HOME

Prozess um entführten Finanzberater: Rentner-Gang spricht von "Einladung"

Sie selbst bezeichnen es als eine Einladung, für die Anklage ist es Geiselnahme mit Entführung: In Traunstein stehen vier Rentner vor Gericht, die von ihrem Finanzberater auf etwas ungewöhnliche Weise 2,5 Millionen Euro zurückhaben wollten.

Was geschah im Juni 2009 mit dem Finanzberater James Amburn? Diese Frage wird seit Montag in einem der skurrilsten Gerichtsverfahren der vergangenen Jahre vor dem Traunsteiner Landgericht behandelt. Die Beteiligten erzählen höchst unterschiedliche Geschichten. Die Angeklagten, zwei Rentner-Ehepaare und ein Bekannter, wollen Amburn zu "ein paar Tagen Urlaub in Oberbayern" eingeladen haben.

Die Staatsanwaltschaft sieht Amburns Aufenthalt am Chiemsee allerdings komplett anders. Ihr Vorwurf: Entführung und Geiselnahme. So hätten sich die Angeklagten 2,5 Millionen Euro zurückholen wollen, die sie dem Deutsch-Amerikaner bei Besuchen in den USA anvertraut hatten.

Unbestritten ist: Drei Tage lang saß Amburn in einem Haus, das einem der beiden Ehepaare gehörte, den K.'s. In Speyer sollen die Senioren den Anlageberater überwältigt haben, so die Anklage, und das auf brutale Art und Weise: Gefesselt und geknebelt hätten die Rentner Amburn. Anschließend ging es ab nach Bayern.

Gefangen im "Not-Gästezimmer"

Dort wurde Amburn im Keller in einem "Not-Gästezimmer", wie es der 74-jährige Anklagte Roland K. vor Gericht nannte, untergebracht. Dadurch habe man ihn dazu bringen wollen, das Scheckbuch zu zücken. So einfach war das Ganze aber nicht, und so zwangen die fünf laut Anklage ihr Opfer, mehrere Schreiben zu unterzeichnen, in denen er die Rückzahlung der 2,5 Millionen Euro zusicherte. Nach drei Tagen kam dann allerdings ein Sondereinsatzkommando der Polizei, um Amburn zu befreien.

Für den Prozess in Traunstein sind sechs Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil soll am 23. März verkündet werden. Es stehen allerdings zunächst nur vier der fünf Anklagten vor Gericht: Gegen einen der beiden Ehemänner konnte das Hauptverfahren noch nicht beginnen, da er wegen einer Erkrankung nicht verhandlungsfähig ist.

ben/AFP/DPA / DPA