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Prozess um Falschaussage: Lehrerin hält an Vergewaltigungsvorwurf fest

Ein Mann verbüßte fünf Jahre im Gefängnis für eine Vergewaltigung, die möglicherweise erfunden wurde - kurz darauf starb er. Nun muss sich das angebliche Opfer vor Gericht verantworten.

In einem spektakulären Fall um angebliche Falschaussagen zu einer Vergewaltigung steht seit Donnerstag eine Lehrerin in Darmstadt vor Gericht. Auch nach dem Freispruch ihres angeblichen Vergewaltigers hielt die Frau an ihren schweren Vorwürfen fest. Sie muss sich wegen Freiheitsberaubung verantworten. Denn ihr früherer Kollege, ein Biologielehrer, war wegen der Vorwürfe zunächst zu fünf Jahren Haft verurteilt worden, die er auch antrat und absaß.

Die besondere Tragik des Falls: Der frühere Kollege der Frau hatte auch nach seiner Verurteilung 2002 zu fünf Jahren Haft stets seine Unschuld beteuert und starb nur ein Jahr nach seinem Freispruch 2011 an einem Herzinfarkt - genau an dem Tag, an dem Ermittlungen gegen die jetzt angeklagte Frau abgeschlossen wurden.

Schon zur Zeit der Verurteilung gab es Zweifel an den Vergewaltigungsvorwürfen. Doch zum Prozessauftakt in Darmstadt hielt die 48-Jährige am Donnerstag eisern an ihrer Version der Geschichte fest. "Die Tat habe ich sehr präsent im Gedächtnis", sagte sie unter Tränen vor dem Landgericht. In der Vernehmung durch die Kammer zeigte sich die angeklagte Mandantin allerdings sehr unsicher, sie erinnerte sich nicht mehr an Details von Vernehmungen, an Gespräche nach der Tat oder Einzelheiten aus ihrer Biografie. Ihr drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Staatsanwaltschaft zweifelt stark an Glaubwürdigkeit

"Wir gehen davon aus, dass die ganze Geschichte frei erfunden ist", sagte die Staatsanwältin zu Beginn der Verhandlung. Die Frau soll es lediglich auf den Posten des Biologielehrers abgesehen haben. Das hatte auch das Kasseler Landgericht bei seinem Freispruch im Wiederaufnahmeverfahren 2011 so gesehen und die Geschichte als "von vorn bis hinten erfunden" bezeichnet. Die Lehrerin sei in der Lage, "die aberwitzigsten Geschichten zu erfinden".

Das dementierte ihr Verteidiger Torsten Rock beim neuerlichen Prozessauftakt in Darmstadt: "Wir sind überzeugt, dass das, was sie damals gesagt hat, in vollem Umfang korrekt gewesen ist."

sas/DPA / DPA