er wohnte ja nur ein paar Straßen weiter.

Was vermuten Sie?

DIETER KLEISCH: Steffi war an Silvester 2008, also drei Monate vor der Tat, mit ihrer Freundin bei K.s, um Tims Schwester zu besuchen. Sie hatten noch miteinander auf ein gutes neues Jahr angestoßen, auch mit Tim. Wir wissen nicht, ob es da irgendeine Art von Verletzung gab. Die Mädels nahmen ihn nicht wahr, weil er so ein Bubi war. Das hatte uns Steffi gesagt. Er war für sie uninteressant. Es reichte möglicherweise ein Blick, um einen Hass aufzubauen.

Mehrere Gutachter im Prozess diagnostizierten Tim K. extreme Kränkbarkeit schon bei kleinsten Anlässen.

DIETER KLEISCH: Ich denke, das war eine Aktion gegen Mädchen. Hätte er wahllos gemordet, hätte er auch auf die Jungs gezielt, die sich auf der rechten Seite zusammen mit dem Lehrer verschanzt hatten. Irgendwas muss an dieser Schule passiert sein, das seinen Hass auslöste. Was genau, wird wahrscheinlich im Dunkeln bleiben. Die es wissen, sind tot oder sie schweigen. Keiner der Mitschüler, die als Zeugen aussagten, wollte etwas mit ihm zu tun gehabt haben.

Verstehen Sie denn nun besser, was in dieser Familie los war?

DORIS KLEISCH: Ja, beispielsweise durch die Chat-Protokolle von Tims Schwester. Daraus geht klar hervor, dass es der Familie bewusst war, dass Tim krank ist.

DIETER KLEISCH: Ein normales Familienleben war das nicht.

Was fehlte Ihrer Meinung nach?

DIETER KLEISCH: Die Wärme, das Aufeinanderzugehen, echte Gespräche. Vater K. hat immer nur versucht - das hat sich im Prozess rauskristallisiert - dem Sohn eine Plattform zu geben, damit er als Sieger dasteht. Ob beim Tischtennis, beim Poker oder beim Armdrücken.

Es gibt Tausende ehrgeizige Eltern, die ihre Kinder trimmen.

DORIS KLEISCH: Stimmt, uns ist es als Eltern auch wichtig, dass unsere Kinder etwas in ihrer Freizeit tun, aber nicht, um der Beste und Tollste zu sein, sondern damit sie Kontakt zu anderen Kindern haben.

In einer Erklärung betonten die Eltern, dass sie völlig ahnungslos waren.

DORIS KLEISCH: Das glaub ich, mit einem Amoklauf rechnet doch keiner.

DIETER KLEISCH: Mit dem Wissen, was die Familie K. von den Ärzten in Weinsberg hatte, hätte ich allerdings meine Waffen weggeschlossen. Schon allein aus Angst, mein Sohn könnte sich selbst was antun. Ich verstehe überhaupt nicht, wie Jörg K. den Sohn nach solch einem Termin noch zum Schießtraining mitnimmt.

Was war der Hauptfehler der Eltern?

DIETER KLEISCH: Der Umgang mit der Waffe. Und die Killerspiele, die wahllos gekauft wurden, ohne nachzudenken. Die Eltern wussten nicht, was ihr Sohn tut, die Tür zum Kinderzimmer blieb zu. DORIS KLEISCH: Es wirkte, als ob der Vater sich unheimlich bemüht, alles für seinen Sohn zu tun. Aber er wusste nicht, wie es ihm geht.

Halten Sie die Eltern also für verantwortungslos?

DORIS KLEISCH: Sie haben es sich zu leicht gemacht. Die Eltern waren zwar besorgt, aber ihnen war am wichtigsten, dass der Sohn den Realschulabschluss schafft, sie ließen deshalb sogar seine Intelligenz testen. Sie quälten ihn vier Jahre lang mit Nachhilfe durch die Realschule, das muss ein wahnsinniger Druck gewesen sein. Sie verschwendeten keinen Gedanken darauf, dass die Probleme woanders liegen könnten.

DIETER KLEISCH: Schule war für Tim sicher ein absolut rotes Tuch.

Wenn Sie so reden, schimmert fast so etwas wie Mitgefühl mit dem Täter durch.

DORIS KLEISCH: Nein, das kann ich nicht sagen, er hat schließlich unsere Tochter erschossen. Er war ein Mensch hinter einer Maske, ein Pokerspieler. Er hat es nicht geschafft, sich irgendjemandem zu öffnen. Er versuchte es, bei der Therapeutin in Weinsberg, und wurde nicht ernst genug genommen.

DIETER KLEISCH: Damals, gleich nach der Tat, hatte ich einen absoluten Hass auf ihn. Wenn er überlebt hätte, hätte ich ihn umgebracht, das wäre mein erster Impuls gewesen. Heute schiebe ich den Gedanken an ihn weg. Auch an den Vater. Ich wünsche mir, diese Leute nie mehr sehen zu müssen.

Sie saßen im Gerichtssaal vis à vis von Jörg K. Welchen Eindruck hatten Sie von ihm?

DIETER KLEISCH: Er war ja nur an den ersten Verhandlungstagen dabei. Er hat keine Regung, kein Mitgefühl erkennen lassen. Würde ich auf der anderen Seite stehen, dann hätte ich ein aufrichtiges Wort an die Opfer gerichtet. Denn ohne seine Waffe wäre die Tat nicht geschehen. Doch da kam kein Zeichen von Reue, keine Aufrichtigkeit. Nix.

Die Anwälte verlasen zu Beginn einen Brief der Eltern, in dem die ihr Bedauern zum Ausdruck brachten.

DIETER KLEISCH: Der war von den Anwälten verfasst und nicht glaubwürdig. Für mich wäre wichtig gewesen, dass dieser Mann sich persönlich hinstellt und ein klares Wort sagt, und wenn es nur ein einziger Satz ist.

Zum Beispiel?

DIETER KLEISCH: "Es tut mir leid.“ Da er das nicht schaffte, soll er die angemessene Strafe bekommen.

Betroffenheit hatte er doch schon in der ersten Vernehmung bei der Polizei erkennen lassen?

DORIS KLEISCH: Das war damals ein guter Anfang. Aber im Prozess haben seine Anwälte nur noch taktiert.

Als die Betreuerin im November vom Alltag der Familie berichtete, die sich versteckt halten muss, als sie von Morddrohungen und ständigen Wohnungswechseln sprach, da schien es, als taue das Eis.

DORIS KLEISCH: Ihr Sohn ist tot, und es geht ihnen mit Sicherheit nicht gut. Das wussten wir schon vor dem Prozess. Den jetzigen Zustand hätte Jörg K. selbst ändern können. Im Gerichtssaal hatte er die Chance dazu. Damit hätte er auch seiner Familie einen Gefallen getan.

In den nächsten Wochen wird das Urteil fallen. Werden Sie eine Gefängnisstrafe fordern?

DIETER KLEISCH: Wir fordern keine konkrete Strafe. Aber eine Bewährungsstrafe ist für mich - so wie sich der Angeklagte verhalten hat - keine Strafe.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(